Schönhausen l Benno Gromeier und Jürgen Mund stellten sich ihren Fragen und sagten, warum sie künftig Verantwortung tragen wollen. Mit „Warum kandidieren Sie?“ und „Wo sehen Sie die Schwerpunkte der Arbeit?“ eröffnete Verbandsgemeindebürgermeisterin Steffi Friedebold als Moderatorin des Wahlforums die Fragerunde im Bürgerzentrum. Benno Gromeier und Jürgen Mund, die am 29. September zum Bürgermeister gewählt werden möchten, nutzten die Chance, den Anwesenden ihren Standpunkt darzustellen.

„In Schönhausen muss die Jugend mehr gefördert werden und wir müssen uns um die Älteren kümmern“, sagte Benno Gromeier, nachdem er einen kurzen Blick auf sein berufliches Leben geworfen hat. „Dem Reitverein und dem Sportverein geht es gut, alles andere ist vernachlässigt, auch unserem Angelverein laufen wegen der Einschränkungen durch Natura 2000 die Mitglieder weg.“

Jürgen Mund ist nach der Wende in seine Heimat zurückgekommen, die Familie war wie viele andere Bauern Anfang der 50-er Jahre aus Fischbeck geflüchtet. „Als ich an jenem grauen Novembertag in Fischbeck aus dem Auto gestiegen bin, fühlte ich sofort: Hier bin ich zu Hause!“ 1995 ist er dann gänzlich „der Liebe wegen“ nach Schönhausen gekommen, „und ich bin schnell warm geworden mit den Dorfbewohnern“. Er wird nicht nur Mitglied im Reitverein, den er nun schon seit etlichen Jahren auch leitet, und Tischtennisspieler im SV Preußen, sondern er kandidiert vor zehn Jahren auch für den Gemeinderat, ist seit 2015 stellvertretender Bürgermeister. „Das macht mir Freude! Man kann eine Menge bewegen. Es gibt viele fähige Leute im Rat, die die Bürger gut vertreten wollen.“ Zu den Schwerpunkten sagte er: „Vieles wird sich auch künftig ums Geld drehen. Denn wie sagt man so schön: Ohne Moos nix los! Wir müssen alles auf die Goldwaage legen, die wichtigsten Dinge erhalten und nach vorn bringen.“

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Zu diesen wichtigen Dingen gehört auch das Wohnungsproblem – wie sie das denn angehen möchten, wollte Wolfgang Gehrke, selbst Ratsmitglied, wissen. „Ein wunder Punkt“, weiß Jürgen Mund. „Wir verschaffen uns jetzt erst einmal eine Übersicht, dann müssen wir das intensiv angehen. Wir brauchen Mietwohnungen, nicht jeder will und kann ein Haus bauen. Viele Leute wohnen gern im Neubaublock, machen sich aber Sorgen, wie sie im Alter ohne Fahrstuhl hoch in den vierten Stock gelangen. Wir brauchen einfach attraktive Wohnungen! In den letzten Jahrzehnten ist bei der Modernisierung einiges versäumt worden – das fällt uns nun auf die Füße.“

Als zweiten Schwerpunkt sprach Jürgen Mund das Bismarck-Museum an. Gleich nachdem Holger Borowski erkrankte und das Amt nicht mehr ausführen konnte, übernahm er die Geschäfte und hatte sich mit dem Personalproblem, das erst zur Schließung und jetzt zu Notöffnungszeiten führte, auseinander zu setzen. „Wir sind zusammen mit Verbandsgemeinde, Landkreis, Stiftung und Land dran, eine gute, dauerhafte Lösung mit Festeinstellung zu finden, damit so eine Situation wie jetzt nicht mehr eintritt.“

Vereinsstruktur

Abschließend zum ersten Antwortblock auf die beiden Fragen von Steffi Friedebold erklärte Jürgen Mund, dass zu den positiven Seiten Schönhausens die Vereinsstruktur gehört – „sie sucht ihresgleichen und ist die Basis für ein harmonisches gesellschaftliches Zusammenleben“.

Barbara Bleis stellte ihrer Frage die Schilderung eines Spazierganges mit Besuch voran: „In der Kirche haben wir mit Karin Froreck eine großartige Führung erlebt. Dann sind wir weiter ums Museum herum und in den Park. Die Grünanlagen sahen gruselig aus, dazu die alte Scheune und die Molkerei – da habe ich mich schon geschämt, wie es hier aussieht.“ Auf ihre Frage, wie es auf diesem Areal denn weitergehen soll, stimmte Benno Gromeier zu, dass „es ein Schandfleck ist. Leider sind die Eigentumsverhältnisse bei der Molkerei verzwickt“.Er habe selbst schon versucht, Kontakt aufzunehmen, „aber das ist kompliziert“. Beide alten Gebäude sehen nicht nur unschön aus, sondern stellen auch eine Gefahrenquelle dar, „da muss dringend etwas passieren!“ Jürgen Mund baut beim Park auf ein Gesamtkonzept, über das man jetzt in einem Arbeitskreis, der heute erstmals zusammentritt, beraten will. Ratsmitglied Peter Hackel kenne sich durch seine Arbeit beim Igea-Planungsbüro bestens mit dem Projekt Wiederaufbau nach der Flut im Park aus. „Der Park wird nach Abschluss der Arbeiten sicher sehr schön sein. Aber damit ist die Sache für uns nicht abgeschlossen. Denn das alles muss gepflegt werden! Wir überlegen schon länger, ob wir einen Gärtner einstellen, einen Förderverein gründen und wo wir Fördermittel herbekommen. Die Komposition im Park mit Kirche und Museum ist einmalig. Wir müssen alles dafür tun, dass das Areal wiederhergestellt wird und wir es dann auch ansprechend erhalten.“

Bernd Bleis, ebenfalls Ratsmitglied, meldete sich als stellvertretender Vorsitzender des SV Preußen zu Wort. „Mit der neuen Sporthalle haben wir eine der schönsten Anlagen im Landkreis. Aber bei der finanziellen Lage der Gemeinde haben wir Sorge, dass der Verein bei der Unterhaltung überbelastet wird. Wie kann die Gemeinde das Ehrenamt fördern?“ Jürgen Mund stimmte zu, dass der Neubau der Halle ein gelungenes Projekt ist und freut sich, dass sich die Mitgliederzahl mit den neuen Angeboten deutlich erhöht hat. „Der Rat muss dahinter stehen und kann das nicht dem Verein allein überlassen. Ich bin guter Hoffnung, dass wir das schaffen.“ Generell gehe es nicht ohne das Ehrenamt, „das muss mehr Anerkennung finden! Wir können stolz sein, dass es immer wieder Leute gibt, die das meist zeitaufwendige Ehrenamt übernehmen“. Benno Gromeier sieht das kritischer: „In Schönhausen will kaum noch einer etwas machen. Wir müssen es schaffen, mehr Leute zur ehrenamtlichen Arbeit heran zu ziehen.“

Gast Eckhard Gromeier bedauerte, dass so wenige Einwohner zum Wahlforum gekommen sind, „sind die Einwohner müde?“ Und er stellte fest, dass in puncto Kultur kaum etwas laufe, „früher gab es Dorffeste, jetzt ist nichts mehr los“. Zu den Dingen, die er vernachlässigt sieht, gehören der Neue Wiehl und der Jugendklub. Der Rat fasse zwar Beschlüsse, „aber was wird denn davon umgesetzt?“ Jürgen Mund konterte, dass „sehr wohl viel passiert. Das sieht man auch, wenn man durch den Ort fährt“. Man könne die Zeit heute auch nicht mehr mit vor 20 Jahren vergleichen, als die Kommunen noch aus dem Vollen schöpfen konnten. „Wir dürfen nicht in Pessimismus verfallen. Hier wohnt ein lustiges Völkchen!“ Benno Gromeier pflichtete dem Fragestellenden bei. „Nur der Sportverein und die Feuerwehr stellen noch etwas auf die Beine. Viele Jugendliche sind weg, die Älteren werden älter, da passiert nicht mehr viel. Wir müssen daran arbeiten, dass die Jugend bleibt! Und anpacken!“

Von Steffi Friedebold um einen letzten zusammenfassenden Satz gebeten, sagte Benno Gromeier, dass man sich voll hinter die Jugend und die Älteren stellen und Dinge in die Wege leiten muss, um die Gemeinde voran zu bringen. Jürgen Mund: „Wir gehen die Probleme zusammen mit einem gut funktionierenden Rat an und finden machbare Lösungen.“