Havelberg l Der November ist auch der Monat öffentlicher Gedenkveranstaltungen. Zum einen wird am 9. November anlässlich der sogenannten Progromnacht von 1938 in Havelberg der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Andererseits führt zum Volkstrauertag stets ein Gedenkmarsch vom Dom aus zu den Friedhöfen und Gedenkstätten, um der Opfer der Weltkriege zu gedenken. Das wird in diesem Jahr alles anders sein wegen des erneuten Corona-Lockdowns, der das öffentliche Leben im November fast vollständig zum Erliegen bringt.

„Wir werden die Gedenkveranstaltung am 9. November erstmalig digital anbieten und bereiten gerade Beiträge vor, die dann in einem rund 15-minütigen Video im Internet zu sehen sind“, sagt Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) gestern auf Nachfrage. Tourismuschefin Marina Heinrich war am Montag unterwegs, um Videos aufzuzeichnen. Unter anderem spielte Domkantor Matthias Bensch im Dom Musik ein. Judith Tetzlaff und Katrin Rauls, die sonst bei den Veranstaltungen an der Gedenktafel der früheren jüdischen Gemeinde am Markt Querflöte spielen, machen dies dieses Mal ebenfalls vor der Kamera. Der Bürgermeister hält eine – kürzere – Gedenkrede, die Kirchengemeinde steuert ein Gebet bei. Museumsleiterin Antje Reichel kümmert sich um Augenzeugenberichte aus der Zeit um den 9. November 1938. Die Kranzniederlegung wird fürs Video, das am kommenden Montag am späten Nachmittag zur Zeit des Gedenkens im Internet freigeschaltet werden soll, aufgenommen. Sie wird allerdings auch live mit Bürgermeister und Stadtratsvorsitzendem am 9. November stattfinden.

Weihnachtsmarkt steht auf der Kippe

Auch für den Volkstrauertag am Sonntag, 15. November, wird ein corona-konformes Gedenken vorbereitet, berichtet Bernd Poloski weiter. Traditionell bleibt der Gottesdienst im Paradiessaal ab 10 Uhr – unter den gegebenen Bedingungen. „Im Anschluss werden wir in ganz kleinen Gruppen zu den Gedenkstätten gehen und Kränze niederlegen. Es wird keine Reden und keine Musik vom Posaunenchor geben.“

Angesichts des „Lockdowns light“ hat die Hansestadt ihre Internetseite aktualisiert und zeigt zum Beispiel die Gaststätten an, die nun, weil alle geschlossen bleiben müssen, Außerhausverkauf beziehungsweise Abhol- und Lieferservice anbieten.

Noch nicht abschließend entschieden ist, ob die Hansestadt den Weihnachtsmarkt ausrichten wird. Geplant war er wie in jedem Jahr am zweiten Adventswochenende. Vor zwei Wochen war der Aufruf an Händler, Vereine und weitere Interessierte gestartet worden, sich bei der Stadt zu melden. Unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregelungen sollte ein Weihnachtsmarkt stattfinden.

Ob dieser nun, vier Tage nach Ende des aktuellen Lockdowns, tatsächlich eröffnen könnte, ist ungewiss. „Wir stehen vor dem großen Problem, dass wir jetzt in die intensiven Vorbereitungen gehen und auch Verträge etwa mit Musikern schließen müssten, die das Programm gestalten. Ich habe alle Stadträte angeschrieben und sie um ihre Meinung gebeten. Bis Montagabend wollte ich gern die Antworten haben“, berichtet der Bürgermeister, dass die Stadtverwaltung danach die Entscheidung treffen wird, ob es 2020 einen Weihnachtsmarkt geben wird.

Wie geplant stattfinden werden die Ausschusssitzungen und der Stadtrat. Der Kultur- und Sozialausschuss traf sich Montag. Am Dienstag ist der Ausschuss für Ordnung, Umwelt und Tourismus an der Reihe (Beginn ist um 18.30 Uhr) und am Mittwoch der Bau- und Wirtschaftsausschuss (19 Uhr). Der Haupt- und Finanzausschuss tagt am kommenden Montag ab 19 Uhr. Der Saal im Rathaus bietet ausreichend Platz, um die Corona-Regeln einzuhalten. Auch Besucher können dabei sein, wenn auch nicht unbegrenzt. Die Stadtratssitzung am 26. November findet wieder in der Sporthalle statt.

Aktuell sind neun Bürger in Quarantäne

„Von besonderer Wichtigkeit sind, im Zusammenwirken mit dem Landkreis und den Regionalbereichsbeamten, die regelmäßigen Kontrollen der Dienstleister. Vor allem in den Einkaufszentren geht es darum, die Hygienestandards einzuhalten“, sagt der Bürgermeister.

In Bezug auf die Kindergärten und die Grundschule bekommt, zusätzlich zur Einhaltung der Aha-Regeln, das regelmäßige Lüften einen besonderen Stellenwert. Die Sportanlagen dürfen nur noch für den Schulsport genutzt werden.

In Bezug auf das Rathaus bittet er die Bürger darum, weiterhin zu prüfen, ob ein Besuch wirklich erforderlich ist oder ein Telefonat reicht. Bei Bedarf sollte vorher eine Termin vereinbart werden. Dabei hat er im Blick, dass nur ein, zwei positiv Getestete bei den Mitarbeitern erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit der Verwaltung hätten, wenn dann mehrere als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt werden müssten.

Froh ist das Stadtoberhaupt, dass die Zahl der Infizierten im Bereich der Einheitsgemeinde Havelberg seit 26. Oktober bei zwei geblieben und kein neuer Fall hinzu gekommen ist. Stand Montag waren neun Menschen in Quarantäne.