Havelberg l Landtagsabgeordneter Wulf Gallert und Kreistagsfraktionsvorsitzende Katrin Kunert (beide Die Linke) fordern die KMG Kliniken auf, das Havelberger Krankenhaus in den nächsten Monaten nicht zu schließen. Dabei haben sie das Corona-Virus im Blick. „Seit Wochen dürfte auch in Deutschland klar sein, dass die bevorstehende Corona-Pandemie eine extreme zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem insgesamt und insbesondere für die stationäre Versorgung bedeuten wird. Inzwischen gibt es Erfahrungen unter anderem aus Italien, die einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems beschreiben. Dies darf sich in Deutschland nicht wiederholen“, fordern sie in ihrer Erklärung.

Und weiter: „Vor diesem Hintergrund ist die beabsichtige Schließung des Krankenhauses durch die KMG zum Ende des Monats völlig inakzeptabel und verantwortungslos. Unabhängig von dem notwendigen Trägerwechsel steht die KMG in der Pflicht, in dieser Situation die notwendige Versorgung im Raum Havelberg aufrecht zu erhalten. Das bedeutet nicht, dass die Suche nach einem neuen Träger deshalb ausgesetzt werden darf. Der Landkreis und das Land Sachsen-Anhalt bleiben hier weiter in der Pflicht.

Das Schließen eines Krankenhauses in dieser Situation käme einem Politikversagen gleich und würde grundsätzlich die Eignung des privaten Krankenhauskonzerns infrage stellen, die öffentliche Gesundheitsversorgung wahrzunehmen.“

KMG könne unter normalen Umständen die These vertreten, dass sie die Patienten in anderen Krankenhäusern des Konzerns behandeln kann. Doch mit Blick auf die Pandemie wäre es der absolute Wahnsinn, die Krankenhaustüren zu schließen, macht Wulf Gallert deutlich. Seiner Kenntnis nach gibt es von KMG die Aussage, dass eine Übergabe an einen neuen Betreiber zum 1. April vollzogen werden muss. Doch ist er der Ansicht, dass der Konzern in der Pflicht ist, den Krankenhausbetrieb darüber hinaus aufrecht zu erhalten – unabhängig davon, ob es bis dahin gelungen ist, einen neuen Träger zu finden. „Wir rechnen bei Corona nicht mit einer Spitzenbelastung der stationären Gesundheitsversorgung für zwei Wochen, sondern für ein halbes bis dreiviertel Jahr. Es muss uns gelingen, die Kurve abzuflachen. Doch ist damit zu rechnen, dass wir die Kapazitätsgrenze erreichen. Jetzt das Krankenhaus zu schließen, wäre ein unverzeihlicher Fehler.“

Von KMG hieß es dazu auf Nachfrage: „Das Krankenhaus in Havelberg steht Patienten mit dem Verdacht auf eine Infektion mit dem Covid-19-Virus – ähnlich wie ein niedergelassener Arzt - als erste Anlaufstelle zur Verfügung. Hier wird bei einer entsprechenden Symptomatik ein Test auf das Virus durchgeführt. Patienten mit einem wahrscheinlichen Infektionsverdacht und der Notwendigkeit einer stationären Versorgung werden von dort aus an ein Klinikum der erforderlichen Versorgungsstufe überwiesen. Mit seinen sechs Ärzten, davon vier Chirurgen, verfügt das KMG Klinikum Havelberg nicht über die Voraussetzung zur stationären Behandlung von infizierten Patienten.“