Hohenofen l Besucher können die einstige Papierfabrik förmlich noch atmen. In der Werkhalle mit der Taktstraße erwecken die Maschinen den Eindruck, als würde ein Knopfdruck genügen und die Papierproduktion ginge sofort los. Das ist natürlich nicht der Fall. Dennoch gilt die Papierfabrik Hohenofen mit der 42 Meter langen Papiermaschine im Erdgeschoss europaweit als einzigartig und ist deshalb ein besonderes technisches Denkmal, wie Dietmar Miehlke berichtet.

Es ist Geschäftsführer des Vereins Patent Papierfabrik Hohenofen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Denkmal, das sich in privater Hand befindet, zu erhalten und zu beleben. Die Anfänge sind gemacht.

Kleines Team entwickelt Angebote

„Wir sind ein kleines Team, das verschiedene Angebote entwickeln will. Aufbau eines Museums, Kunst und Kultur, Workshops, Vermietung von Räumlichkeiten für Gewerbe und Kunsthandwerk zählen dazu.“ Bereits angesiedelt haben sich auf dem Areal eine Bio-Imkerei, eine kleine Ledermanufaktur und ein Kunstschmied.

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Nachdem es in diesem Jahr schon verschiedene Veranstaltungen gab, wird am ersten Adventswochenende erstmals zu einem Weihnachtsmarkt eingeladen, bei dem Kunsthandwerk, Textilien und Design das Angebot bestimmen. „Bratwurst, Glühwein und andere Leckereien gibt es natürlich auch, das gehört dazu“, sagt Dietmar Miehlke.

Wichtige Rolle in der Industriekultur

Mit in die Vorbereitungen involviert ist Natascha Cronacher, die den Bewohnern des Elb-Havel-Winkels zum Beispiel von Festen im kleinen Haveldorf Garz bekannt ist. Zuletzt hatte sie ihre kreativen Filzarbeiten, zu denen exklusive Hüte gehören, beim Kartoffelfest präsentiert. Dort berichtete sie auch vom Weihnachtsmarkt in der Papierfabrik. Inmitten der Werkhalle im Erdgeschoss werden die Angebote dann feilgeboten. Auch draußen werden Stände aufgebaut.

Wer sich für die Papierfabrik interessiert, kann sich zu Führungen anmelden, zu denen der Verein einlädt. Im Internet ist zu erfahren, dass die Papierfabrik als Wahrzeichen der dezentralen Entwicklung der Industrialisierung im Preußen des 17. Jahrhunderts gilt und eine wichtige Rolle in der deutschen Industriekultur spielt. Der Industriestandort Hohenofen blickt auf eine 300-jährige Geschichte zurück. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war dort Eisen beziehungsweise Silber verhüttet worden. Zur Geschichte der Papierfabrik heißt es auf der Seite des Vereins unter anderem: „Am 1. Juli 1838 ging das Werk in Betrieb. Die Jahresproduktion betrug 2800 Zentner Papier. Es wurde hochfeines Wasserzeichenpapier für Staatspapiere erzeugt. Gleichfalls wurden hochwertige Feinpapiere nur aus Hadern (Lumpen) vornehmlich für den Behördenbedarf gefertigt. 1880 erfolgte die Umstellung des Hauptantriebes von Wasser- auf Dampfkraft. Ab 1886 wurde eine neue, 180 Zentimeter breite Papiermaschine installiert, die noch die Basis der heutigen Papiermaschine ist.“

Die Papiermaschine ist 42 Meter lang, berichtet Dietmar Miehlke, der Besuchern gern auch das Pergamentpapier zeigt, das bis 1990 von gut 100 Mitarbeitern im Dreischichtsystem für die gesamte DDR und die Ostblockstaaten hergestellt wurde. „Ich finde es immer wieder faszinierend, dass diese riesigen Maschinen solch feines Papier möglich gemacht haben.“

Riesige Maschinen fertigten feinstes Papier

Eine Etage höher befindet sich der Holländersaal, wo die Maischen für das Papier hergestellt wurden. Zunächst aus Lumpen, dann aus Zellulose und Holz. Auch dort sieht alles so aus, als hätte der letzte Mitarbeiter das Licht erst vor kurzem ausgeknipst. Es wäre tatsächlich schade gewesen, wären die Maschinen und Anlagen nach der Schließung der Papierfabrik kurz nach der Wende verkauft worden.

So bleibt ein Stück Industriegeschichte erhalten. Und auch wenn die Maschine nicht durch einen Knopfdruck wieder in Gang gesetzt werden kann, so sollen Besucher doch die Gelegenheit erhalten nachzuempfinden, wie es einst dort war. An der Papiermaschine und im Holländersaal sollen multimediale Installationen das möglich machen. Ebenso wie die Maschinen und Anlagen sollen auch die Erinnerungen der Mitarbeiter nicht verloren gehen. Ziel ist es, jährlich ein Ehemaligentreffen zu organisieren. Ihre Geschichten könnten in einem Buch festgehalten werden, so der Geschäftsführer.