Vehlgast l An gleich zwei Tagen herrschte kürzlich reges Leben im alten Vehlgaster Schöpfwerk: Am Sonntag vor einer Woche war hier eine von vielen Stationen des deutschlandweit begangenen Denkmaltages gewesen und am Freitag hatte in dem provisorisch gesicherten Gebäude auf dem Haveldeich der Ortschaftsrat von Vehlgast-Kümmernitz getagt.

Um das Schöpfwerk mit seiner riesigen Cyclop-Pumpe als technisches Denkmal zu erhalten, hatte sich 2011 eigens eine Förderverein gegründet. „Zu Jahresbeginn haben wir die Baugenehmigung erhalten“ informierte Vereinsvorsitzende Ute Funke sowohl am Denkmaltag als auf der Sitzung. Und nun fließen aus dem Programm „Land(auf)Schwung“ auch fast 20 000 Euro Fördermittel für die Planung. Um dieses Geld zu erhalten, musste von Schatzmeisterin Irma Stopka allerhand Vorarbeit geleistet werden, denn dazu mussten Eigenmittel in Höhe von 5000 Euro aquiriert werden. Diese kamen über Spenden und Beiträge, aber auch durch Arbeitsleistungen im Schöpfwerk zusammen. Und nicht zuletzt am Denkmaltag, wo Kaffee und Kuchen für den guten Zweck ausgeschenkt werden.

Jetzt werden die Bauplanung sowie ein Baugrundgutachten erstellt, ein Statiker wird einbezogen und auch ein Abwasserkonzept muss erstellt werden. Denn im Erdgeschoss soll neben einer Küchenzeile ein von außen zugänglicher Sanitärtrakt errichtet werden, der damit auch Wasserwanderern und Radlern zur Verfügung steht.

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versammlungsraum und Café geplant

Das Gebäude soll noch ein weiteres Stockwerk erhalten, in dem ein Versammlungsraum eingerichtet wird, der auch von Feuerwehr und Fischereigenossenschaft genutzt werden kann. Der Zugang erfolgt über Außentreppe und Balkon. Auch ein Café könnte hier ehrenamtlich betrieben werden, so die Pläne des Vereins.

Eine einst vorhandene Förderschnecke soll auch wieder eingebaut werden. Dieses stählerne Teil hatte Wilfried Ebert, der sich seit Jahren um das technische Denkmal kümmert, im benachbarten brandenburgischen Voigtsbrügge entdeckt, wo die baugleiche Wasserschnecke in einem Schöpfwerk an der Jäglitz im Einsatz gewesen war. Eigentümer Mart van Elst hat dem Förderverein das Teil – was eigentlich verschrottet werden sollte – kostenlos überlassen. Mit Hilfe von Spendern wird es nun saniert: Den Transport bezahlt Landwirt Bernd Flader, das Material die Fischereigenossenschaft, Formung und Zuschnitt Wolfgang Sell, das Schweißgerät kommt von Metallbau Obermüller.

Zum Antrieb der Schnecke wurde bereits seit 1927 Windenergie benutzt: Das Windrad wurde zu Kriegsende abgetragen, die Vehlgaster befürchteten wegen des weithin sichtbaren Zieles Angriffe. Das Kesselhaus samt Schornstein wurde 1977 abgerissen, noch ein Jahr länger blieb die Pumpe in Betrieb.

Natürlich kann man im Erdgeschoss auch die eindrucksvolle Pumpe besichtigen. Von ihr gibt es deutschlandweit nur noch ein weiteres Exemplar. Der bei „Mehlis & Behrens“ in Berlin im Jahr 1900 erbaute „Cyclop“ pumpte in zwölf Stunden immerhin 35 000 Kubikmeter Wasser. Im Dauerbetrieb musste die Pumpe nach zwei Stunden erst einmal abgestellt werden, da die Gräben ringsum leer waren.