Corona

Der Havelberger Ratskeller wird zum Testzentrum

Von Andrea Schröder
Diplommediziner Günter Kotzauer zeigt, wie weit das Stäbchen ins Nasenloch muss. Foto: Andrea Schröder

Havelberg

Nachdem es eine ganze Weile so aussah, als bliebe Havelberg ein weißer Fleck auf der Karte der Corona-Testzentren im Landkreis Stendal und darüber hinaus, haben sich Stadt und Havelapotheke zusammen engagiert und die Hansestadt bekommt nun eine Station, in der Bürger die für sie kostenlosen Schnelltests vornehmen lassen können. Mit Gerald und Christina Friedl hat sich ein Apotheker-Ehepaar gefunden, das sich den Hut aufgesetzt, die erforderlichen Genehmigungen eingeholt und das Organisatorische drumherum erledigt hat. Die Stadt vermietet den seit Jahren leer stehenden und nur temporär genutzten Ratskeller dafür. „Ich bin Friedls sehr dankbar, dass sie die Organisation in ihre Hände genommen haben, und den Freiwilligen, dass sie im Testzentrum unterstützen“, ist Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) froh, dass es in wenigen Tagen möglich ist, sich testen zu lassen.

Das ist besonders vor dem Hintergrund der Notbremse mit Testpflicht etwa für einen Einkauf im Einzelhandel oder für den Friseurbesuch besonders wichtig. Denn hier bekommt der Bürger ein bestätigtes Testergebnis. Die Anerkennung von Selbsttests zu Hause wird gerade noch diskutiert.

„Es hat alles ganz prima und unkompliziert geklappt“, freut sich auch Gerald Friedl, dass es nun die Möglichkeit für Schnelltests in Havelberg gibt. Er hatte ebenso wie die beiden anderen Apotheker in Havelberg zunächst mit Testangeboten gezögert, weil das personell und räumlich in der Havel-Apotheke nicht zu stemmen gewesen wäre. Mit der Unterstützung der Stadt, den Räumlichkeiten des Ratskellers und der großen Bereitschaft von Freiwilligen stand der Einrichtung nun nichts mehr im Wege.

Zu denen, die die Arbeit im Testzentrum unterstützen, gehört Günter Kotzauer, der ebenso wie seine Frau schon in den Startlöchern stand, um die Schnelltests zu unterstützen, wie er sagt. Der Chirurg übernahm am Mittwoch die Einweisung der Helfer. Zunächst zeigte er anhand eines Anatomiebuches, wie weit genau das Stäbchen ins Nasenloch geschoben werden muss. Dann ging es zum praktischen Teil, für den sich Gerald Friedl als Testperson zur Verfügung stellte. Im Anschluss probierten auch schon die Helfer das Testen aus. „Ich habe noch etwas Angst, jemandem weh zu tun. Aber das wird sich legen, wenn man es öfter gemacht hat“, ist sich Carmen Fringl sicher. So sieht es auch Karin Naglo, die sich ebenfalls traute. Im EinbahnstraßensystemIn der ersten Woche ab 3. Mai mit drei Öffnungstagen sind es zunächst sieben Freiwillige, die testen werden, weil sie schon geimpft sind. Ab der Woche darauf können dann alle 17 Helfer zum Einsatz kommen. Sie wollen in Dreierteams tätig sein. Einer empfängt die Bürger und achtet auf das korrekte Ausfüllen des Anmeldebogens. Ausweis, Pass oder Führerschein sind vorzulegen. Zudem nimmt er die telefonischen Anmeldungen entgegen. Die Termine werden im Zehn-Minuten-Takt vergeben. Der Zweite nimmt den Abstrich aus der Nase. Der Dritte übernimmt die Auswertung.

Mit dem Ratskeller stehen sehr gut geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung. Es gibt ein Einbahnstraßensystem, so dass sich nicht zu viele Menschen begegnen müssen. Im vorderen Bereich des Gastraumes erfolgt die Anmeldung, im hinteren Bereich befinden sich zwei Testplätze. Im Nachbarraum können die Bürger auf ihr Testergebnis warten, das nach 15 Minuten vorliegt. Dort verlassen sie dann den Ratskeller. Für Menschen im Rollstuhl besteht die Möglichkeit, sich barrierefrei testen zu lassen.

Durchlüften, durchheizen, Kontrolle von Strom, Wasser und Abwasser, eine Grundreinigung und das Bereitstellen von Mobiliar gehörten zur Vorbereitung des Testzentrums von Seiten der Stadt. Der Bürgermeister ist froh, dass alles so reibungslos und schnell geklappt hat. Friedls wollen sehen, wie der Bedarf an Schnelltests sein wird. Danach werden die Öffnungszeiten angepasst, die nach dem Start in der kommenden Woche ab 10. Mai montags bis freitags angeboten werden sollen.

Für das Havelberger Corona-Testzentrum im Ratskeller können sich Bürger zu den Öffnungszeiten telefonisch anmelden. Termine werden im Zehn-Minuten-Takt vergeben. Die Telefonnummer lautet 0152/26295749.

Die Öffnungszeiten sind vom 3. bis 7. Mai Montag und Freitag von 9 bis 13 Uhr, Mittwoch von 13 bis 17 Uhr.

Wenn alle Helfer geimpft sind, können ab 10. Mai bei Bedarf weitere Öffnungszeiten angeboten werden.

17 Freiwillige arbeiten pro Öffnungstag in Dreierteams. Sie haben von der Havel-Apotheke, wie rechtlich vorgegeben, einen Arbeitsvertrag auf Minijob-Basis für eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Gerald Friedl zeigt den Terminplan. Anmeldungen sind ab Montag telefonisch möglich.
Foto: Andrea Schröder
Karin Naglo nimmt den Test bei Carmen Fringl vor. Noch sind beide vorsichtig, doch mit jedem Abstrich werden sie sicherer. Vor jedem Testtag werden die Freiwilligen getestet.
Foto: Andrea Schröder