Schönhauser Kirche

Der Leuchter für den Friedensaltar ist fertig geschnitzt

Von Heike Buchholz
Stifter Frank Guderjan und Tischlermeister Hagen Siedler mit dem nun fertigen Leuchter – geschnitzt aus dem Holz eines Lindenbaumes, der Sockel ist aus Eichenholz gefertigt.
Stifter Frank Guderjan und Tischlermeister Hagen Siedler mit dem nun fertigen Leuchter – geschnitzt aus dem Holz eines Lindenbaumes, der Sockel ist aus Eichenholz gefertigt. Foto: Heike Buchholz

Schönhausen

Der reich verzierte Leuchter aus Lindenholz findet seinen Platz im nördlichen Seitenschiff vor dem hölzernen Kruzifix, das 1935 vom Bildhauer Kuhnert zum Gedenken an die Leiden und menschlichen Tragödien des Ersten Weltkrieges erschaffen wurde. In Kuhnerts Mahnmal sind die Namen der gefallenen wehrpflichtigen Männer des Dorfes eingeschnitten. Die Namen der Toten stehen für sich, ohne militärischen Dienstgrad. Es waren keine Söldner und keine Eroberer. Die ums Leben gekommenen Männer waren in erster Linie Väter, Brüder, Ehemänner und Söhne. Sie waren bodenständige Bauern, geschickte Handwerker oder fleißige Tagelöhner. Viele der Familien sind noch heute in Schönhausen ansässig. Wohl niemand hatte einen Grund, seine Heimat zu verlassen, um sein Leben mit Streit, Krieg und Gewalt zu beenden. Über der Tafel breitet ein wunderbar in Eichenholz geschnitzter Christus seine Arme aus zur Vergebung von Schuld und Erlösung von dem Tode.FestgottesdienstDer Leuchter wird dieses Bild in der Friedenskapelle komplettieren. Die Indienststellung findet am 9. Mai ab 10.30 Uhr während des Gottesdienstes statt.

Hagen Siedler, der schon zahlreiche Objekte in der Kirche wie den Altar oder zuletzt das große Bismarck-Epitaph zusammen mit Hiltrud Fritsche restauriert hat, beschreibt die Symbolik des Leuchters so:

„Die Grundform ist einer antiken Tempelsäule nachempfunden. Von ähnlichen Säulen werden auch die Arkadenbögen unserer romanischen Kirche getragen. Seit Jahrtausenden sind Säulen das Symbol für das Tragen schwerer Lasten. In der Architektur stemmen sie die tatsächlichen Lasten. In der Kunst stehen sie für das Ertragen menschlicher Belastungen. So verschieden diese im Leben eines jeden Einzelnen auch sein mögen – die Angst vor Streit, Krieg, Unfreiheit, Krankheit und auch vor dem Tod ist allen Generationen gemeinsam. In der künstlerischen Darstellung biblischer Szenen wird oft die symbolische Kraft der Säule genutzt. In mittelalterlichen Bildern und Skulpturen ist Jesus während seiner Geißelung an eine Säule gebunden, ein Zeichen für das sanftmütige Ertragen von Demütigung, Spott, körperlichem Schmerz und der Enttäuschung, von seinen Freunden im Stich gelassen zu sein.“Dank den SpendernAus dieser Kraft der Säule erwachsen aus Hagen Siedlers Leuchter Weinreben mit bewegten Blättern, Knospen und Trauben, fest verwurzelt in der Säule Jesu Christi. Der aus Eichenholz gefertigte Sockel trägt die Inschrift mit den Worten aus der Bibel: „ICH BIN DER WEINSTOCK – IHR SEID DIE REBEN.“ Und auch das hat für den Erschaffer tiefe Symbolik: „In diesem Gleichnis werden wir ermahnt, dass wir alle Brüder und Schwestern vor Gott sind. So verschieden wir auch sein mögen, mit unterschiedlichen Begabungen, arm oder reich, alt oder jung, gesund oder krank – es kann niemand für sich allein bestehen.“

Bei allem inneren Antrieb und Freude an der Gestaltung der Schnitzereien bedarf es doch immer zuerst Menschen, die ein Projekt anschieben, den Stein sozusagen ins Rollen bringen. Für diesen Leuchter sind es die Schönhauser Christel und Frank Guderjan. Durch ihre großzügige Spende im Jahre 2018 haben sie wesentlich die Schaffung der Friedenskapelle und somit auch dieses Leuchters unterstützt. Als sichtbares Zeichen der Anerkennung ist ihr Name als Stifter in der Säulenbasis verewigt.