Havelberg l Diese Arbeit macht Spaß! Das versichern die Frauen, die zum überwiegenden Teil seit der Buga 2015 dafür sorgen, dass der Havelberger Dom Besuchern kostenlos offen steht und den Domladen betreiben: in der Saison von April bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 12 bis 18 Uhr, von November bis März mittwochs bis sonnabends von 10 bis 16 Uhr, sonnt- und feiertags 12 bis 16 Uhr. Eine wichtige Arbeit. Für die Hansestadt insgesamt, nicht nur für die Kirche, wie sie bei der Dienstberatung am Mittwoch mit Kathrin Städler berichten. Denn der Dom ist das Wahrzeichen Havelbergs. Jährlich sind es gut 30 000 Besucher.

„Dass der Dom aufgehalten wird, ist wichtig. Auch außerhalb der Saison. Die Besucher, die zu uns kommen, sind dankbar, dass sie hinein gehen können“, weiß Petra Schrader aus Kamern, die seit der Buga zum Domteam gehört und der diese Tätigkeit sehr viel Spaß bereitet. So geht es auch den anderen, wie zum Beispiel Sabine Neumann, Ulrike Salzmann, Annette Brändel, Karin Zombronner und Gerda Schürmann. „Ich hatte vor der Buga an der Gästeführerausbildung teilgenommen und mich gefragt, was ich Sinnvolles für die Stadt tun kann, in der ich über 30 Jahre beruflich tätig war“, nennt Ulrike Salzmann ihre Beweggründe, sich für die Mitarbeit im Domteam entschieden zu haben.

Interessante Begegnungen

Ingrid Rambeau hatte vor einem Jahr in der Zeitung darüber gelesen und sich nach 45 Berufsjahren hinterm Schreibtisch gedacht, dass das genau das richtige für sie wäre. Vor allem auch, weil sie viele im Team kennt. „Es ist eine anspruchsvolle und verantwortungsvolle Arbeit hier, aber sie ist sehr schön“, lautet ihre Einschätzung.

Karin Zombronner, die auch in der für den Dekaneigarten zuständigen Gartengruppe aktiv ist, mag die vielen interessanten Gespräche mit den Besuchern, „die aus aller Herren Länder kommen“. Gerda Schürmann, die ursprünglich nur einmal in der Woche im Dom mithelfen wollte und nun schon fast dort zu Hause ist, wie sie scherzhaft bemerkt, berichtet von vielen herzlichen und manchmal auch lustigen Begegnungen. Etwa mit einem Herrn aus dem Westen Deutschlands, der meinte, sie kenne bestimmt nicht den Ort, aus dem er kommt. „Ich sagte: Doch, das ist ein Nachbardorf meiner Heimatstadt, da hatte ich mal einen Freund.“ Es gibt aber auch bewegende Momente. So fragte ein Besucher, wie viel es denn kosten würde, in den Dom zu kommen. Er brauche die Stille, weil er gerade einen Todesfall hatte. „Ich finde es gut, dass wir keinen Eintritt kassieren. Sonst hätte ich den Mann ja fragen müssen, ob er zum Beten oder zum Gucken in den Dom gehen möchte.“

Hannelore Müller ist seit 2016 dabei. „Ich bin 2015 in den Ruhestand gegangen und ein Nachbar machte mich auf das Domteam aufmerksam. Hier erfahre ich so viel Dankbarkeit wie in meinem ganzen Berufsleben nicht. Die Touristen, darunter auch viele Radfahrer, haben alle gute Laune, und wir auch.“

Brigitte Strugalla-Voltz berichtet, dass sie und ihr Mann Friedrich Egberink das Domteam gern in der Saison regelmäßig unterstützen wollen. Beide wurden vor zehn Jahren bei einem Havelberg-Besuch vom Dom verführt, hierher zu ziehen, was dann 2013 soweit war. Seither engagieren sie sich auf verschiedene Weise auch in der Kirche.

Reinschnuppern in dieses Ehrenamt will Karin Liebsch, um aus dem Alltagstrott herauszukommen. Bärbel Müller macht nach AGH-Maßnahmen zur Buga und im Dekaneigarten gern ehrenamtlich im Domteam mit und kümmert sich zum Beispiel um die Sauberkeit im Domladen und auf den Toiletten.

Gemeinsame Touren

In der Dienstberatung hebt Pfarrer Frank Städler hervor, dass es ihm und seiner Frau von Anfang an wichtig war, den Dom kostenfrei regelmäßig zu öffnen und jeder Besucher freundlich begrüßt wird. Damit das Gotteshaus noch mehr als offene Kirche wahrgenommen wird, hat er jetzt auch das Signet „Radwegekirche“ angebracht – deutschlandweit ein Zeichen für verlässlich geöffnete Kirchen mit verschiedenen Angeboten für die Touristen. Er sprach den Ehrenamtlichen seinen Dank dafür aus, dass sie „nach wie vor Freude daran haben, den Dom zu öffnen“. Darüber ist auch Kathrin Städler froh, die sich um das Team und den dazu gehörenden Domladen im Paradiessaal kümmert. „Unsere Besucher wertschätzen es sehr, dass sie hier freundlich begrüßt werden und Informationen zum Dom und auch zur Stadt bekommen.“

Damit das Wissen aufgefrischt oder erweitert wird, gibt es verschiedene Veranstaltungen, an denen auch das Domteam gern teilnimmt. So zum Beispiel am Freitag, 15. März, wenn Dr. Uwe Czubatynski, Domarchivar in Brandenburg, ab 19 Uhr im Paradiessaal über das Ende des Domkapitels vor 200 Jahren und seine Auswirkungen bis in die heutige Zeit berichtet. Um mehr Zeit miteinander zu haben, geht‘s einmal im Jahr auch auf Fahrt mit Übernachtung. Zur Weiterbildung und mit dem kritischen Blick, was andere besser machen oder nicht. Anregungen für die eigene Arbeit werden dabei gesammelt. Für dieses Jahr ist ein Tagesausflug zur Landesgartenschau in Wittstock geplant und eine Tour zum Kloster Lüne in Lüneburg mit Übernachtung.

Weitere Mitstreiter sind im Domteam herzlich willkommen, denn es ist nicht immer leicht, die Dienste, die sich pro Tag zwei Ehrenamtliche teilen, abzusichern. Zudem wäre es vor allem an Wochenenden im Sommer und an Feiertagen vorteilhaft, zu zweit zu sein. Eine Mitgliedschaft in der Kirche ist übrigens nicht erforderlich.

Wer sich dafür interessiert, kann sich an Kathrin Städler im Pfarrhaus, Telefon 039387/18 88 00, wenden oder schaut einfach mal im Domladen vorbei.