Quitzöbel l Nur eines von drei Wehren der Quitzöbeler Wehrgruppe ist noch in Betrieb, die beiden anderen werden saniert. Das Altarmwehr ist leicht geöffnet, das angestaute Havel wasser strömt ordentlich hindurch. Die Wollhandkrabben können an dieser Stelle nicht wie gewohnt flussaufwärts wandern, weshalb sie hier den Landweg wählen müssen. Am Ufer drängeln sie sich dicht an dicht, einige klettern die Spundwände hinauf.

Klaus Schröder aus Quitzöbel kennt sich mit den Tieren aus. War er doch von 1963 bis 1993 hier Wehrmeister, sein Vater hatte die Wehrgruppe mit errichtet. Gelernt hatte der einstige Wehrmeister in Havelberg beim Reparatur- und Dienstleistungskombinat Rediko. Nach 1993 baute er Pegel-anlagen, unter anderem jene in Havelberg, er entwarf zudem die Anzeige fürs Pegelhäuschen. Seit 2007 ist er Rentner.

Ebenfalls aus China eingeschleppt

Die Krabben wurden wie jetzt der Virus aus China eingeschleppt. Um 1912 gelangten sie in Wassertanks von Schiffen versehentlich nach Deutschland. Natürliche Feinde gab es hier nicht, sie konnten sich ungestört vermehren. Allein 1935 wurde an der Elbe über 10 000 Zentner Krabben gefangen.

„Durch eine Krankheit gingen die Bestände in den 1970er Jahren zurück, statt dessen gab es wieder mehr Krebse“, erinnert sich der Ex-Wehrmeister.

Krabbenmühle für Fischfutter

Die Wehrgruppe wies eine Besonderheit auf: Am Durchstichwehr mit dem Fischpass gab es eine Krabbenmühle. Sie war mit etwa einen halben Meter hohen Blechen eingefasst, welche einmal sogar wegen der schieren Masse überlaufen wurden. Der gesamte Weg im Wald war dann voller Krabben. Manche gelangten bis zum nahen Bauernbrack, der Badestelle im Wald, darunter auch recht große Exemplare.

In dieser Mühle wurden die Krabben gefangen, dann zermahlen und in einem Container als Fischfutter in der Havel verklappt. Dort ließ es sich danach gut angeln, erinnerte sich Klaus Schröder.

Nach der Wende waren die Grünen gegen die Mühle, sie musste deshalb weg. Am Garzer Wehr gab es ebenfalls eine Fanganlage in Form eines tiefen Grabens, diese Krabben wurden als Tierfutter unter anderem für Schweine genutzt.

Heute verdienen sich die Fischer mit dem Krabbenfang ein Zubrot, sie verkaufen die Tiere an Chinarestaurants. Lange darf man die Krabben aber nicht in den Reusen lassen, dann hat man darin keine Fische mehr. Auch muss man stärkere Garnsorten nutzen.

Am Gewässergrund fressen die wandernden Krabben alles weg, unter anderem den Fischlaich. In letzter Zeit gesellte sich ein weiterer übler „Einwanderer“ dazu, die Rotmaulgrundel.