Havelberg l Drei große Möbeltransporter einer Umzugsfirma aus Magdeburg waren Montagfrüh in der Schulstraße gegenüber dem ELCH in Havelberg vorgefahren. Einer nach dem anderen wurde dann vor dem Haupteingang des Hauses auf dem Hof beladen. Mit Fahrrädern, mit der Büroeinrichtung und anderem Inventar von Wert. Nach Volksstimme-Informationen haben die Transporter das alles nach Wolmirstedt in die dortige Einrichtung der gemeinnützigen Paritätischen Integral GmbH gebracht, wo die Technik und auch alles andere gut erhaltene Inventar noch gute Verwendung finden sollen.

Betten sind für Kinderheime vorgesehen

Der „Auszug“ wird in den nächsten Wochen fortgesetzt, wie es gestern vor Ort hieß. Denn das Haus in der Schulstraße muss komplett ausgeräumt werden – der künftige Eigentümer kann von der Einrichtung nichts gebrauchen. Er verfolgt mit dem Kauf des Gebäudes ausschließlich private Zwecke. Einen Fortbetrieb als Kinder- und Jugendeinrichtung wie in den vergangenen fast zwanzig Jahren wird es somit nicht mehr geben. Was sehr bedauerlich ist. Denn in den zurückliegenden Jahren – vom Corona-Jahr 2020 einmal abgesehen – hatte das ELCH kontinuierlich eine bessere Auslastung seiner vorhandenen Kapazitäten erreicht. Und auch für 2020 gab es jede Menge Voranmeldungen. Doch die Insolvenz der gemeinnützigen Paritätischen Integral GmbH zum Ende des Jahres 2019 führte dann zur unumgänglichen bedauerlichen Schließung des Hauses.

Es stand das gesamte vergangene Jahr mit seiner kompletten Einrichtung und zwei Kleinbussen zum Verkauf. Ein Investor, der es so weiterführt wie bisher – ein großer Wunsch vieler – wurde jedoch nicht gefunden. Eine Folge der Corona-Pandemie. Denn ein Kinder- und Jugend-Haus, in dem wegen der möglichen Ausbreitung des Virus keine Gäste begrüßt werden können und das aus diesem Grund nur Kosten verursacht, will verständlicherweise keiner haben.

Die Übernachtungszimmer sind mit Betten, Schränken, Tischen, Stühlen und anderem Inventar noch komplett bestückt. Die Einrichtung in Wolmirstedt kann diese Möbel jedoch nicht gebrauchen. „Wir werden das alles den Kinderheimen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes anbieten“, hieß es gestern dazu. „Zum Wegwerfen ist das nämlich alles viel zu schade.“

Auch Boote sind alle schon raus

Vor einiger Zeit sind bereits die Kanus und Canadier des Erlebnispädagogischen Centrums „ausgezogen“. Ein privater Interessent hat sie erworben. Im Keller des Hauses eingelagert waren zudem auch Kanus, die dem Förderverein „Jugend­zentrum Elb-Havel-Winkel“ gehören. „Für diese haben wir zum Glück eine neue Unterstellmöglichkeit gefunden“, war von Thomas Will, dem Leiter des Jugendzentrums in Havelberg, auf Nachfrage zu erfahren. Nachteilig wirke sich allerdings aus, dass die so günstige Einsatzstelle am bis 2019 noch vorhandenen Steg am Abenteuerspielplatz gegenüber dem ELCH damit ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht. Der Weg bis zum Wasser wird sich für einen Teil nun erheblich verlängern.

Traurig über die Entwicklung ist vor allem der einzige noch verbliebene technische Mitarbeiter aus dem letzten Personalbestand. Bis Ende März kümmert sich Edwin Weidenbach mit einem geringen Beschäftigungsvertrag noch um das Haus, sieht hier Tag für Tag nach dem Rechten. „Ich hatte die Hoffnung nie aufgegeben, dass die schöne Einrichtung eines Tages doch noch einmal zu ihrer Normalität zurückkehren kann“, sagt der engagierte Rentner. Sehr gerne hätte er dann seine Arbeitskraft hier noch für einige Jahre zur Verfügung gestellt.