Havelberg l Die Fotografinnen Anke Leonhardt (Berlin/Havelberg) und Ingrid Bahß (Köln/Werben) treffen sich mit ihren Arbeiten in der Ausstellung „zuGezogen“ / „Mein Freund der Fluss“. Sie wird am 8. September 2018 um 16 Uhr in der Old School in der Havelberger Schulstraße 3 eröffnet. Zur Geschichte der gemeinsamen Ausstellung lässt sich Interessantes berichten.

Beide wissen, wovon sie reden

Am Anfang stand die Freude und das Staunen der beiden Künstlerinnen über ähnliche Haltungen zum Leben und zur Bedeutung des eigenen kreativen Tuns aus einer inneren Dringlichkeit heraus. Die wiederum setzt die nötige Energie frei für den Weg zum Arbeitsergebnis. Das ist nicht selten ein Prozess, bei dem Anke Leonhardt und Ingrid Bahß mit ihren Kräften bis an die Grenze gehen. In diesem Sinne wissen beide, wovon sie reden.

Leben auch in der Großstadt

Was nicht unwesentlich ist: Beide Fotografinnen möchten weder auf das Leben in Köln und Berlin verzichten, noch auf das Leben an Fluss und Landschaft. Anke Leonhardt meint dazu: „Ich finde Havelberg toll, die Natur, den Raum, die Weite der Landschaft, das Wasser, den Fluss, den Sternenhimmel, die Entschleunigung ... Aber Berlin brauche ich auch, die Großstadt, die Kontraste, die Dynamik der Stadt, die Vielfalt, die Internationalität, das kulturelle Leben ...“

Bilder

Der Fluss in Schwarz-Weiß

Ingrid Bahß stimmt dem zu und ergänzt, dass sie es wunderbar finde, in Werben fast jeden zu kennen – doch dann genießt sie Köln wieder, wo Menschen aus aller Herren Länder leben, wo sie mit der Kamera in die Anonymität abtauchen kann. Zwei offene Künstlerinnen haben sich und ihre Arbeiten kennengelernt. Die Begeisterung für geheimnisvolle Orte, interessante Räume, Begegnungen verbindet sie. „Als dann eine Begegnung mit den Räumen der ,Old School‘ in Havelberg stattfand, war schnell klar, dass die Räume dazu auffordern, unsere Arbeiten genau hier vorzustellen.“ Nun ist es soweit. Für Ingrid Bahß ist die Entscheidung mit dem Betreten der Räume gefallen: die Flussfotos von Elbe und Havel müssen es sein. Stille, zärtliche und kraftvolle Schwarz-Weiß-Fotos. Der Titel drückt es aus: „Mein Freund der Fluss“.

Auch in die Havel verliebt

Die Elbe ist ihr Herzensfluss mit ihrem unbegradigten Verlauf, mit dem wunderbaren Flussgeruch. Johanna Heß, Künstlerin aus Berlin, beschreibt es so: „Während die Elbe eben weiblich ist, wechselvoll mit Wasser dahinströmt, gelegentlich auch eine Form von Adel hat, aber eine ungezähmte ... ein liebreizendes ungebändigtes Weib mit Anmut und Würde, mal ein mit Kargheit und Bescheidenheit dahinfließendes Gewässer, mal ...“ Und nun wird dieses ungebändigte Weib mit zärtlichen Fotos gewürdigt. Die Liebe zur Havel ist hinzugekommen, seitdem Ingrid Bahß zu Teilen des Jahres in Werben lebt. Heute beschreibt sie die Havel als junges Mädchen. Da ist es naheliegend, auch dieses Naturkind zu porträtieren.

Das Leben aus mehreren Sichten

„zuGezogen“ ist der Titel der Arbeiten, die Anke Leonhardt zeigt. Der Titel weist auf Doppeldeutigkeiten hin, darauf, dass die Erscheinungen des Lebens aus verschiedenen Sichten zu betrachten sind. Anke Leonhardt steht ein Vorrat an Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung; die Malerei, die Fotografie, das grafische Gestalten. Die Schwerpunkte wechseln einander ab.

Gedichte und Musik

Bei der Eröffnung der Foto-Ausstellung werden nicht zufällig Fluss-Gedichte von Johannes Bobrowski gelesen. Werner Jose aus Werben begleitet die Ausstellungseröffnung auf dem Akkordeon.