Klietz l Seit bereits 30 Jahren gießt Thomas Arnoild aus Klietz Zinnfiguren. Als gelernter Reparaturschlosser sei er metallmäßig vorbelastet, begründet er sein Hobby. Zudem war sein Vater Schweißer gewesen. Gegossen wird in der sechs Quadratmeter kleinen Werkstatt auf dem Hof in der Seesiedlung. Ordnung ist darum das A und O, denn viel Platz hat er nicht.

Beim Eintreten fällt als erstes ein Regel voller Zinnfiguren in den Blick, ein Sammelsurium seines Schaffens. Zu sehen ist hier unter anderem eine Bismarck-Büste in verschiedenen Ausführungen. Denn je nach Verwendungszweck können die Figuren nach der Bearbeitung galvanisiert, patiniert oder aber bemalt werden. Schmuckstücke wurden teils mit 24 Karat vergoldet.

Legierung für den Guss

Gegossen wird nicht mit reinem Zinn, sondern mit einer Legierung, welche 50 Prozent Blei enthält. Ziel ist, einen möglichst niedrigen Schmelzpunkt zu erlangen. Wird zum Beispiel noch Wismut und Kadmuim beigemischt, liegt dieser bei 60 Grad Celsius.

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Die Zierzinnlegierung des Klietzers schmilzt bei etwa 190 Grad, erwärmt wird die Masse in einem Topf auf einem Propangasherd. Gegossen wird bei einer Temperatur von etwa 350 Grad Celsius, ein Digitalthermometer hilft beim Ermitteln des richtigen Zeitpunktes. Früher orientierte sich Thomas Arnold anhand der Anlassfarben: Je nach Temperatur ändert sich die Farbe des Schmelzgutes.

„Gießt man mehrere Stücke, senkt man die Temperatur nach und nach und schont damit die Form“, berichtetet der Klietzer. Im Schnitt kommt man je Form auf 50 bis 250 gute Abgüsse – je nach Motiv.

Viel Vorarbeit nötig

Bevor gegossen werden kann, ist einige Vorarbeit nötig. Zuerst wird die hitzebeständige Silkonform, welche in der Regel aus zwei Teilen besteht, mit Talkum bepinselt. Der erleichtert das Einfließen der Masse auch in filigrane Hohlräume.

Es gibt je nach Motiv übrigens auch bis zu fünfteilige Formen. Thomas Arnold hat nicht nur Formen „von der Stange“, einige ließ er auch anfertigen. Wie die von den vier preußischen Militärreformern oder jene vom Wolf, welche von einem Künstler aus Potsdam hergestellt wurden. Allein das Erstellen von nur einer „Mutter-Skulptur“ kostete ihm damals um die 2500 D-Mark.

Silikon ist als Formmaterial biegsam, so dass man auch dreidimensionale Objekte wie eben einen Wolf gießen kann. Hierbei spricht der Fachmann von Unter- und Überschneidungen. Früher wurde für die Formen Schiefer verwandt, womit nur flache – also zweidimensionale – Zinnfiguren gegossen werden konnten.

Die einzelnen Formteile werden mit Holzplatten und Schraubzwingen zusammengehalten. Vor dem Guss muss das Schmelzgut noch gereinigt werden. Das wird unter Zinngießern „Polen“ genannt. Dazu wird das flüssige Zinn mit einer rohen Kartoffel umgerührt, die Stärke sorgt dafür, dass die Verunreinigungen nach oben steigen und abgeschöpft werden können. Durch Oxydation entsteht zudem ein Abbrand (auch Krätze genannt), welcher dabei mit entfernt wird.

Neu im Angebot sind altdeutsche Schachfiguren

Mit einer Kelle gießt Thomas Arnold dann die flüssige silbrige Legierung nach und nach in die Gussform. Die Luft aus den Hohlformen entweicht dabei durch seitliche Luftkanäle, welche nach dem Erhärten des Gußobjektes ebenso wie Gratkanten und Gußkegel entfernt werden müssen. Danach wird die Oberfläche geglättet und poliert. „Diese Arbeitsgänge beanspruchen die meiste Zeit“, berichtet der Klietzer.

Alljährlich in der Adventszeit ist der einstige Berufssoldat, der seit 1974 in der Seegemeinde lebt, auch beim Weihnachtsmarkt im Kloster Jerichow anzutreffen. Hier bietet er gegossenen Christbaumschmuck oder Märchenfiguren an. Durch den Verkauf wird das recht teure Hobby wieder refinanziert.

Neu im Angebot sind Schachfiguren – ein deutlicher Hinweis auf sein zweites Hobby. Als Vorlagen dienten altdeutsche Figuren. Der Klietzer hatte sich auch mit der Geschichte des „königlichen Spiels“ befasst und dabei erfahren, dass es aus Indien stammt und ursprünglich von vier Parteien gespielt wurde – mit Kampfwagen, Reiterei, Elefant und Infanterie. Natürlich hängt in der „Gießerei“ auch ein Schachspiel an der Wand.

Sein Hauptaugenmerk gilt jedoch historischen Figuren wie Otto von Bismarck. Damit fährt er zu Treffen von Militärhistorikern, auch die Clausewitz-Kaserne in Burg hatte schon Figuren ihres Namensgebers bestellt – denn dieses Unikat gibt es nur bei ihm. Auch dem Schönhauser Bismarck-Museum hatte er Büsten des „Eisernen Kanzlers“ zum Verkauf angeboten – leider vergebens.

Die moderne Technik könnte dafür sorgen, dass das Zinngießen bald ausstirbt: Ein 3-D-Drucker stellt Figuren weitaus schneller her. Nur eben nicht aus Metall.