Havelberg/Nitzow l Auf der einstigen Nitzower Fährstraße, wo jetzt eine hölzerne Finnhütte an der Deichüberfahrt Radfahrer zur Rast einlädt, hatten sich die Verantwortlichen getroffen, um die Deichbaustelle abzunehmen. Bauherr war auch hier der Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW, Mitarbeiter Tobias Koch zeichnete für das Projekt verantwortlich.

Im Juni des Vorjahres war eigentlich Baustart gewesen, doch hatte die per Ausschreibung beauftragte Firma Meyer-Bau aus dem brandenburgischen Falkensee erst den Pferdemarkt abgewartet, ehe sie mit den Arbeiten begann. Denn als Baustraße wurde die zur Havelberger Schleuse führende Straße mit genutzt – was beim Markttreiben schlecht möglich gewesen wäre.

Bauzeitenplan dennoch eingehalten

Dennoch wurde der vorgegebene Bauzeitenplan eingehalten, die Übergabe des Drei-Millionen-Euro-Projektes erfolgte planmäßig – nämlich jetzt Ende September. Der Elbdeich wurde auf genau 1260 Metern Länge dem nach der Flut von 2013 neu ermittelten Bemessungshochwasser angepasst, also etwa einen halben Meter erhöht. Die Krone wurde 2,5 Meter breit asphaltiert – hier führt normalerweise auch der Elberadweg entlang. Doch ist dieser wegen der Bauarbeiten am Quitzöbeler Wehr auch weiterhin gesperrt, die Umleitung führt über Toppel und Nitzow.

Weil der als Baustraße genutzte Betonspurbahnenweg durch die schweren Massentransporter arg in Mitleidenschaft gezogen worden war, wurden auf diesem zuletzt noch diverse Risse und Schadstellen ausgebessert – teils sogar auf dem kompletten Weg. Ein Betonplattenweg wurde komplett aufgenommen und neu verlegt, berichtete Tobias Koch weiter.

Elberadweg über Neuwerben weiter gesperrt

Mit dieser Baumaßnahme wurde der Lückenschluss zwischen der Havelberger Schleuse und der Landesgrenze zu Brandenburg hergestellt. Mit einem Aufwand von 17 Millionen Euro wurden insgesamt 8,5 Deichkilometer normgerecht saniert. Dies waren sieben Einzelmaßnahmen – unter anderem an der Landesgrenze bei Quitzöbel, am Schleusendeich und an der Kolonie Neuwerben.

Im Schnitt wurden dabei 2000 Euro je Meter ausgegeben – eine relativ geringe Summe, denn in dem Bereich war die landseitige Berme teilweise schon vorhanden. Diese war bereits 2006 nach der ersten Elbeflut errichtet worden – als Deichverteidigungs-, Landwirtschafts- und Elberadweg. Beim Hochwasser 2013 war hier im Wall Sickerwasser ausgetreten, auch das war mit ein Grund für die Sanierung.

Bei Baumaßnahmen mit Eingriffen in die Umwelt wird auch immer ein Ausgleich für den Naturschutz fällig. Für den Deichbau erfolgten an zehn Stellen – zumeist in der Nähe – Anpflanzungen, zudem wurden einige Temporärgewässer als Biotope angelegt, unter anderem eines im Sandauer Norden.

Bezahlt wurde diese Deichsanierung nicht mehr über den staatlichen Flutschadensfonds wie bei den vorherigen Projekten sondern aus europäischen Fördertöpfen.

Damit ist der Elbdeich im Altkreis Havelberg fast durchsaniert. Es fehlen nur noch ein 700 Meter langes Stück zwischen Havelberg und Sandau – was für 2021 geplant ist, ein Deichstück bei Schönhausen südlich der Bahnbrücke sowie zwei schon einmal sanierte Stellen bei Scharlibbe.