Havelberg l Die ersten beiden Haus- beziehungsweise Bungalowboote liegen bereits im Havelberger Winterhafen an. Bis zum Sommer 2019 sollen es insgesamt neun sein, berichtete Thomas Wojtalla, Geschäftsführer der Havelfun UG, die er mit dem Sandauer Andreas Velten gegründet hat. „Der Name steht für ,Hab Spaß mit und an der Havel‘“, erklärte der Havelberger und zeigte den Mitgliedern des Ausschusses für Ordnung, Umwelt und Tourismus auf ihrer Sitzung am Dienstagabend auch das Logo, das mit dem herausgehobenen blauen L an die Tourismusinitiative Blaues Band angelehnt ist und an die Buga erinnert.

Mit den Bungalowbooten, hergestellt von einer Firma in Brandenburg, wollen die beiden Geschäftsleute ein weiteres touristisches Angebot in Havelberg schaffen. Dabei haben sie das wirkliche Wasserwandern im Blick. Für dieses sind die „schwimmenden Gartenlauben“ ideal. Mit einem Tempo von sechs bis acht Kilometern pro Stunde sind sie nicht für schnelles Reisen, sondern gemächliches Dahinplätschern auf der Havel gedacht. „Für die Elbe sind sie nicht freigegeben, es geht um Fahrten auf der Havel und ruhigen Gewässern, wo Hausboote erlaubt sind“, sagte Thomas Wojtalla. Bei Gegenwind und starker Gegenströmung könne schon eine Fahrt nach Jederitz oder Garz zum Tagesausflug werden. Der Weg ist das Ziel.

Die Boote sind je nach Größe mit Wohnraum, Schlafräumen, Dusche, WC, Küche, Ofenheizung und Sonnenterrasse für zwei bis sechs Personen ausgestattet. Der Vorteil: Sie können führerscheinlos bedient werden, weil sie mit einem Motor von maximal 15 PS betrieben werden. Dennoch wird nicht jeder einfach so aufs Wasser gelassen. Wer keinen Bootsführerschein besitzt, muss entweder nachweisen, dass er schon mal ein Hausboot gefahren ist oder er bekommt eine umfassende Einweisung.

Im Winterhafen wird ein Steg an der Kaimauer in Höhe der Wasserschutzpolizei entstehen. Thomas Wojtalla und Andreas Velten haben bereits intensive Gespräche mit der Stadtverwaltung, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt geführt. Zudem gab es einen Vororttermin mit Wassersportverein und Ruderriege, die am gegenüberliegenden Ufer ihre Bootsanleger haben. Hier wurde sich zu den Erfordernissen abgestimmt. Im engen Kontakt befinden sie sich zudem mit Familie Heldt von der Havelberger Inseltouristik HIT, die derzeit gleich nebenan noch einen Kleinsteg und zudem den Yachthafen mit einer Marina betreibt. Für die Wasserver- und Entsorgung der Hausboote sind in der Kaimauer die erforderlichen Anschlüsse für Trinkwasser, Abwasser und Strom vor Jahren durch die Stadt investiert worden. Das Büro der Havelfun UG wird im Gebäude der Wasserschutzpolizei eingerichtet. Damit sind kurze Wege für die „Freizeitkapitäne“, Stellplätze für deren Pkw und Platz für einen Lagercontainer gegeben.

Sicherheitsabstand zu Wassersportlern

In der Saison 2018 sind zwei Hausboote geplant. Zu Beginn der Saison 2019 soll der Bestand auf fünf anwachsen und bis zum Sommer dann auf neun. Vorausgesetzt, die Schiffsbauer können pünktlich liefern. Neun Boote wurden deshalb gewählt, weil die Vermieter davon ausgehen, dass pro Tag der Wechsel von drei Booten praktikabel ist. Bei einem wöchentlichen Turnus der Vermietung könnten jeweils freitags, sonnabends und sonntags die Boote vermietet und übergeben werden. Eine Saison geht meist von Ostern bis Oktober. Im Winter liegen die Hausboote kopfseitig am Steg „im Winterschlaf“.

Das Vorhaben wurde von den Ausschussmitgliedern begrüßt. Frank Ermer meldete allerdings Sicherheitsbedenken in Bezug auf die Wassersportvereine an, da für ein führerscheinlos bedienbares Hausboot fürs Rückwärtsfahren die bis zu zweieinhalbfache Bootslänge gefordert wird. Diese ist mit 50 Metern Abstand zwischen Hausbooten und Anleger der Sportboote und Bootslängen von maximal 11,50 Metern auch gegeben, sagte unter anderem Bauamtsleiterin Petra Jonschkowski. Abgesehen davon, dass gegenseitige Rücksichtnahme wie im Straßenverkehr auch auf dem Wasser gilt, sollen zusätzliche Schilder die Hausbootführer auf den Trainingsbetrieb bei den Wassersportlern hinweisen. Ohnehin sind beim Rückwärtsfahren, trotz Rückfahrkamera, zwei Leute erforderlich.

Wolfram Heldt, der über zwei Jahrzehnte den Yachthafen betreibt und auch noch zwei Hausboote vermietet, sieht aufgrund seiner Erfahrungen kein Sicherheitsrisiko. „Bei den Hausbooten wird es etwa 20 Schiffsbewegungen pro Woche geben, bei uns sind es um die 200 und mir sind keine großen Vorkommnisse bekannt“, sagte er. Er befürwortet das neue Angebot und berichtete, dass die HIT ihre Hausboote abschaffen und den kleinen Steg mit an den Yachthafen bringen wird. Wichtig sei ihm, dass die Hafenkapazität nicht kleiner wird, denn schon jetzt gibt es Wochenenden, wo es aufgrund großer Nachfrage nach Liegeplätzen kritisch wird.

Städtebaulich gesehen, sagte Landschaftsarchitektin Daniela Süßmann, die als sachkundige Einwohnerin dem Ausschuss angehört, gewinnt der Winterhafen mit den neuen Plänen sogar an Attraktivität. „Das ist eine ästhetische Verbesserung.“ Ausschussvorsitzender Norbert Schulz fasste die Diskussion zusammen: „Die Hausboote sind eine Bereicherung für unsere Stadt und ich hoffe, dass der Stadtrat das Vorhaben wohlwollend begleitet.“