Nitzow l Betreut von renommierten Dozenten erarbeiten die jungen Leute wichtige Werke der Kammermusikliteratur und stellen ihre Interpretationen bei Konzerten in der über 1000-jährigen gotischen Dorfkirche vor. Eine Woche lang leben und arbeiten die jungen Musiker – viermal täglich wird geübt – gemeinsam in Nitzow. Sie lernen zentrale Kompositionen der Kammermusik besser kennen, knüpfen wertvolle Verbindungen untereinander und geben neue künstlerische Impulse.

Viele schöne Momente im Vorjahr

„Das war 2017 alles so toll hier, der Aufenthalt, die Konzerte und vor allem die herzliche, familiäre Atmosphäre, dass ich mich fast doppelt auf die Internationale Kammermusik-Akademie Nitzow 2018 freue“, zeigt sich die Organisatorin, Dozentin und musikalische Leiterin Sara Rilling aus Berlin heute immer noch völlig begeistert. Diese Erfahrungen und schönen Momente aus 2017 hätten sie bestärkt darin, auch in diesem Jahr wieder zu einer Internationalen Kammermusik-Akademie nach Nitzow einzuladen, erklärt sie in einem Pressegespräch im Haveldorf. Vom 22. bis zum 29. Juli werde Nitzow zu einer Art „Havel-Philharmonie“, bei der die Dorfkirche wieder den Konzertsaal gebe.

Einer fehlt noch

Die Besetzung mit Teilnehmern ist fast abgeschlossen. „Einer fehlt noch, dann sind die elf, die ich fest eingeplant habe, komplett. Der Anruf, auf den ich warte, kann jeden Augenblick kommen“, macht Sara Rilling deutlich, dass diese letzte Sorge auch bald vom Tisch sein dürfte. Wieder sind es junge Musikstudenten aus mehreren Ländern, die sich zum größten Teil zum ersten Mal in ihrem Leben begegnen und dementsprechend auch zum ersten Mal gemeinsam spielen werden. Sie sind in Hongkong, in England, in der Ukraine, in Estland, in den USA, in Israel, Chile, Österreich und in Deutschland zu Hause. Die meisten von ihnen studieren hier in Deutschland. Am 22. Juli werden alle in Nitzow anreisen. Vom Vorjahr ist übrigens keiner dabei. Was bedeutet: „Nitzow wird durch sie mindestens noch elf Mal bekannter“, schmunzelt die Berlinerin.

Quintett auf fünf Laptops

„Ich habe noch so viele schöne Momente aus 2017 in Erinnerung“, erzählt Sara Rilling. „Zum Beispiel gehört dieser dazu: Nach den beiden Konzerten im vergangenen Jahr haben wir uns mit den jungen Musikern noch bei Rita Spanner in die Scheune gesetzt, um gemeinsam den erfolgreichen Abschluss der Kammermusik-Akademie in Nitzow zu feiern und dabei selbst noch etwas zu spielen. Das passierte dann nicht mehr mit Instrumenten, sondern mit fünf Laptops gleichzeitig mit Franz Schuberts Streichquintett C-Dur. Das war ein so schöner langer Augenblick für alle, dass ich mich schließlich dazu entschlossen habe, dieses gut 50 Minuten lange Werk in diesem Jahr aufs Konzertprogramm für Nitzow zu nehmen.“ Und zwar für Sonntag, 29. Juli, zum Abschluss des zweiten Konzertes in der Dorfkirche.

Verschiedene Musikepochen

„Für jeden Musikfreund wird bei den beiden Konzerten am 28. und 29. Juli etwas dabei sein“, verspricht Sara Rilling. „Für mich ist es wichtig, verschiedene Epochen der Musik nebeneinander zu stellen.“ Als ein weiteres Highlight neben Schuberts Streichquintett nennt sie das Streichquartett F-Dur von Maurice Ravel. „Ein ganz tolles, emotionales, aufgewühltes Stück.“

Überwältigendes Feedback

Voller Vorfreude auf die bevorstehende Internationale Kammermusik-Akademie ist auch deren zweite Organisatorin, die Nitzowerin Rita Spanner. „Das Feedback im Vorjahr war echt überwältigend. Ein älterer Nitzower meinte zu mir, dass er es kaum glauben konnte, dass so eine hohe musikalische Qualität aufs Dorf gebracht wird und dann bei den Konzerten nicht einmal Eintritt dafür verlangt worden ist.“ Vor kurzem klopfte ein älterer Herr bei ihr an die Tür, der dazu extra aus Seehausen gekommen war. „Er wollte bei mir nachfragen, wann die nächste Kammermusik-Akademie hier in Nitzow stattfindet. Denn sie sei so etwas Feines und ein so großes Erlebnis für sein Herz als Musikliebhaber, dass er es vorziehen würde, lieber nach Nitzow als in die Elbphilharmonie nach Hamburg zu fahren.“

Hoffnung auf Unterstützung

Für die Zeit der Internationalen Kammermusik-Akademie hofft Rita Spanner auf bestmögliche Unterstützung aus dem Dorf. „Nach der Premie­re 2017 haben mir viele Nitzower fürs nächste Mal ihre Hilfe in allen möglichen Dingen angeboten. Jetzt können wir Organisatoren diese wirklich gut gebrauchen.“