Havelberg l „Sie dürfen die Maske abnehmen, wenn Sie hinter dem Tresen an der Scheibe stehen“, sagt Guido Schulz zu einer Verkäuferin im Blumengeschäft, nachdem er sie gebeten hat, ihre Maske aber wenigstens umzulegen. In dem Fall kann sie die Maske, sollte ein Kunde im Geschäft nach Rat fragen, schnell über Mund und Nase ziehen und zu ihm gehen. Ein locker umgelegtes Tuch bei einer Verkäuferin findet der Regionalbereichsbeamte (RBB) nicht so gut. Das kann bei jeder Bewegung herunterrutschen. „Tragen Sie bitte die Maske, dann sind Sie auch Vorbild“, bittet er die jungen Frauen.

Der Blumenladen Strawinski im Edeka-Markt war am Dienstag eines der Geschäfte, die auf der Kontrolltour standen. Die RBB Guido Schulz und Axel Ritter waren mit dem Leiter des Havelberger Ordnungsamtes André Gerdel und Sachgebietsleiter Dieter Härtwig unterwegs. Und weil die beiden Verkäuferinnen jeweils nur eine Maske hatten, bekam jede von der Polizei noch eine geschenkt.

„Die Leute sind vernünftig und kommen fast alle mit Maske“, erfahren die Ordnungshüter im KIK von Filialleiterin Anja Mädel. Auch an die Korbpflicht haben sich die meisten inzwischen gewöhnt. Wer vergisst, den Einkaufswagen zu nehmen, wird von den Verkäuferinnen darauf hingewiesen. Seit einer guten Woche darf das Geschäft wieder geöffnet sein. Nach fünf Wochen Corona-Zwangspause war das Interesse der Kunden entsprechend groß. Die Faustregel ist, dass sich je zehn Quadratmeter Verkaufsfläche nur ein Kunde aufhält.

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Ein Kunde auf zehn Quadratmeter Fläche

Vor der Kasse weisen Klebebänder auf den Abstand hin. Allerdings ist der Hinweis noch nicht ganz so angekommen, manch Kunde stellt sich von der anderen Seite an. Die Hygienemaßnahmen wie etwa die Desinfektion der Einkaufswagen müssen protokolliert werden. Es ist gar nicht so einfach, den ganzen Tag mit Mund-Nasen-Schutz zu arbeiten, sagt Anja Mädel. „Heute bekommen wir noch Ware, das ist normal schon anstrengend, mal sehen, wie es mit Maske wird. Aber wir haben schon die Klimaanlage angestellt, damit es etwas kühler ist.“

Hinweise auf die Hygienemaßnahmen mit Abstandhalten und Maske sollten in jedem Geschäft schon im Eingangsbereich für jeden Kunden gut ersichtlich sein, sagt Dieter Härtwig. Dafür lassen sich Piktogramme aus dem Internet ausdrucken. Er hat Kopien der vierten Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus parat. Darin sind die wichtigsten Punkte für die Geschäftsleute hervorgehoben. Zum Schutz gehört auch, dass die Kunden die Möglichkeit bekommen, ihre Hände zu desinfizieren. Matthias Ruß stellt die Flasche von hinter der Kasse vor die Kasse des Baustoffhandels, damit Kunden sie gut sehen können. „Sind zehn Kunden gleichzeitig okay“, fragt er die Ordnungshüter. Sie bejahen das. Das Geschäft ist groß genug. „Wichtig ist, dass wirklich jeder Kunde eine Maske trägt. Wenn einer das nicht will, können Sie von Ihrem Hausrecht Gebrauch machen und sich im Ernstfall an die Polizei oder das Ordnungsamt wenden“, macht André Gerdel deutlich.

Das erfährt an der letzten Station dieses Tages auch die Mitarbeiterin des Sonderpostenmarktes. Zum Beispiel fehlen außer dem ohnehin vorhandenen Schild „Rundgang nur mit Korb“ die anderen Hinweise an der Tür. Aber Desinfektionsmittel ist vorhanden und die Mitarbeiterin trägt eine Maske.

Polizei und Ordnungsamt haben bei ihren Kontrollen seit der Maskenpflicht festgestellt, dass die Leute dafür sensibilisiert sind und auch erwarten, dass die Verkäufer eine Maske tragen, wenn sie nicht gerade hinter dem sogenannten Spuckschutz an der Kasse stehen. Überhaupt halten sich so gut wie alle an die derzeit geltenden Regeln. Wirklich Probleme hat es noch nicht gegeben, berichten sie. Es gab in den vergangenen Wochen oft Anrufe mit der Frage, warum der eine geöffnet haben darf, der andere aber nicht. Das betrifft etwa die podologischen Praxen. Also die medizinische Fußpflege, die entgegen der kosmetischen erlaubt ist.

Da es keine Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmeter Ladenfläche in Havelberg gibt, sind nun alle wieder geöffnet. Als nächstes folgen ab Montag die Friseure, die sich auf eine Ladenöffnung vorbereiten. Auch dort wird es dann ­Kontrollen geben.