Schönhausen l Alle vier Partner – die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen, das Land, der Landkreis und die Gemeinde – treffen sich Donnerstagabend im Magdeburger Kultusministerium, wo die Vertragsunterzeichnung geplant ist. So unproblematisch wie sonst bei der Bekundung, das Museum weitere fünf Jahre gemeinsam zu betreiben, ist es dieses Mal nicht. Denn nicht geklärt ist, wie die Öffnung des Museums mit Personal abgesichert wird. Dem Haus, in das auch die Touristinformation integriert ist, hatte bereits im Spätsommer die Schließung gedroht, als die Maßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt ausgelaufen sind. Kurzfristig ist die Gemeinde eingesprungen und finanzierte trotz knapper Kassen bis Jahresende zwei geringfügig Beschäftigte, die zusammen mit Honorarkräften (über Landes- und Bundessondermittel finanziert) die leicht verkürzten Öffnungszeiten absicherten. Doch deren Zeit endet nun – am 15. Dezember geht das Museum bereits in Weihnachtspause.

Da es mindestens im ersten Halbjahr 2016 keine neue Maßnahme über den zweiten Arbeitsmarkt geben wird, müsste die Gemeinde das Personal finanzieren. Denn laut Kooperationsvertrag ist das Personal ihr Part. Außerdem zahlt sie jährlich rund 33 000 Euro Bewirtschaftungskosten für das Museum, zu dem zwei Häuser gehören.

„Gemeinde muss sich zum Museum bekenne

Der Hauptausschuss hat vor wenigen Tagen festgelegt, dass die Gemeinde keine Personalkosten übernehmen kann. Nachdem diese Information auch beim Kultusministerium eingegangen ist, erhielt die Volksstimme Dienstagabend folgende Information von der Pressestelle: „Aus Sicht des Kultusministeriums ist die Kooperationsvereinbarung unterschriftsreif. In den letzten Monaten war intensiv verhandelt und mit allen Beteiligten eine Einigung erzielt worden - auch mit der Gemeinde. Das Land verpflichtet sich beispielsweise, seine Finanzmittel deutlich zu erhöhen. Auch für die Frage des Personals, das von der Gemeinde zu stellen ist, haben wir einen Weg über ein Förderprogramm aufgezeigt. Nun hören wir aktuell, die Gemeinde könne ihren Teil der Verpflichtung des Vertrags nicht einhalten. Damit gefährdet sie letztlich den Weiterbetrieb und damit auch die Existenz des kommunalen Museums, was wir außerordentlich bedauern würden. Wenn es dabei bleibt, ist der Vertrag leider hinfällig. Jetzt ist die Gemeinde am Zug. Sie muss sich zum Museum bekennen, wenn es weiterhin als wichtiger Anziehungspunkt in der Region betrieben und geöffnet werden soll.“

Mit dieser Situation konfrontiert, erklärte Bürgermeister Holger Borowski, dass er den Vertrag unter Vorbehalt unterschreiben wird. „Das Museum darf nicht schließen!“ Diese Information hat auch das Kultusministerium Dienstagabend erhalten. Generell können Verträge „unter Vorbehalt“ geschlossen werden, „allerdings geht man davon aus, dass sich alle Partner an die Zusagen halten“, so Pressesprecher Martin Hanusch. Dass sich das Land so wie von der Gemeinde angeregt an den Personalkosten beteiligt, sei nicht möglich, „das Land hat seinen Part bereits finanziell aufgestockt“.

Holger Borowski fordert, dass man zusammen einen Weg für die Finanzierung finden müsse und die Gemeinde nicht noch mehr belastet werden dürfe.

Die übrigen drei Partner leisten folgende Kooperationsbeiträge: Die Stiftung stellt mit Dr. Andrea Hopp die Leiterin und das Land mit Katja Gosdek die Museums­pädagogin. Der Kreis gibt pro Jahr 5000 Euro.

Seit der Eröffnung des Museums 1998 sind hier Beschäftigte über den zweiten Arbeitsmarkt tätig, anfangs waren es sogar sechs bis acht Männer und Frauen, die sich um die Besucher kümmerten. Im Laufe der Jahre wurden die Maßnahmen immer mehr gekürzt. „Realistisch sind drei Kräfte, die 20 Stunden pro Woche hier tätig sind“, erklärt Dr. Andrea Hopp. Nur so sei ein ordentlicher Betrieb in beiden Häusern zu gewährleisten. Denn neben den Besuchern, die kommen und geführt werden möchten, sind auch Telefonate zu führen und zahlreiche e-mail-Anfragen zu beantworten. Und auch die Veranstaltungen, die Dr. Andrea Hopp und Katja Gosdek über das Jahr organisieren, sind vor- und nachzubereiten.

Abschluss des Festjahres

Dazu gehört auch „Kunst für Demokratie“, wofür die Stiftung als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ 2013/14 prämiert worden ist. Der Beitrag in diesem Jahr stand unter dem Motto „Kunst öffnet Türen“. Vereine und Privatpersonen hatten alte Türen bunt gestaltet und damit auch ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. Die Türen waren im Park ausgestellt. Erinnern kann man sich daran mit einem Kalender, den die Stiftung für 2016 herausgegeben hat und der nun an alle Mitwirkenden als Dankeschön für das kreative Engagement verteilt wird.

Der geplanten feierlichen Vertragsunterzeichnung mit allen vier Anwesenden am Donnerstag in Magdeburg schließt sich um 19.30 Uhr im Festsaal der Staatskanzlei die Lesung „‚Der Zauberlehrling‘ – Otto von Bismarck in der ,Neuen Friedrichsruher Ausgabe‘“ an. Damit wird die erfolgreiche Lesung zum Auftakt des Bismarck-Festjahres im April in Berlin nun in Magdeburg wiederholt und das Festjahr anlässlich Bismarcks 200. Geburtstag endet damit. Dr. An­drea Hopp hat hierfür das Konzept erarbeitet; sie stellt die Edition vor und kommentiert die ausgewählten Quellen, deren Sprecher Hanns Zischler ist.