Havelberg l Die konzentrierte Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners unter Federführung des Landkreises Stendal hat Erfolg gezeigt. Wie Dieter Härtwig, Sachgebietsleiter im Ordnungsamt Havelberg, auf der Sitzung des Ausschusses für Ordnung, Umwelt und Tourismus berichtete, konnte der Raupenfraß stark eingedämmt werden.

Ein Schwerpunkt bildete über Jahre der Bereich Vehlgast-Kümmernitz. In Damerow und Vehlgast waren etliche Eichen stark befallen vom Eichenprozessionsspinner. Anwohner hatten massiv darunter gelitten, klagten über heftige allergische Reaktionen, mussten sich zum Teil sogar krank schreiben lassen. Denn die Härchen der Raupen sind gefährlich.

Seit dem vorigen Jahr koordiniert der Landkreis die Bekämpfung und kann nun auch auf Fördergelder vom Land zurückgreifen. „In den Vorjahren haben wir die Bekämpfung immer auf eigene Kosten vorgenommen. 2019 war dies durch die Förderung in größerem Rahmen möglich. Gut ist auch, dass nicht nur im direkten Wohnumfeld Maßnahmen ergriffen werden, sondern auch in angrenzenden Bereichen. Denn das war zuvor die Crux: Nahe liegende Eichenbestände wurden nicht bekämpft und der Eichenprozessionsspinner kehrte zurück“, erklärte Dieter Härtwig.

Zur Auswertung für dieses Jahr berichtete er, dass 75 Prozent der bekämpften Bäume in die Gruppe 0 eingestuft werden konnten. Das heißt, dass dort kaum Fraß oder Befall durch Raupen festgestellt wurde. 25 Prozent liegen in der nächsten Gruppe 1 mit leichten Fraßschäden. Auch im vorigen Jahr waren erste Erfolge festgestellt worden. Ein Grund dafür ist sicher auch, dass seit 2017 in ortsnahen Bereichen auch in den Wäldern wieder Maßnahmen gegen die Raupen ergriffen werden durften.

Keine Prozessionen mehr

Die Prozessionen, in denen die Raupen an Bäumen hoch- oder über die Straßen zogen, konnten nicht mehr beobachtet werden. „Das beweist, dass die Bekämpfung ganzer Bestände Wirkung zeigt. Auch Kreis- und Landesstraßen wurden einbezogen“, so Dieter Härtwig. Gut zu erkennen war in diesem Jahr zudem, dass die Wirkung des biologischen Bekämpfungsmittels, dessen Erfolg ohnehin nur mit einer Wirkung von 70 Prozent angegeben wird, von den Witterungsverhältnissen abhängt. Abgesehen davon, dass auch der Zeitpunkt der Blattentwicklung an den Eichen genau abgepasst werden muss, darf es nicht regnen, nicht zu windig und auch nicht zu heiß sein. An einigen Bäumen zwischen Havelberg und Kümmernitz war der Zeitpunkt nicht optimal. Dort wurde dann später mechanisch abgesaugt. Ansonsten wird das Mittel vom Hubschrauber oder von Fahrzeugen aus versprüht.

Die gemeinsame Bekämpfung im Landkreis soll es auch künftig geben. Dafür lag dem Umweltausschuss, der in der neuen Wahlperiode unter der Leitung von Stadträtin Anke Dorsch steht, eine Koordinierungsvereinbarung vor, die das regelt. Weil sich der Bedarf von Kommunen inzwischen so stark entwickelt hat, dass die Bekämpfung europaweit ausgeschrieben werden muss, ist der zeitliche Vorlauf sehr groß. Bereits im September wird die Ausschreibung erfolgen.

Eine Aussage dazu, ob das Land auch 2020 wieder Geld zur Verfügung stellt, gibt es noch nicht. Angesichts des massiven Problems mit dem Eichenprozessionsspinner dürften die Kommunen aber wohl optimistisch sein, dass die Unterstützung kommt. Havelberg hat in diesem Jahr rund 10.000 Euro aus eigenen Mitteln eingeplant, 10.000 Euro kommen über den Landkreis vom Land. Eine Abrechnung ist noch nicht erfolgt.

Ordnungsamtsleiter André Gerdel machte darauf aufmerksam, dass Privatpersonen kurzfristig möglichst bis Anfang nächster Woche noch Bedarfe im Ordnungsamt anmelden können, wenn sie ein Problem mit den Raupen haben. Sie müssen die Kosten allein tragen. Jemanden zu zwingen, seinen Baum besprühen zu lassen, weil er befallen ist, geht nicht, antwortete er auf die Frage von Ausschussmitglied Ursula Rensmann. Da gibt es entsprechende Gerichtsurteile.