Havelberg l Der Protest geht weiter. Kampflos wollen die Mitarbeiter des Havelberger Krankenhauses die medizinische stationäre Versorgung dort nicht aufgeben. Deshalb ist der Betriebsrat unermüdlich dabei, selbst Schreiben zu verfassen und er bekommt Unterstützung von verschiedenen Leuten, die Petitionen schreiben. Mit Blick auf das Gespräch am heutigen Donnerstag im Sozialministerium hat sich der Betriebsrat mit einem offenen Brief unter anderem an Ministerpräsident Reiner Haseloff, Sozialministerin Petra Grimm-Benne und weitere Politiker gewandt und zugleich die Einladung ausgesprochen, sich vor Ort ein Bild zu machen.

„Seit über einer Woche befindet sich die Havelberger Krankenhausbelegschaft nun schon im Arbeitskampf. Wir kämpfen für den Erhalt unseres Krankenhauses und damit für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Region und für den Erhalt unserer Arbeitsplätze. Wir möchten Ihnen gern aufzeigen, wie wichtig das Havelberger Krankenhaus für die medizinische Versorgung der Bevölkerung im infrastrukturell schwachen Norden von Sachsen-Anhalt ist. Das Elb-Havel-Land ist ein dünn besiedeltes Gebiet mit einer hohen Dichte an älteren und hilfsbedürftigen Menschen“, heißt es in dem Brief. Der Betriebsrat verweist darauf, dass die Stadt Havelberg zirka 6500 Einwohner und einen großen Bundeswehrstandort hat. Zudem befindet sich in Klietz ein weiterer Bundeswehrstützpunkt, wo auch regelmäßig strategisch-wichtige Übungen stattfinden.

Öffentliche Trägerschaft?

„In dieser ländlichen und infra­strukturarmen Region haben über die letzten Jahre viele niedergelassene Ärzte ihre Arztpraxen geschlossen und nicht wieder eröffnet. Das Krankenhaus Havelberg sichert hier im Norden die medizinische Versorgung der Bevölkerung und der Soldaten der Bundeswehr ab. Mit der Schließung des Krankenhauses müssen auch Notfall-Patienten Wege von zirka 40 bis 50 Kilometer bis zum nächsten Krankenhaus in Kauf nehmen. Das kann und möchte doch niemand verantworten?! Mit der Schließung des Krankenhauses stirbt auch die Region!!!“

Zugleich hat der Betriebsrat darum gebeten, dass ein Vertreter der Belegschaft an der Beratung in Magdeburg teilnehmen kann. „Es ist uns leid, dass die Politik über unsere Köpfe hinweg jedwede Entscheidungen über unsere Zukunft trifft.“

„Unser Ziel ist es, das Krankenhaus unter allen Umständen für die Region zu erhalten“, ergänzt eine Mitarbeiterin die Ausführungen im Brief und begründet: „Es leben viele alte Menschen hier und die Infrastruktur ist nicht die beste. Von Havelberg nach Stendal mit dem Bus dauert es über eine Stunde. Und wie kommen wir nach Kyritz oder Rathenow? Egal wie, die medizinische Versorgung muss in Havelberg gesichert sein. Die KMG hatte in unserer Betriebsversammlung nicht einmal ein Konzept für das MVZ.“

Eine gewisse Grundversorgung 24 Stunden Tag und Nacht und an Wochenenden etwa für internistische Fälle und zur Wundversorgung sollte in Havelberg verbleiben.

In der Betriebsversammlung hatte der Vorstandsvorsitzende der Belegschaft gesagt, dass er die Krankenhaus-Immobilie bei entsprechender Anfrage der öffentlichen Hand zum Preis von einem Euro verkaufen würde für eine Weiterführung als Akutkrankenhaus in öffentlicher Trägerschaft, heißt es im offenen Brief weiter. Auch im Interview mit der Volksstimme hatte Stefan Eschmann erklärt, dass er sich einem Verkauf nach der Rückfallklausel nicht verschließen würde.

Auf das Interview hat am Mittwoch der Landtagsabgeordnete der Linken Wulf Gallert reagiert. „Vieles von dem im Interview Dargelegten klingt wenig glaubwürdig. Allein die Tatsache, dass der Träger noch in 2019 den Fortbestand des Krankenhaus­standortes in Havelberg erwog und dieser wenige Tage nach dem Jahreswechsel 2019/2020 unmöglich sei, lässt eine seriöse Perspektivensuche seitens der KMG unwahrscheinlich erscheinen. Zumal nach unseren Informationen aus der Belegschaft in der Vergangenheit durchaus das Interesse von Ärzten zur Beschäftigung am Krankenhausstandort Havelberg da war und eine Spezialisierung des Hauses möglich gewesen wäre.“

Zügige Klärung

Die Linke im Landtag und im Kreistag sei weiter von der Notwendigkeit eines Krankenhauses in Havelberg zur Absicherung des Versorgungsauftrages überzeugt und favorisiere eine öffentliche Lösung, sinnigerweise aus Kooperation von Land und Landkreis Stendal. Da sich der Träger einer Rückführung in die öffentliche Hand nicht in den Weg stellen wolle, müssten „die dafür notwendigen Gespräche auf allen verantwortlichen politischen Ebenen jetzt zügig geführt werden, damit für das Krankenhaus, aber vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses schnell Klarheit hinsichtlich einer Pers­pektive besteht“.

Wulf Gallert informiert außerdem, dass er die Landesregierung nach den Fördermittelvergaben und damit verbundenen Auflagen der vergangenen Jahre an die KMG gefragt hat. Er erwarte in der kommenden Woche Aufklärung.

Wichtig zu wissen ist, dass der Krankenhausbetrieb derzeit weiter läuft. Termine werden auch zum Beispiel für ambulante Darmspiegelungen weiter vergeben. Wogegen die Magenspiegelungen nicht ambulant möglich sind, reagiert eine Mitarbeiterin auf die Kritik einer Patientin, die am Montag mit ihrer Tochter wieder ihrer Wege ziehen musste (die Volksstimme berichtete im Rahmen der Protestberichte darüber).

Die Unterschriftenlisten füllen sich weiter. Bis Mittwoch waren es 5200 Unterschriften. Und auch das überregionale Interesse besteht weiterhin. MDR Fakt will in einer Sendung das Thema Krankenhausschließung aufgreifen, berichtet der Betriebsrat von entsprechenden Anfragen.