Havelberg l Schon seit etlichen Tagen weist ein Schild am Krankenhauseingang auf ein Besuchsstopp wegen der Corona-Krise hin. Um das Risiko einer Ansteckung durch externe Besucher so gering wie möglich zu halten, sind Besuche nur nach Rücksprache mit dem medizinischen Personal möglich. Vorsorglich hatten Mitarbeiter auch drei Zimmer im Krankenhaus als Isolierzimmer mit Schleuse eingerichtet. Trotz aller Vorsicht ist das Coronavirus nun aber im Krankenhaus angekommen. Drei Mitarbeiterinnen des Medizinischen Versorgungszentrums MVZ sind positiv darauf getestet.

„Die Kontaktpersonen – Mitarbeitende und Patienten - wurden unverzüglich identifiziert und dem Gesundheitsamt in Stendal gemeldet. Bis Montag sollen bei diesen Personen alle Abstriche zur Testung durchgeführt sein. Abhängig von den Befunden gestaltet sich das weitere Vorgehen“, informiert Franz Christian Meier, Leiter Unternehmenskommunikation der KMG Kliniken, am Sonntag auf Nachfrage der Volksstimme. Laut Gesundheitsamt soll es sich um 30 Kontaktpersonen handeln.

Das MVZ ist ab  Montag geschlossen. Am Krankenhaus wird KMG den Gesundheitsbetrieb im Rahmen des Möglichen aufrechterhalten. Bei negativem Befund können die Mitarbeiter mit Schutzausrüstung weiterarbeiten. Bei positivem Befund gehen sie in die vierzehntägige häusliche Quarantäne. „Dem möglicherweise infizierten Personal gilt unser ausdrückliches Mitgefühl. Wir wünschen, dass es ihnen gut geht, sie keine Symptome zeigen und nach der Quarantäne gesund wieder ihre Tätigkeit ausüben können.“

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In einer Zeit, in der die Mitarbeiter um die Zukunft ihres Krankenhauses bangen, ist das keine gute Nachricht. Der Kampf um den Erhalt der stationären medizinischen Versorgung, der am 10. Januar begann, geht inzwischen in die zwölfte Woche. Auch wenn die gut 50 Mitarbeiter zum 31. März ihre Kündigungen von den KMG Kliniken erhalten sollen, wird weiter für eine Alternative gekämpft.

Erst vergangenen Donnerstag, als in der Einigungsstelle Verhandlungen zum Sozialplan anstanden, gab es eine Protestaktion, bei der medizinisches Personal und Unterstützer einzeln für jeweils zehn Minuten vor dem Klinikgebäude für das Krankenhaus protestierten.

Eine konstruktive Ebene erreicht

Dass die Chancen wieder besser stehen, einen Weg für eine stationäre medizinische Versorgung zu finden, berichtet Landrat Patrick Puhlmann (SPD) am Sonnabend im Gespräch mit der Volksstimme. Nach einer Telefonkonferenz mit dem KMG Vorstandschef Stefan Eschmann, Kostenträgern und ihm am vergangenen Dienstag gibt es Verhandlungen mit potenziellen alternativen Trägern. „Die Situation sah zuvor schon ziemlich düster aus. Jetzt sind wir immerhin wieder soweit, dass wir seitens des Landkreises wieder Verhandlungen führen können. Wir haben mit der KMG eine konstruktive Ebene erreicht. Das ist ein sehr wichtiger Schritt“, schätzt Patrick Puhlmann ein. Es gibt schon seit einiger Zeit mehrere Interessenten, von denen aus seiner Sicht manche ein vielversprechendes und tragfähiges Konzept in Aussicht stellen. „Die sprechen wir jetzt erneut an, um die jeweiligen Modelle auch konkret aufs Papier zu bringen. Mein Ziel ist eine ordentliche medizinische Grundversorgung in Havelberg mit ambulanten und stationären Angeboten für die Menschen in der Elb-Havel-Region.“

Er sieht seine Aufgabe jetzt darin, die unterschiedlichen Träger zusammenzubringen und die Verhandlungen zu moderieren. Der Fokus liegt jetzt darauf, ein konkretes Konzept auf den Tisch zu bekommen, auf dessen Grundlage darüber gesprochen werden kann, welche Genehmigungen erforderlich sind und wie viel Geld woher dafür erforderlich ist. Kassenärztliche Vereinigung und Krankenkassen als Kostenträger, Land und Landkreis müssten dann die Frage beantworten, „ob das Konzept ein tragfähiges Modell wäre und es für die Bevölkerung einen Mehrwert hat. Solch eine Lösung brauchen wir jetzt.

Der Landrat tue jetzt alles dafür, dass ein tragfähiges Modell gefunden wird. „Das muss jetzt alles schnell gehen. Neben der Bewältigung der Corona-Pandemie ist das Havelberger Krankenhaus auch in diesen Tagen ein Schwerpunkt in der ersten Reihe. Mit einem der möglichen alternativen Träger habe ich bereits gesprochen. Wir haben nicht die Zeit zu warten, auch wenn uns Corona fordert. Ich will aufgrund der kurzen Zeit, die bleibt, mehrere Sachen parallel verhandeln“, sagt Patrick Puhlmann und berichtet, dass Carsten Wulfänger (CDU), dessen Nachfolge er am 19. März angetreten hat, die Suche nach möglichen Alternativen zur beabsichtigen Schließung des Krankenhauses Havelberg und Umwandlung in ein Seniorenheim durch die KMG Kliniken bereits sehr intensiv betrieben habe. Patrick Puhlmann sei froh, dass mit dem im Brandenburgischen ansässigen Gesundheitskonzern eine Atmosphäre erreicht worden ist, die weitere Verhandlungen ermöglicht.

Machbare Modelle dabei

„Ich glaube, dass es ernsthafte Interessenten mit machbaren Modellen gibt, die die medizinische Grundversorgung in der Region Havelberg auch in Zukunft sichern können. Die Verhandlungen können jetzt konkreter werden. Ohne das starke Aufbäumen der Belegschaft, ohne den Zusammenhalt der Menschen in Havelberg und ohne den starken Einsatz des Bürgermeisters und vieler Stadträte wären wir jetzt nicht an diesem Punkt. Ich will alles tun, damit diese fantastischen Bemühungen am Ende nicht vergeblich waren.“

Zu seinen Vorstellungen zum Zeitplan befragt, sagt Patrick Puhlmann: „Im Mai, spätestens Anfang Juni, müssen wir dann die konkrete Idee haben. Wir sind noch nicht auf der Zielgeraden, aber wir haben jetzt eine Extrarunde bekommen. Die wollen wir nutzen.“