Schönhausen l Auch wenn der Anlass für den Kinderlauf, das Kunstfest und das Familienfest alles andere als rühmlich und erfreulich sei, so zeigte sich Verbandsbürgermeister Bernd Witt doch zufrieden, dass Schönhausen und die Region wieder ein buntes Gesicht gezeigt haben. Mit „Kinder laufen für Kinder“, dem Familienfest des Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit im Landkreis Stendal und den Parkverwandlungen war am Sonnabend einiges los in Schönhausen.

Das Motto von „Kunst für Demokratie" in diesem Jahr: „Miteinander angezettelt – für Demokratie". Es ist angelehnt an das Motto der derzeitigen Sonderausstellung „Angezettelt: Antisemitische Aufkleber und Gegenwehr" des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Die von der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen im hiesigen Museum gezeigte Ausstellung macht deutlich, dass antisemitische und antirassistische Klebezettel immer auch auf Gegenreaktionen gestoßen sind und dass Botschaften von Hass und Intoleranz nicht unwidersprochen hingenommen werden müssen.

Botschaften für Weltoffenheit

„Widerspruch und richtungsweisende Botschaften für Weltoffenheit gibt es heute hier in Schönhausen", sagte Dr. Andrea Hopp als Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen zur Eröffnung des Festes am Samstagmorgen. „Weil wir über die Jahre zusammen den Platz hier am Museum so bunt gemacht haben mit Kunstaktionen, SOS-Kinderlauf, Musik und vielem mehr ist er seit zwei Jahren ein ,Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen‘, gewürdigt mit einer vom Bundespräsidenten unterzeichneten Urkunde für das Projekt ,Kunst für Demokratie‘. Als eine der 100 besten Ideen deutschlandweit 2013/2014 wird beispielhaft gezeigt, wie mit kreativen, bunten und vielfältigen Kunstverwandlungen vereint für Demokratie eingetreten werden kann. Das hat für überregionale Aufmerksamkeit gesorgt", resümiert die Stiftungsleiterin. Jahr um Jahr führe „Kunst für Demokratie" vor Augen, dass es „an uns ist, öffentliche Räume zu gestalten: Indem wir Verantwortung für sie übernehmen, weil sie anders als unser privates Zuhause zaun- und mauernlos und allzeit zugänglich sind, besonderen Gefährdungen unterliegen, und weil auch Nichtstun und Nichthandeln den öffentlichen Gemeinderaum verändern wird – weil ihn dann andere und anderes verändern." Ihre Aufgabe als Leiterin einer Demokratiebildungseinrichtung des Bundes ist es, den Bürgern Wege für ein zivilgesellschaftliches Engagement, für Demokratie, für das Mitmachen und für ein friedliches und tolerantes Miteinander aufzuzeigen.

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Zwei Flüchtlinge helfen mit

Für die Park-Verwandlung konnte auf das über die Jahre angesammelte Repertoire zurückgegriffen werden, zu dem Vereine, Schulen, Jugendklubs und Einzelpersonen beigetragen haben. Einige Personen aus der Region haben auch zum diesjährigen Motto „Miteinander angezettelt – für Demokratie“ etwas beigesteuert. Kinder und Erwachsene aus der Flüchtlingsunterkunft in Klietz machten auf Initiative von Grit Woywod vom DRK und Bianca Weber von der Freiwilligenagentur ebenfalls mit. Die Kinder bastelten 201 Friedenstauben (so alt wäre Otto von Bismarck am 1. April geworden) und Zettelbotschaften. Beim Anbringen halfen die aus dem syrischen Damaskus geflohenen Asylbewerber Amir und Abdulrasar. Beide leben seit Dezember in Klietz und können schon gut deutsch sprechen, „sie wollen nicht nur in der Unterkunft sitzen, sondern lernen, helfen und sich integrieren“, berichtet Grit Woywod, als sie zusammen die Friedenstauben anbringen. Amir, mit beiden Söhnen geflohen, war in der Heimat Französisch-Lehrer, Abdulrasars Familie besaß eine nun zerstörte Firma für die Herstellung und den Verkauf von kosmetischen Schwämmen.

Die Friedenstauben und die Klebe-Botschaften bereichern nun die umfangreiche künstlerische Sammlung. Der Park kann also auch in den kommenden Jahren ein buntes Kleid tragen.