Havelberg l Und zwar die Personensuchhunde – unter Fachleuten Mantrailer genannt – mit ihren Hundeführern, welche sich hier beim GBMA-Seminar weiterbilden. Das Kürzel steht für German Bloodhound Mantrailing Association, welche vor 16 Jahren gegründet worden war und derzeit 30 Mitglieder zählt.

Wie so vieles im katastrophalen Jahr 2020 war auch dieses Seminar wegen Corona etwas anders als gewohnt: Die Teilnehmerzahl war zum einen auf 16 limitiert. Zudem waren sie wegen des Aufenthaltes in geschlossenen Räumen in zwei feste Gruppen aufgeteilt. Das alles und noch einiges mehr war in einem Hygienekonzept vorgeschrieben. Ungewohnt war auch, dass erstmals die Ausbilder aus den USA fehlten, welche das Mantrailing in Deutschland einst aus der Taufe gehoben hatten.

Fünf eigene Ausbilder

Doch besitzt die GBMA inzwischen selbst fünf Ausbilder, so dass man sich auch ohne die Freunde aus Übersee behelfen konnte, berichtete GBMA-Vorsitzende Sabine Storch aus Oranienburg. Untergebracht war der Tross wieder im Mühlenholz-Gasthaus in Havelberg, wo auch der theoretische Teil stattfand und versorgt wurde. Hier sowie in umliegenden Orten wie Havelberg, Sandau, Klietz, Schönhausen und Tangermünde wurden die Trails gelegt – gingen die knapp 20 Hunde also auf Spurensuche.

Neben den namensgebenden Bloodhounds – damit hatte das Mantrailing einst begonnen und die Rasse ist fürs Mantrailing prädestiniert – waren unter anderem auch Weimaraner, Beagles sowie ein Vizsla, eine ungarische Jagdhunderasse, vertreten. Mit dabei war zudem der Wolfshund einer Litauerin, sie baut in dem baltischen Land das Mantrailing auf. Das immer noch recht heiße Wetter war ungewöhnlich für diese Jahreszeit, weshalb am Morgen und am Abend trainiert wurde. Denn Sonnenstrahlen beeinträchtigen die von den Hundenasen aufzuspürenden Geruchsspuren – Aerosole sind ja seit Corona recht bekannt –, welche erst bei kühlerer Witterung wieder „riechbar“ werden.

Belohnung ist wichtig

Wie solche Personensuche vonstatten geht, demonstrierten Ausbilder Michael Reissig von der Feuerwehr im thüringischen Arnstadt als Hundeführer sowie der stellvertretende GBMA-Vorsitzende Bernd Olschewski (Feuerwehr Ludwigsfelde) als „Zielperson“ mit Bluthündin Finita. Ganz wichtig ist dabei am Ende der erfolgreichen Suche die Belohnung für den Hund – und wenn es nur Streicheleinheiten sind.Denn Hunde fassen solch eine Suche als Spiel auf.

Keine Hunderasse ist so reichlich mit Riechzellen gesegnet wie der Bluthund. Sie sind wie Autisten: wenn sie eine Spur verfolgen, lassen sie sich durch nichts ablenken. Der Bloodhound findet sogar dann noch Gerüche, wenn die Spur etwas älter ist – bis zu einige Tage sind möglich, je nach Wetterlage. Er schnüffelt nicht am Boden wie andere Vierbeiner, sondern in der Luft nach menschlichen Geruchsbakterien. So kann er sogar die Spur verfolgen, wenn der Gesuchte im Fahrzeug sitzt.

Die Seminare dienen auch dazu, neue Ausbilder zu rekrutieren. Diesmal waren zwei Anwärter dabei. Sie müssen am Ende theoretische und praktische Prüfungen bestehen – doch ehe es soweit ist, vergehen einige Jahre.

Der GBMA hatte im Vorjahr in Havelberg sein 15-jähriges Bestehen gefeiert, einmal im Jahr ist man hier zu Gast. Normalerweise finden im Jahr seit einiger Zeit immer zwei Seminare statt, doch das im Frühjahr in Süddeutschland fiel dem Lockdown zum Opfer.

Mit in Havelberg dabei war auch Gründungsmitglied und erster Vereinsvorsitzender Jürgen Conrad aus Stendal. Der ehemalige Polizist war zuletzt in der kreislichen Rettungshundestaffel der Johanniter tätig, wo es zwei Mantrailerhunde gab. Die Staffel ist in diesem Jahr aufgelöst worden.