Havelberg l Wenn von Schule die Rede ist, dann wird zuerst an Kinder und Jugendliche beziehungsweise an junge Erwachsene gedacht. In der Schlagzeuger-Klasse von Musikschul-Lehrer Peter Djipov, der mit 69 Jahren selbst nicht mehr der Jüngste ist, ist das allerdings etwas anders. Denn zu seinen Schülern gehören auch zwei vom Instrument Schlagzeug begeisterte Rentner: Wolf Knüppel (67) aus Quitzöbel und Gerd Müller (71) aus Havelberg. „Wir sind zusammen schon fast so etwas wie eine kleine Schlagzeuger-Band“, sagt Peter Djipov lächelnd.

Schon in einer Schülerband gespielt

„Dass hier ist genau das, was ich brauche“, erkärt Wolf Knüppel mit freudigem Ausdruck. An jedem Donnerstag kommt er aus seinem Wohnort Quitzöbel zum Unterricht nach Havelberg. „Denn am Schlagzeug zu spielen ist für mich so etwas wie ein Lebenselixier.“ In seiner lange, lange zurückliegenden Schulzeit habe er bereits in einer Schülerband auf Ridebecken, Floortom, Tomtom, große Trommel und kleine Trommel sowie Hi-Hat des Schlagzeuges „draufgehauen“, wie er es formuliert. Dann allerdings war erst einmal eine ganze Weile Pause. „Bis mir meine Sippe und mein Freundeskreis vor etwa drei Jahren ans Herz legten, dass ich mal wieder etwas mehr Beschäftigung bräuchte. Zu meiner Überraschung hatten sie aus diesem Grund auch gleich ein Einsteiger-Schlagzeug-Set für mich gekauft. Und ich bin mit diesem tatsächlich wieder so richtig auf den Geschmack gekommen.“

Traum jetzt verwirklicht

Womit Wolf Knüppel konkret die Vergrößerung seiner „Musikanlage“ meint. „Wenn schon, dann aber jetzt erst richtig, habe ich mir gesagt und mir für zu Hause das Schlagzeug, von dem ich in meiner Jugendzeit immer geträumt habe, angeschafft.“ Und er meldete sich in der Havelberger Musikschule zum Unterricht an, „wo man unter Anleitung und auch gemeinsam doch viel mehr lernen kann, als alleine zu Hause“. Am liebsten begleitet Wolf Knüppel mit dem Schlagzeug übrigens Oldies, das heißt „die Musik, auf die ich in meinen jungen Jahren abgefahren bin“ – beim Jubiläumskonzert 2019 war es übrigens ein Titel von Santana –, „aber auch vom modernen deutschen Liedschaffen bin ich nicht abgeneigt“.

Mit 71 der älteste Schüler

Gerd Müller aus Havelberg ist mit seinen 71 Jahren der älteste der Schlagzeug-Musikschüler in Havelberg. „Ich habe schon mein ganzes Leben lang Musik in mir“, erzählt er. „Immer, wenn ich im Auto Musik höre, gehe ich im Takt mit.“ Ganz so lange wie Wolf Knüppel ist er aber noch nicht an der Musikschule. „Ich habe mich hier erst 2019 angemeldet, nachdem ich etwa drei Monate lang in Stendal Unterricht genommen hatte. Mein Enkel Sebastian Wolf hat mich sozusagen hierher mitgeschleppt und mir den Anschub dafür gegeben, weiter zu machen. Erst habe ich ja gedacht, dass ich verrückt sein muss, als Opa von 70 Jahren noch Schlagzeug zu spielen. Ich habe mir vorgestellt, wie mich alle dafür auslachen, dann aber festgestellt, dass eher das Gegenteil der Fall war und dass das Alter eigentlich gar keine Rolle spielt, wenn man die Freude am Musikmachen so richtig auskosten möchte. Talent, Rhythmusgefühl und vor allem Fleiß muss man dazu jedoch unbedingt mitbringen. Ohne das alles kommt man nicht voran. Damit habe sich für ihn folgender Ausspruch bewahrheitet: „Im Alter ist es gut, entweder tanzen zu gehen oder ein Instrument spielen zu lernen.“

Eine Stunde täglich am Schlagzeug

Selbstverständlich geht Gerd Müller seinem großen musikalischen Hobby auch in den eigenen vier Wänden nach. „Ich spiele im Schnitt mindestens eine Stunde lang auf dem Instrument.“

Weitere Interessenten willkommen

Zu dritt, den Musikschullehrer Peter Djipov eingeschlossen, habe sich der Gedanke in den drei Senioren festgesetzt, einmal als eigene Oldie-Band Musik zu machen, wozu gerne noch Interessenten willkommen sind. Zum Beispiel an jedem Donnerstagnachmittag in der Musikschule.

Lehrer seit fast 40 Jahren

Peter Djipov selbst ist bereits ein „alter Fuchs“ an der Musikschule. „Ich habe bereits im Jahr 1981 als Lehrer an der Musikschule in Osterburg angefangen, wo ich zunächst Unterricht für Blechblasinstrumente gegeben habe; 1986 kam dann das Schlagzeug dazu.“ Seit 1990 ist er in Havelberg und hier auch in erster Linie für den Schlagzeug-Unterricht zuständig. „Es war schon als Student mein Lieblingsinstrument, zwei Semester lang habe ich Schlagzeug studiert.“

Das Schlagzeug "brummt"

Was er nie gedacht hätte, ist jetzt Wirklichkeit geworden. „Das Schlagzeug brummt. Das Interesse hat hier in Havelberg in der letzten Zeit enorm zugenommen. Der eine Unterrichtstag am Donnerstag reicht längst nicht mehr aus.“

Klassenvorspiel am 26. März

Musikschulleiter Julian Gorus bestätigt das. „Aktuell sind hier in Havelberg 18 Schüler vom Kind bis zum Rentner für den Unterricht am Schlagzeug angemeldet. Und es gibt weitere Interessenten, was ich ganz toll finde.“ Toll findet das auch Peter Djipov selbst. Aus dem Grund hat er sich entschieden, in der Aula des Havelberger Schulzentrums ein öffentliches Klassenvorspiel nur alleine mit seinen Schlagzeug-Schülern zu geben. Für Havelberg selbst stellt das eine Premiere dar. Musikfreunde können sich den Termin schon einmal vormerken: Es ist der 26. März um 17 Uhr.