Schollene l Die Rückkehr der Weißstörche aus den Winterquartieren zu ihren Brutpätzen im nördlichen Elbe-Havel-Winkel verlief in 2019 recht unspektakulär. Auffallend früh angekommene Weißstörche sind mir nicht bekannt geworden. Am 27. März standen bereits beide Störche in Vehlgast und in Kuhlhausen (E- Mast) auf dem Nest, in Rehberg sowie in Molkenberg (Kirche) jeweils einer.

2019 wurden insgesamt 27 Nester besetzt. Leider blieben wie bereits in den vorhergehenden Jahren alt angestammte Nester ohne Storchenpaar. Von den 27 Brutpaaren brüteten 19 erfolgreich. Bei acht Paaren stellte sich kein Bruterfolg ein. Warum er ausblieb ist bei zwei Brutpaaren nachweisbar: So berichtete Frau Braunsdorf aus Garz von Storchenkämpfen, die sich an ihrem Nest ereigneten. Bis zu sechs Störche waren daran beteiligt. In Folge dieser Auseinandersetzungen ging das Gelege zu Bruch und es kam nicht erneut zu einer Brut. Bei Baumgartners in Wulkau ging ein Altvogel verloren und damit auch die noch junge Brut.

Nur einmal vier Jungstörche im Nest

Von den 19 erfolgreichen Brutpaaren wurden 47 flügge Jungstörche aufgezogen. Verluste an Jungstörchen während der Brutzeit werden nur selten bekannt. Für 2019 konnte jeweils ein abgeworfener Jungstorch in Vehlgast, Schönfeld und in Kuhlhausen (Teich) registriert werden.

Eine sehr gefährliche Phase ist das Ausfliegen der Jung- störche. In diesem Jahr kam in Schönfeld ein Jungstorch dabei zu Schaden. Ein flügger Adebar wurde mit gebrochenem Bein aufgefunden und von Herrn Mahnitz in Sicherheit gebracht. Möglicherweise ist ihm eine missglückte Flugübung oder eine Windböe zum Verhängnis geworden. Der Jungstorch wurde in die professionelle Obhut der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg gegeben.

Aus den 19 Nestern mit Nachwuchs flogen elfmal 2, siebenmal 3 und nur einmal 4 Jungstörche aus. Die vier Jungen wuchsen bei Wendisch Kirchhof auf.

Im diesem Jahr wurden relativ wenige Jungstörche aufgezogen. Die Verfügbarkeit von Nahrung war in diesem Jahr wohl nicht optimal. Dafür spricht auch der schnelle Aufbruch unserer Störche in Richtung Winterquartiere.

Auch 2009 war ein schlechtes Jahr

War 2019 nun ein gutes, ein normales oder gar ein schlechtes Storchenjahr? Für die Antwort ist etwas Statistik erforderlich. Populationen wilder Tiere unterliegen von Natur aus Schwankungen. Um anhand verbindlicher Werte zu ermitteln, ob die Anzahl der Jung-störche des Jahres ausreicht, um den Bestand zu erhalten, wird die durchschnittliche Zahl ausgeflogener Jungstörche je Horstpaar berechnet. Ab einem errechneten Wert von 2,0 wird ein positiver Trend angenommen. Für 2019 ergibt sich ein negativer Wert von 1,7. Diesen Wert gab es in den letzten zahn Jahren schon einmal, nämlich 2009. Bemerkenswert im Vergleich mit 2019: im Jahr 2009 wurden 29 Brutpaare erfasst, von denen 21 Paare 49 flügge Jungstörche aufzogen. Und auch 2011 erreichte der Wert nur 1,8. Damit sind, wenn man ein Jahrzehnt zurückblickt, drei Jahre mit negativem Vorzeichen nachgewiesen, welche aber keinen Trend abbilden.

Betrachten wir noch die Anzahl der Brutpaare in den letzten zehn Jahren: Im Zeitraum von 2009 bis 2015 waren bis auf das bereits genannt Jahr 2009 regelmäßig 30 und mehr Brutpaare anwesend. 2010 waren es mit 34 die meisten.

2016 gab es einen Bestandseinbruch. Schritten 2015 noch 32 Weißstorchpaare zur Brut, konnten 2016 nur noch 27 gezählt werden. In 2017 und 2018 waren es sogar nur 26 Brutpaare.

In den letzten vier Jahren waren somit deutlich weniger Paare im nördlichen Elbe-Havel-Winkel zur Brut geschritten. Die 2019 erfassten 19 erfolgreichen Brutpaare zwischen Elbe und Havel mit 47 flüggen Jungstörchen sind die niedrigsten Zahlen des zurückliegenden Jahrzehnts.