Havelberg l Die beiden Lindenbäume und der Ahornbaum standen im Kurvenbereich der sogenannten Todesbahn, die den älteren Havelbergern als besondere Rodelbahn bekannt sein dürfte. Sie führt, in der Cotheniusstraße beginnend, seitlich den Nußberg hinunter und endet vor der Fliedertreppe. Heute wird auf dieser Bahn nicht mehr gerodelt, denn sie ist über die Jahre auch schon etwas zugewachsen. Durch die Enge der alten Rodelbahn, die steil abwärts führt, ist die Zufahrt für größere Technik hier ausgeschlossen. Deshalb kommen „Die Baumgärtner“ aus Schleswig-Holstein zum Einsatz. Einer davon ist ein Havelberger.

Abtragen auf engstem Raum

Sie haben ihre Utensilien in einem kleinen Transporter, der oberhalb in der Cotheniusstraße steht, und sind nicht zum ersten Mal in der Hansestadt zu Gast. „Wir waren schon vor der Bundesgartenschau 2015 hier und haben am Krugtorhohlweg und im Klosterhof am Dom hoch in den Bäumen gearbeitet“, so der Chef Stev Jerchel. Er ist gebürtiger Havelberger und freut sich besonders über diesen Auftrag in seiner Heimatstadt.

Seilklettertechnik im Einsatz

„Die Arbeiten hier werden mit der Seilklettertechnik ausgeführt und sind für uns ganz alltäglich. Die Seilklettertechnik ist insbesondere für schlecht zugängliche Standorte und Höhen geeignet. Sie bietet dem Baumpfleger eine optimale Beweglichkeit bei geringem Risiko“, sagt der Fachmann. Seine beiden Mitarbeiter Joscha Gasebner und Fadie Sabiti, der aus Moldawien stammt, stimmen dem zu. Joscha hat sich, kurz nach der Mittagspause, seine Kletterausrüstung angelegt und nimmt sich den nächsten Baum vor. Die Kletter- und Sicherheitsleinen sind dabei unverzichtbar.

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Jeder Baum ist anders

„Das höchste waren etwa dreißig Meter, die wir erklommen haben, und jeder Baum ist anders“, erzählt Joscha Gasebner. Er schneidet sich Meter für Meter den Aufstieg am Baum frei und es dauert nur wenige Minuten, bis er ganz oben sicher angekommen ist. Fadie Sabiti hat ihm zuvor die Motorsäge zugereicht, die am Arbeitsgurt des Baumkraxlers einen festen Platz hat. Nun werden von oben beginnend die Äste des Baumes abgesägt.

Zur Gefahrenabwehr

„Die Bäume sind schon sehr alt, haben Faulstellen, sind mit Totholz versehen und werden zur Gefahrenabwehr runtergenommen. Sie stellen auch eine Gefahr für die angrenzenden Grundstücke und für eventuelle Passanten dar“, begründet Stev Jerchel die Arbeiten.

„Je nach Situation können Bäume nicht ,normal‘ gefällt werden, da der Platz nicht ausreicht oder zum Beispiel Gebäude durch den fallenden Baum gefährdet wären. Mithilfe der Seilklettertechnik und Ablass- (Rigging-)Techniken sind wir in der Lage, große und komplexe Bäume auf engstem Raum präzise abzutragen. Baumteile können punktgenau abgelassen werden, so dass der Boden geschont und anliegende Gebäude nicht beschädigt werden“, umschreibt er die interessanten Arbeiten.

Noch Mitglied bei der Stadtwehr

„Die Baumgärtner“ sind überwiegend im Norden der Republik unterwegs und waren aber auch schon in Berlin tätig. Da die Eltern von Stev Jerchel noch in Havelberg wohnen, ist er oft in seiner Heimatstadt. „Ich bin zwar seit Ende 2003 von hier weg, aber immer noch Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Havelberg und komme natürlich zum Pferdemarkt und den Geburtstagen der Eltern und auch anderen Anlässen immer wieder gerne hierher.“