Schönhausen/Schollene l Vor einem Jahr hat Pfarrer Ralf Euker seinen Pfarrbereich Schönhausen verlassen. Für die Räte der beiden Kirchspiele Schönhausen mit Hohengöhren und Lübars-Neuermark und Schollene mit Ortsteilen eine schwierige Zeit, zumal Corona eine weitere Herausforderung darstellt. Anke Schleusner-Reinfeldt sprach darüber mit Birgit Lewerenz, der Vorsitzenden des Kirchspiels Schollene.

Im November 2019 hatte sich die Gemeinde von ihrem Pfarrer verabschiedet – in der Hoffnung, dass bald ein Nachfolger gefunden ist. Das ist bislang nicht der Fall...

Ja leider. Es gab zwar zwei Bewerbungen auf die Pfarrstelle, aber zu unserem Bedauern haben sich beide Hoffnungen nicht erfüllt. Dennoch sind wir optimistisch. Ein junger Vikar hat sich auf die Pfarrstelle beworben. Er hatte gerade eine letzte Examensprüfung und jetzt werden wir, sowie die Corona-Situation das zulässt, seine Vorstellung in den Gemeindekirchenräten planen.

Pfarrer Johannes Seidenberg hat die Vertretung übernommen, kann von seinem Wohnort westelbisch aber nicht alle Aufgaben übernehmen. Wie füllen Sie die Lücke?

Johannes Seidenberg hat einen erheblichen Anteil daran, dass die Gottesdienste im gewohnten Rhythmus weiterhin stattfinden können. Seine Predigten sind sehr ansprechend und beliebt. Zu Beginn seiner Vakanz ermutigte er einige von uns, ein Blasinstrument zu erlernen. Gute Erfahrungen hatte er damit in seinem früheren Pfarrbereich gemacht. Leider kam die Pandemie dazwischen. Die Übungsstunden mussten wieder eingestellt werden.

Stichwort Pandemie: Zusätzlich erschwert Corona das Gemeindeleben. Was kann derzeit überhaupt stattfinden?

Zumindestens sind es die Gottesdienste, die zur Unterstützung von Johannes Seidenberg auch Prädikantin Michaela Möbius und andere Gemeindeglieder in beiden Kirchspielen übernehmen. Nach wie vor halten wir in Schollene an unseren Andachten fest, die jeden Dienstag um 18 Uhr in der Kirche stattfinden. Dazu ist jeder herzlich eingeladen. Dabei ist das Entzünden von Kerzen in der Stille des Kirchenraumes zu einem festen Ritual geworden. Jede Woche finden im Pfarrbereich Schönhausen Gottesdienste statt, die nächsten am kommenden Sonntag ab 9 Uhr in Molkenberg und 10.30 Uhr in Schönhausen. Leider bleiben regelmäßige Veranstaltungen wie Gemeindenachmittage oder die Andachten im Schollener Seniorenwohnpark coronabedingt auf der Strecke. Wir hoffen auf eine Wiederbelebung, wenn die Ansteckungsgefahr gebannt ist.

Eigentlich hätte es jetzt in der Weihnachtszeit Chorkonzerte in den Kirchen gegeben...

Ja, die haben schon lange Tradition. In Schönhausen hätten der gemischte Chor, der Schulchor und der Posaunenchor auf die Weihnachtszeit eingestimmt. Das für den 20. Dezember in Schollene geplante Konzert mit den „Showlenern“ müssen wir voraussichtlich auch absagen.

Ein großes Problem stellt derzeit aber nicht nur der fehlende Pfarrer, sondern eben die bestehenden Kontaktbeschränkungen dar. Im ersten Lockdown im Frühjahr waren ja sogar Gottesdienste und Andachten verboten. Wir haben in dieser Zeit unsere Andachten als Audio-Dateien in die Chatgruppe gestellt. Das hat sehr gut funktioniert.

Was bleibt auf der Strecke?

Unsere Gemeindekirchenratssitzungen, die eigentlich in sechswöchigem Abstand ziemlich regelmäßig stattfinden, beispielsweise. Das liegt auch daran, dass es schlichtweg im Moment kaum etwas zu planen gibt. Eigentlich hatten wir in Schollene im Sommer die zweite Auflage unseres Gemeindefestes geplant und auch zum Weihnachtsmarkt wollten wir wieder mit Kaffee und Kuchen dabei sein. Ausfallen musste auch unsere Klausurtagung gemeinsam mit dem Schönhauser Gemeindekirchenrat. Wir wollten auf das vergangene Jahr schauen und vage Zukunftspläne schmieden. Generell ist das gesamte Gemeinde doch äußerst eingeschränkt, was sehr bedauerlich ist. Aber der Schutz der Gesundheit geht vor.

Wo fehlt der Pfarrer noch?

Recht kompliziert wird es, wenn Rechnungen beispielsweise für die Bauarbeiten am Schollener Pfarrhaus oder für die Wartung der Glocken angewiesen werden müssen, da dafür mehrere Unterschriften und ein Siegel aus dem Pfarramt notwendig sind. Aber das hat sich inzwischen recht gut eingespielt.

Gibt es Ideen zu Festgottesdiensten an Weihnachten?

Leider können unter den jetzigen Umständen keine Krippenspiele stattfinden. Aber dennoch gibt es Pläne. Für den Bereich Schönhausen wird konkret am kommenden Dienstag über die Regularien gesprochen. Fest steht aber schon, dass die Gottesdienste wie geplant und im Gemeindebrief „Senfkorn“ veröffentlicht stattfinden. Aber nicht in den Kirchen, sondern draußen vor den Gotteshäusern, wo entsprechend Abstand gewahrt werden kann. Etwas anders ist es in Schollene. Hier findet die Christvesper am Heiligen Abend ab 15 Uhr in der Kirche statt. Wir werden jede zweite Bankreihe im Kirchenschiff sperren und darauf achten, dass nur Personen aus einem Haushalt zusammen in der Reihe sitzen. Mundschutz und Desinfektion am Eingang sowie das Eintragen in Teilnehmerlisten sind inzwischen ja selbstverständlich geworden. Auch wenn es kein Krippenspiel im herkömmlichen Sinne gibt, bereitet der Singkreis – diesmal ohne Gesang – etwas vor. Über die Modalitäten der Christvesper in Ferchels sind wir noch im Gespräch.

 

Und zum Jahresabschluss?

Freuen dürfen wir uns auf die musikalisch umrahmte Lesung am 31. Dezember ab 22 Uhr in der Schollener Kirche. Dort wird es eine Fortsetzung der Geschichte um einen kleinen Weihnachtsengel mit Gudrun Willenbockel und Christoph Altnau geben. Bereits um 17.30 heißt Johannes Seidenberg zum Gottesdienst in Schönhausen willkommen. Ins neue Jahr starten wir dann am Sonntag, 3. Januar, mit Gottesdiensten in Lübars und Schönhausen mit Michaela Möbius. Und dann werden wir auch wissen, ob und wie es mit dem Vikar weitergeht und welche Corona-Lockerungen es hoffentlich bald gibt.