Havelberg l Immer mal wieder wundern sich Besucher des Havelberger Pferdemarktes, dass vorn auf dem Pferdehandelsplatz gar nicht mehr so viele Pferde an den Anbindestangen stehen wie früher. Viele Pferdehändler haben ihre Tiere mit an ihren Stellplätzen. Dort sind sie meist in sogenannten Paddocks eingekoppelt. Sie stehen somit nicht dicht aneinander und sind nicht kurz angebunden. Bei prallem Sonnenschein ist es dort auch besser möglich, für Schatten zu sorgen.

Das entspricht den Interessen von Tierschützern, die bereits im vorigen Jahr ein Gespräch mit Vertretern der Hansestadt, des Veterinäramtes des Landkreises Stendal, den Tierärzten auf dem Pferdemarkt und des Landwirtschaftsministeriums geführt hatten. Daraufhin wurden im Vorfeld des Pferdemarktes 2018 strengere Bestimmungen für den Tierauftrieb in der Marktordnung festgeschrieben. Bei einem Rundgang am Marktfreitag sahen sich alle Beteiligten vor Ort an, wie die Vorschriften umgesetzt werden.

Ein positives Beispiel der Tierpräsentation sahen die Teilnehmer gleich am Anfang. Mehrere Esel standen auf einem großzügig angelegten Platz eingezäunt. Davor noch ein Zaun, der ein zu dichtes Her- ankommen an die Tiere verhindert. Das ist vor allem auch deshalb gewünscht, damit die eingekoppelten Tiere nicht verschreckt werden, wenn zum Beispiel große Hunde vorbeigehen. Für Schatten sorgen dort die hohen Eichen. Große Bottiche boten ausreichend Wasser für die Tiere.

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Schon vieles verbessert

In der Nähe hatte ein Tierhändler seine Vögel und Kaninchen präsentiert. Auch für die Käfigpräsentation gibt es genaue Vorschriften. So müssen die Tiere ausreichend Platz haben und die Käfige sollen nicht auf dem Boden stehen. Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer machte dem Händler den Vorschlag, außerdem noch ein Absperrband ein Stück davor zu spannen, damit die Tiere, die nah am Boden standen, nicht durch Hunde belästigt werden können.

Kein Verständnis hatten die Tierschützer für einen anderen Händler, der neben Hundewelpen auch eine Katze in einem Käfig präsentierte, die ihre Jungen noch säugte.

„Ich habe mir den Markt vor zwei Jahren angeguckt und einige Dinge gesehen, die tierschutzrelevant sind. Zu kurz angebundene Pferde und kleine Tiere in zu kleinen Behältnissen sind nur zwei Beispiele“, berichtet Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverbandes Tierschutz, und ergänzt: „Viele Mängel sind inzwischen abgestellt worden. Die Sinnhaftigkeit eines solchen Marktes leuchtet uns allerdings nicht ein, wir fragen uns, ob das alles noch zeitgemäß ist. Insbesondere bei Kleintieren verleitet solch ein Markt zu Spontankäufen, weil Kinder gern ein Tier haben möchten. Oft wird das Tier dann aber schnell uninteressant“, gibt er zu bedenken, als es an einem Stand mit Hundewelpen vorbeigeht. Bezogen auf die großen Tiere wie Pferde, Lamas und Esel würde er sich die Paddock-Haltung für alle Tiere wünschen.

„In den vergangenen Jahren ist hier viel passiert, was dem Tierwohl dient. Den Rahmen, den uns das Tierschutzgesetz vorgibt, erfüllen wir. Die Qualität der Pferde hat sich deutlich verbessert und das Bewusstsein der Händler für die Tiere und die Tiergesundheit ist deutlich größer. Da ist viel passiert im positiven Sinne“, schätzt der Amtstierarzt ein. Die Verfügung des Landkreises zum Tierschutz ist die Grundlage für die Marktordnung der Hansestadt Havelberg. Diese wurde in den vergangenen Jahren stets überarbeitet und wird auch dieses Mal wieder aktualisiert“, so Thoralf Schaffer.

90 Prozent der Händler sind kooperativ, was die Umsetzung der Vorgaben anbetrifft. Spricht er jemanden auf einen Missstand an, reagieren die meisten Händler und ändern das sofort, hat er festgestellt.

Hinweise vor Ort geben

Von Seiten des Landwirtschaftsministeriums war Dr. Marco König vertreten. „Ich stelle mit Wohlwollen fest, dass sich einiges zum Positiven verändert hat, aber uns allen ist klar, dass dies hier ein laufender Prozess ist“, sagte der Tierschutzberauftragte des Landes, der in Kontakt mit Tierschutzverbänden steht.

Als Vertreter des Tierschutzvereins Nördliches Sachsen-Anhalt nahm unter anderem der Havelberger Holger Schulz an dem Rundgang teil. Er kennt den Markt seit Jahrzehnten. „Es hat sich schon einiges gebessert, aber ohne Kontrollen geht es nicht. Es zeigt sich aber, dass man nicht mit dem Gesetzblatt wedeln, sondern mit den Leuten ordentlich reden muss und sie mit guten Argumenten überzeugen kann“, so seine Feststellung.

Miteinander reden und sich an die richtige Stelle zu wenden, empfiehlt auch Marktmeister Dieter Härtwig all jenen, die Kritisches auf dem Pferdehandelsplatz feststellen. Die Platzleitung ist stets besetzt und rund um die Uhr ist von Montag bis Sonntag ein diensthabender Tierarzt vor Ort. „Es hilft nicht, Missstände bei Facebook zu posten, sondern es ist besser, die Hinweise gleich zu geben. Dafür ist der Tierarzt da.“