Havelberg l Fast das ganze Jahr über ziehen Sperlichs im Osten Deutschlands Woche für Woche von Markt zu Markt. Marcel Sperlich ist Schausteller in dritter Generation. Sein Opa kam ursprünglich vom Zirkus. Seine Eltern hatten früher einen Schießwagen. Sein Bruder ist mit einem Autoscooter unterwegs. Vater macht heute Fisch. „Wir haben uns für die Gastronomiebranche entschieden, das hat sich so ergeben, früher hatten wir auch Karussells. Ob das so bleibt, wird sich zeigen“, erzählt er. Gerade waren Sperlichs sieben Tage auf dem Forstfest in Kamenz. Nach dem Pferdemarkt geht‘s zum Burgfest nach Tangermünde und dann nach Lübben in den Spreewald.

Mit seiner Frau Bianca und den beiden Kindern (11 und 14 Jahre alt) ist er stets von März bis Anfang November auf Märkten unterwegs. Dann gibt es zwei Wochen Pause und es geht für sechs Wochen zum Weihnachtsmarkt nach Potsdam. Der Jahresbeginn wird zu Hause in Jessen genutzt, um die nächste Saison vorzubereiten, Dinge instandzusetzen und „nebenbei auch mal zwei Wochen Urlaub zu machen, die müssen drin sein“.

Schulbus auf dem Markt

Das Umherziehen von Markt zu Markt macht ihnen Spaß. „Wir sind da reingeboren, für uns ist das völlig normal“, sagt Marcel Sperlich. „Man lernt immer neue Leute kennen und trifft alte Bekannte wieder. Wir würden nicht tauschen wollen. Und auch unsere Kinder werden das wohl machen. Das reisende Volk hat eine lange Tradition.“ Die Jungs waren in dieser Woche in der Havelberger Schule. Das sind sie gewöhnt. Am Nachmittag steht ihnen und den anderen Schaustellerkindern der Schulbus auf dem Marktgelände zur Verfügung, wo sie von Lehrer Bernd Otto bei den Hausaufgaben und beim Lernen unterstützt werden.

Vor 16 Jahren haben sich Sperlichs mit ihrer Pizza-Bäckerei selbständig gemacht. Vor zehn Jahren kam ein Langos-Stand hinzu. „Wir hatten damals danach geschaut, was noch nicht so oft vertreten ist. Italiener in unserer Verwandtschaft lösten ihren Pizzaladen auf und da haben wir die Maschinen und Geräte übernommen und uns im Pizzabacken schulen lassen.“ Mit dem Langos war es ähnlich. Fürs Weihnachtsgeschäft wurde was Neues gesucht. Von Ungarn bekamen Sperlichs das Rezept, wie das leckere Backwerk frisch zubereitet wird. Dass sie das Handwerk beherrschen, zeigt wohl auch, dass sie auf dem Klötzer Martini-Markt 2016 von den Volksstimme-Lesern zum beliebtesten Imbiss gewählt wurden.

In Havelberg sind sie seit 14 Jahren. „Wir kennen den Pferdemarkt schon länger, nur nicht als Beschicker“, sagt Marcel Sperlich. Eine Garantie für einen Standplatz gibt es nicht. „Aber wenn man sich vernünftig verhält, klappt das. Wir freuen uns, wenn wir jedes Jahr wiederkommen dürfen.“ Ihren Standplatz haben sie direkt am Übergang zum Handelsplatz. Da freuen sie sich auch über Stammkundschaft. Während Marcel Sperlich selbst nicht der große Pizza-Fan ist, liebt seine Frau „Salami klassisch“. „Die esse ich immer noch gern“, sagt sie. In diesem heißen Sommer war das Pizzabacken oft eine Herausforderung, denn der Pizza-Ofen hat 400 Grad.

Der Pferdemarkt ist für sie ein guter Markt. „Wir sind immer zufrieden. Das Wetter spielt hier nicht wirklich eine Rolle. Die Leute können auch mit Regen umgehen. Der Pferdemarkt hat aber auch einen anderen Wert. Hier kommen wirklich viele Kollegen her und man trifft Freunde wieder. Das finden auch unsere Kinder gut“, berichtet Marcel Sperlich. Sie fiebern dem Markt jedes Jahr entgegen. Der Jüngste mag vor allem die Tiere auf dem Pferdehandelsplatz gern. Und der Papa ist gern als Schnäppchenjäger auf dem Trödelmarkt unterwegs. „Pferdemarkt muss sein, darauf freuen wir uns das ganze Jahr. Die Mischung aus Pferdehandel, Schausteller, Handel und Trödel macht das Flair aus.“