Gemeinde könnte finanziell profitieren

Photovoltaik: Millionenversprechen für Solarpark bei Schollene

Gegenwind bläst den Landbesitzern des geplanten Solarparks Mahlitz ins Gesicht. Das bekamen Christian Knees und Aselmeyers bei einem Info-Treffen zu spüren.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt
Solaranlagen sollen auf Wunsch eines Potsdamer Unternehmens auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche bei Mahlitz aufgestellt werden.
Solaranlagen sollen auf Wunsch eines Potsdamer Unternehmens auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche bei Mahlitz aufgestellt werden. Foto: picture alliance/dpa

Schollene - Trotz Ablehnung und Skepsis – die beiden Landwirte als Eigentümer der Flächen möchten das Vorhaben des Potsdamer Unternehmens „Notus Energie“ im Einklang mit der Gemeinde und die Bevölkerung umsetzen. Aber das Projekt Solarpark Mahlitz ist umstritten. Deshalb stehen die Landbesitzer frühzeitig den Dorfbewohnern Rede und Antwort, obwohl das Vorhaben längst nicht in Sack und Tüten ist.

Denn erst am Abend des 29. Juli stellt der Gemeinderat mit einer Abstimmung zu einem Aufstellungsbeschluss die Weichen, ob das Genehmigungsverfahren überhaupt ins Rollen gebracht wird. Und selbst mit Zustimmung sind im Laufe des umfangreichen Genehmigungsverfahrens viele Hürden zu nehmen, bis es seitens der Behörden Zustimmung gibt. Im Rahmen des Verfahrens werden dann die Anlieger nochmals gefragt – dann sind auch schriftliche Einwände möglich.

Zwei weitere Flächen wären möglich gewesen

Eine der brennendsten Fragen, denen sich Christian Knees sowie Hubert und sein Sohn Tom Aselmeyer stellten: „Warum wird mit der 93 Hektar großen Fläche zwischen Mahlitz und Nierow ausgerechnet im Landschaftsschutzgebiet geplant? Gibt es keine anderen Flächen?“ Doch! Aber von denen haben die beiden Landbesitzer Abstand genommen. Die Potsdamer Firma, die die Solaranlagen aufstellen möchte, hatte auch noch Flächen zwischen Schollene rechts Richtung Molkenberg sowie rechts Richtung Nierow vorgeschlagen. „Aber das wollten wir nicht, die Flächen bei Mahlitz mit sehr leichtem Boden, der kaum Erträge bringt, erscheint uns passender, weil die Erträge hier äußerst gering sind.“ Um künftig unabhängiger vom Wetter zu sein und von diesen Flächen sichere Einnahmen zu erzielen, möchten beide Betriebe einen Teil ihrer Flächen für die Gewinnung von Solarenergie bereitstellen. „Wir müssen an die Zukunft denken und Arbeitsplätze sichern.“ Christian Knees trägt Verantwortung für 20 Mitarbeiter, die rund 1000 Hektar Land bewirtschaften und sich um die Fleischrindherde kümmern. Der Betrieb ist genauso wie der von Aselmeyers biologisch zertifiziert. In Rehberg sind es ebenfalls rund 1000 Hektar Wirtschaftsfläche und zehn Beschäftigte, die davon leben. Etliche ihrer Flächen liegen an der Havel und können entsprechend der Forderungen des Umweltschutzes nur eingeschränkt genutzt werden.

Größe hängt von der Genehmigung ab

Eine Sorge der Schollener, dass nach Mahlitz weitere Flächen folgen könnten, nahmen Christian Knees und Aselmeyers: Sie versicherten, keine weiteren Flächen dafür zur Verfügung zu stellen. Und sie stellten klar, dass noch gar nicht entschieden ist, wie viel Fläche auf den 93 Hektar tatsächlich mit Solarmodulen bestückt werden. „Das ergibt sich erst im Laufe des Genehmigungsverfahrens. Eingerechnet werden muss zudem die breite Hecke, die als Sichtschutz angelegt wird.“

Schmackhaft gemacht werden der Gemeinde als Entschädigung für die große Spiegelfläche umfangreiche finanzielle Einnahmen: rund 50 000 Euro jährlich plus 90 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen sichert die Potsdamer Firma laut Info der Landbesitzer zu – macht zusammengerechnet über 30 Jahre Vertragszeit einen Betrag in Millionenhöhe, der der Kasse einer der ärmsten Gemeinden Sachsen-Anhalts gut tun dürfte.

Preisnachlass für Schollener beim Strom

Und auch die Bewohner der Gemeinde sollen profitieren: 20 Prozent Nachlass auf den aktuellen Strompreis ebenfalls 30 Jahre lang, gab Christian Knees die Information der Investoren wieder.

Ob denn Schollene mit so einer großen Solarfläche, an der Rad- und Wanderwege entlang führen, überhaupt den Status „Erholungsort“ behalten wird, fragte eine Teilnehmerin. Dass das Projekt darauf keinen Einfluss habe, versicherte Bürgermeister Jörg Wartke. Eine andere Anwohnerin wollte wissen, ob denn nach Alternativen gesucht wurde, von diesen Flächen mehr Erträge zu erzielen. Sie nannte als Beispiele das Anlegen einer Streuobstwiese oder den Anbau von Weihnachtsbäumen.

Julia Bengsch, auch Ratsmitglied, sind die Entschädigungen für die direkten Anlieger zu gering, „ihre Grundstücke werden enorm an Wert verlieren“. Mit ihnen könne man, wenn das Genehmigungsverfahren läuft, separat sprechen und Kompromisse finden.

Die Skepsis bleibt bei den Anliegern – einer kommentierte: „Eine riesengroße Fläche mit Solaranlagen zugepflastert – das können wir unseren Kindern so nicht hinterlassen!“