Kamern l Stationen in Havelberg und Kamern besuchte Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking auf ihrer Sommertour. In Kamern besuchte sie die geplante freie Schule. Schwerpunkte ihrer Rundreise bilden Umwelt- und Artenschutz sowie das Klima, weshalb natürlich das „Haus der Flüsse“ in Havelberg im Programm der Abgeordneten von Bündnis 90 /Die Grünen nicht fehlen durfte. Ebenso eine Überfahrt mit der umweltfreundlich betriebenen Gierseilfähre in Sandau.

Erste Station in Kamern war der im Zuge der Flutschadensbeseitigung neu errichtete Jugendklub am See. Die Gemeinde Kamern biete sowohl hier als auch in Wulkau betreute professionelle Jugendarbeit an, informierte Bürgermeister Arno Brandt dazu. Ihn ärgert, dass bei der Haushaltsplanung die Jugendarbeit vom Kreis als freiwillige Ausgabe angesehen wird, obwohl sie doch in einer solch strukturschwachen Region eine Pflichtaufgabe sein müsste.

Überhaupt wünsche er sich von der Landespolitik eine bessere finanzielle Ausstattung der Kommunen, gab er der Landtagsabgeordneten mit auf den Weg.

"Kein besonderes pädagogisches Interesse"

Stefanie Wischer vom Schulgründungsverein „neugierig“ saß einige Jahre für die Grünen im Kamernschen Gemeinderat. Jetzt stellte sie Dorothea Frederking die geplante freie Schule vor, welche wie schon im Vorjahr erneut einen abschlägigen Bescheid vom Magdeburger Bildungsministerium erhalten hatte. Erneut konnte man in der Landeshauptstadt „kein besonderes pädagogisches Interesse“ an einer Schulgründung in Kamern erkennen (wir berichteten).

Noch vor einem Jahr zeigte sich Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hingegen begeistert von den Angeboten der geplanten Schule. Jetzt jedoch versagte sein Ministerium weiterhin die Zustimmung – obwohl alle Auflagen erfüllt worden sind.

Dass Schule sich ändern muss, ist auch die Meinung von Rainer Trunk aus Werben, der im Kamern künftig das Fach Kunst unterrichten soll. Er ist seit 18 Jahren als Lehrer tätig und meint, dass Schüler keine Angst vor der Schule haben dürfen. Den althergebrachten Frontalunterricht verglich er mit dem preußischen Militär – an der Schule in Kamern sei das Gegenteil dessen geplant. Wie es gehen kann, zeigt das Schulsystem in Finnland. – Das war beim anschließenden Film „Tomorrow“ zu erfahren, den sich knapp 50 Gäste anschauten.

Ein Kind brauche einen guten Draht zu seinem Lehrer, dann lerne es auch gut, meinte Stefanie Wischer. In Kamern soll es ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe geben. Man wolle lieber weniger Themen anbieten, diese aber intensiv behandeln. Auswendig Gelerntes sei alsbald wieder vergessen, hatte sie vom Unterricht in staatlichen Schulen erfahren müssen. In freien Schulen kann man hingegen Inhalte selbst gestalten – allerdings müsse man sich auch hier an den vorgegebenen Lehrplanrahmen halten.

Regionale Kreisläufe sind Dorothea Frederking wichtig. Das soll auch in der künftigen Schule erfolgen, erfuhr sie. So sollen Einheimische die Arbeitsgemeinschaften anleiten, Landwirte aus der Region werden beim Lehrbauernhof eingebunden und auch die Zutaten für die Schulspeisung sollen aus der Umgebung kommen. Gesunde Ernährung wird an der Schule ein Dauerthema.

Einschulungsfeier ist für den 12. August gepl

Mit der Ablehung, da waren sich Stefanie Wischer und Dorothea Frederking einig, werde die Entwicklung des ländlichen Raumes behindert. Man habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, auf die Argumente der Schulgründer einzugehen, ärgerte sich Stefanie Wischer über die in ihren Augen rein politisch motivierte Entscheidung.

Der neugierig-Verein hofft nun auf einen gerichtlichen Entscheid zur Schulöffnung, welcher aber frühestens Ende Juli eingehen könnte. Auf jeden Fall ist schon mal die Einschulungsfeier für den 12. August geplant.