Havelberg l Der Verein „Kunst im Rathaus“ Havelberg hatte es geschafft, einen Künstler, der schon so ziemlich die ganze Welt gesehen hat, in die Domstadt zu holen: Squeezebox Teddy aus Dessau-Roßlau. Detlev Freier, so der bürgerliche Name von Squeezebox Teddy, begann sein Programm mit einer verblüffenden Ansage an sein Publikum: „Das Mikrofon brauche ich, damit ich leiser singen kann. Ich benötige es nicht, wenn ich laut singe“, erklärte der Musiker in seiner Vorstellung.

Da er mittlerweile bereits auf mehr als 4000 Auftritte in 27 Jahren verweisen könne, gehöre er nun auch schon „zu den paar Älteren hier im Saal. Denn mittlerweile bin ich über 30 – und das gleich zweimal“, meinte er mit einem Grinsen im Gesicht. Er ist 1957 geboren, also jetzt exakt 60 Jahre „jung“. Mit seinem äußeren Erscheinungsbild würde er in dieser Jahreszeit auch einen perfekten Weihnachtsmann hergeben – ganz ohne künstlichen Rauschebart. „Aber diese Rolle habe ich noch niemals gespielt“, antwortete er auf eine entsprechende Frage, „obwohl ich schon oft da­rauf angesprochen worden bin.“ Was er allerdings macht: Er singt auch Weihnachtslieder. In Havelberg standen solche allerdings noch nicht auf dem Programm. Bis zur Adventszeit ist es schließlich noch ein bisschen hin.

Mit Straßenmusik angefangen

Eigentlich wollte er nie Musiker werden, erzählte er, der Vater hätte ihn gerne als Büro- oder Bankkaufmann gesehen. Aber auch das wollte Detlev Freier nicht. Auch an den Beruf des Werkzeugmachers hatte er niemals gedacht, doch er lernte ihn einfach mal, um sich nach der Lehre dann gleich wieder davon zu verabschieden.

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Das, was er heute ist, hat es sich von der Straßenmusik an aufgebaut, bei der er unter anderem die Kelly Family kennenlernte und mit der er dann im Jahr 1991 eine Zeitlang aufgetreten ist. Der Zusammenarbeit mit diesen Künstlern widmete er am Sonntagabend zwei zu Herzen gehende Lieder.

Ohrwürmer interpretiert

Squeezebox Teddy erinnerte mit seiner Stimme auch an den griechischen Hitparadenstürmer der 70er Jahre, Demis Roussos. Im Rathauskonzert interpretierte er dessen Hit „Goodbye my love goodbye“, den er vor einigen Jahren für einen Werbetrailer für VW neu bearbeitet hatte. Aber auch einige andere „Ohrwürmer“ gab er zum Besten. „Lamontanara“ aus Italien zum Beispiel oder „Freude schöner Götterfunken“. Irische, schottische, russische, italienische und deutsche Folk-Songs, darunter auch zwei, drei „böse Piratenlieder“, wie er diese selbst bezeichnete, wechselten sich im Programm ab. „Meine Liedtexte, das sind alles Geschichten, die das Leben schreibt“, machte der Künstler deutlich. „Bevor ich ein Lied interpretiere, schaue ich mir immer erst ganz genau den Text an. Denn die Harmonie zwischen Text und Musik ist mir sehr wichtig.“

Faszinierende Stimme

Seine ausdrucksstarke, faszinierende Stimme klang mal weich und sanft, mal energiegeladen, seine Lieder gingen einfach unter die Haut. Er überraschte die Konzertbesucher im Rathaussaal mit seiner ganz besonderen Vielfältigkeit. Wenn er mit der Musik zum Beispiel einmal eine kurze Pause einlegte, dann unterhielt er seine Zuhörer mit humorvollen Episoden aus seinem Musikerleben. Oder er schwor das Publikum darauf ein, bei seinem nächsten Stück aktiv mitzumachen: mit rhythmischem Klatschen, Schnipsen, Schlachtrufen, Armbewegungen – nach vorne, nach oben, zur Seite – und anderem mehr. Eine solche „Bewegungstherapie“ verordnete er den Konzertbesuchern unter anderem zu seinem letzten Titel im ersten Teil, damit sie sich schon mal gut auf das Erheben von ihren Plätzen zur Pause vorbereiten konnten.

Drei Stunden vergehen schnell

Als sich Squeezebox Teddy am Ende dann nach zwei Zugaben verabschiedete, staunte ein Großteil des Publikums nicht schlecht darüber, dass die Uhr schon kurz nach 22 Uhr anzeigte. Drei Konzertstunden waren wie in Fluge vergangen. Womit der Verein „Kunst im Rathaus“ mit seiner Wahl für diesen Künstler mal wieder ein goldenes Händchen bewiesen hatte.

Am 10. Dezember nächstes Konzert

Lars Kripke, der Vorsitzende des Vereins, bedankte sich unter großem Beifall mit einem Präsent bei dem Künstler und kündigte schon mal das nächste und letzte Rathauskonzert für 2017 an. Es ist das traditionelle Weihnachtskonzert, und zwar am Sonntag, 10. Dezember, um 16 Uhr, wieder im Rathausfestsaal.