Jederitz l Bis zu den Kommunalwahlen 2019 wollte er durchhalten und aufrecht sein Ehrenamt als Ortsbürgermeister bis zum Ende der Wahlperiode zum Abschluss bringen. Doch hat er sich anders entschieden. Lothar Pietzsch­mann hat seinen Rücktritt mit Wirkung vom 17. September erklärt und ist auch aus dem Ortschaftsrat ausgeschieden. Dem Ortschaftsrat und dem Havelberger Bürgermeister Bernd Poloski hat er seine Entscheidung mitgeteilt. Auf der Stadtratssitzung am Donnerstagabend in der Hansestadt verkündete Bernd Poloski die Nachricht.

Zunächst führt Angelika Klahr als stellvertretende Ortsbürgermeisterin die Geschäfte des kleinen Haveldorfes mit seinen 133 Einwohnern weiter. Der Ortschaftsrat muss aus seiner Mitte einen neuen Ortsbürgermeister wählen. Dazu wären fünf Mitglieder erforderlich. In Jederitz gibt es mit Angelika Klahr, Beate Streuer und Fred Severin jedoch nur noch drei. Nachrücker gibt es nicht mehr. Laut Kommunalverfassung kann der Ortschaftsrat mit drei Mitgliedern bestehen bleiben, wenn die nächste Kommunalwahl nicht weiter als neun Monate entfernt ist. Das ist der Fall. Termin für die Kommunal- und Europawahl ist der 26. Mai 2019. „Die Kommunalaufsicht muss dem noch zustimmen“, sagte der Bürgermeister.

Schon eher Querelen

Im Gespräch mit der Volksstimme erklärte Lothar Pietzsch­mann, weshalb er von seinem Ehrenamt zurückgetreten ist. „Der Hauptgrund ist, dass durch einige Personen in Jederitz Anfeindungen gegen meine Person vorgenommen wurden und Stimmung gegen mich gemacht wurde. Ich war zuletzt einfach nicht mehr stark genug, das wegzustecken. Dabei wollte ich mit erhobenen Kopf bis Mai durchstehen und mich dann nicht wieder aufstellen lassen“, berichtet er. Nicht nur gegen ihn und sein Amt hätten sich die Anfeindungen gerichtet, sondern auch gegen seine Familie. „Das geht auf die Gesundheit, ist psychisch nicht durchzustehen. Ich bin aber nicht aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten“, unterstreicht der 59-Jährige. „Es tut mir leid, aber einige wollten nicht, dass ich Ortsbürgermeister bin.“

Das haben sie ihn spüren lassen, wie er berichtet. „Vorn haben sie mich umarmt, von hinten das Messer gezückt“, umschreibt er die Geschehnisse. Jemand habe ihm sogar offen den Krieg erklärt. Öfter wurden Drähte seiner Pferdekoppel durchgeschnitten und die Drähte ausgehängt.

„Ich habe schon verschiedene Ehrenämter gehabt, aber so etwas wie hier habe ich noch nicht erlebt.“ Dass er sich öfter anhören musste, „nicht von hier zu sein“, ist noch das geringste. „Ich komme aus der Region, mein Bruder wohnt hier. Seit 16 Jahren bin ich in Jederitz, erst im Wochenendhäuschen, dann als fester Wohnsitz.“

Lothar Pietzschmann, der zuletzt in Berlin gewohnt hatte, hatte nach der Kommunalwahl 2014 das Amt des Ortsbürgermeisters angetreten. Dass es kein leichtes würde, dürfte ihm damals schon bewusst gewesen sein. Denn schon in dieser Zeit gab es Querelen im Dorf. Zunächst fand sich niemand, der sich überhaupt in den Ortschaftrat wählen lassen wollte. Die Alternative wäre der Einsatz eines Ortsvorstehers durch den Havelberger Bürgermeister gewesen.

Die damalige Ortsbürgermeisterin Beatrix Groos hatte beim Neujahrsempfang an die Einwohner appelliert, sich für ihr Dorf zu engagieren und besser an einem Strang zu ziehen, auch wenn es mal Probleme gibt. Letztendlich fanden sich neun Bewerber für die fünf Sitze im Ortschaftsrat. Lothar Pietzschmann erhielt mit 104 die mit Abstand meisten Stimmen und wurde später vom Ortschaftsrat zum Ortsbürgermeister gewählt.

Fürs Dorf engagieren

„Ich habe dieses Amt gern und mit Liebe ausgeübt. Ich hatte die Zeit und konnte mich für die Belange des Dorfes einsetzen, doch habe ich die Beliebtheit nicht mehr gespürt“, berichtet er am Freitag im Gespräch mit der Volksstimme. Und auch, dass er, noch einmal ins Wanken geriet, als ihm etliche Einwohner des Dorfes ihr Bedauern über seinen Rücktritt kund taten. Mit einer Einwohnerversammlung in diesem Jahr hatte er versucht, Lösungen zu finden, wie es in Jederitz weitergehen soll. Der Kultur- und Ortsverein hatte sich aufgelöst, bei der Volkssolidarität gab es Probleme.

Die Versammlung war gut besucht. Bei einem Rundgang im September wurden Dinge angesprochen, die in Angriff genommen werden sollten.

Wie die Entwicklung in Jederitz weitergeht, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden müssen. Aus Sicht von Lothar Pietzschmann ist das möglich, wenn sich die Einwohner gemeinsam für ihren Ort einbringen und private Dinge außen vor lassen.