Kamern l Das etwa 150 Kilogramm schwere Teil musste die schmale Treppe zur Empore hochgewuchtet werden. „Wir haben schon die gesamten Tasten abgebaut, sonst wäre der Spieltisch noch schwerer gewesen“, informierte Orgelbauer Matthias Beckmann, der im brandenburgischen Friesack zu Hause ist. Denn jede der Tasten ist unten mit einem Bleistück als Gegengewicht ausgestattet.

Andreas Gierke fällt sofort auf, dass die Jalousie wieder funktioniert. Deren Riemen waren gerissen, erfuhr er. Doch war dies eine der leichteren Aufgaben der Restaurierer. Denn auch alle etwa 750 Orgelpfeifen hatten sie ausgebaut und gereinigt – diese sind jetzt auf der gesamten Empore in Regalen verteilt. An den Tasten wurden die Polster erneuert, so dass sie jetzt beim Spielen nicht mehr schlackern.

Schwerpunkt war der Spieltisch

Der Spieltisch bildete den Schwerpunkt der Restaurierung. Alle Verschleißteile wurden gewechselt, manche waren noch original – also 100 Jahre alt. Neu sind nun die komplette Bedrahtung sowie die 60 Membranen. Auch die Froschmaulbälgchen sind jetzt neu: Die winzigen Teile bestehen aus Darmleder, heben sich maximal zwei Millimeter und schließen auch rasch wieder – so werden die Töne umgehend erzeugt.

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„Diese Bälgchen waren alles noch Originalteile, es sind alles Einzelanfertigungen“, berichtet der Orgelbauer. Deren Sanierung war schon eine Herausforderung, fast sei er daran verzweifelt. Überhaupt ist Präzision hier oberstes Gebot, denn sonst kann man nach dem Zusammenbau alles wieder auseinandernehmen. So kann in der Werkstatt die Dichtheit der Luftleitungen nicht geprüft werden – erst beim Bespielen merkt man dies. Beim Anbau des Spieltisches müssen dutzende Luftleitungen miteinander verbunden werden.

Das Kamernsche Instrument ist eine seltene pneumatische Orgel. Das hat den Vorteil, dass der Organist mittels nur eines Tastendrucks gleich mehrere Register miteinander kombinieren kann. Weil aber in dem Instrument diverse kleine Blasebälge verbaut sind, ist die Pflege und Wartung einer pneumatischen Orgel allerdings sehr zeitaufwändig – und somit recht teuer.

Fast 40000 Euro Gesamtkosten

Die Orgel war schon so marode, dass etliche Register keine Töne mehr hervorbrachten Knapp 40 000 Euro wurden insgesamt benötigt, berichtet Organist Dirk Schröder, fast 10 000 Euro waren davon Eigenmittel, welche über Spenden – unter anderem beim den Orgelsommern – zusammenkamen. Einen Teil steuerte der Orgelfonds der Kirche bei, knapp 30 000 Euro flossen über Fördermittel aus dem europäischen Leader-Programm.

Die Auftraggeber von der Kirchgemeinde hoffen, dass die Sanierung bis Juni abgeschlossen werden kann. Denn am 9. Juni – am Pfingstsonntag – soll mit der Einweihung auch der 101. Orgelgeburtstag gefeiert werden. Dazu wird an etlichen Programmpunkten gefeilt.

Der hölzerne Prospekt der Orgel weist sogar noch ein Einschussloch auf – sicher von den Kämpfen zu Kriegsende im Frühjahr 1945. Auch zwei Pfeifen wurden von der Kugel beschädigt.