Havelberg l Die Seejungfrau benötigt Wasser. Wohl deshalb hat es am Sonnabendnachmittag ausgerechnet in dem Moment geregnet, als das hölzerne Relief eingeweiht wurde. Der langjährige Vorsitzende des Heimatvereins Havelberg, Herbert Stertz, hatte 2003 seinen Wunsch geäußert, die dem Zaren zugeschriebene Seejungfrau wieder an ihren Platz in der Havelstraße 44 anzubringen. 13 Jahre später war es nun soweit. Das 300-jährige Jubiläum des Zarenbesuches nahm der Heimatverein zum Anlass, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Frank Ermer begrüßte neben Bürgermeister Bernd Poloski einige Mitglieder des Vereins sowie weitere Zuschauer und dankte Steffen Menze, der das neue Flachbildrelief geschnitzt hat. Der Schollener, der bereits den Zarenaktionstag im August mitgestaltet hatte, hat nach der Fotografie im Prignitz-Museum die neue Seejungfrau aus Holz angefertigt. Der Havelberger Sven Hetke übernahm den technischen Teil der Anbringung und sorgte dafür, dass das Relief per Spezialkleber an den Giebel angebracht werden konnte. Unterstützung kam außerdem von der Havelberger Feuerwehr. Wehrleiter Ulrich Ziegler sowie Sven Schumacher, Kevin Deich und Lukas Graff waren bereits am Freitag am Werk. Mit der Drehleiter ging es in luftige Höhe, fünf Löcher mussten gebohrt werden. Am Sonnabend ging es mit der Drehleiter noch einmal nach oben, um die Seejungfrau zu enthüllen.

Die Legende besagt – so erfuhren es die Besucher am Abend auch beim szenischen Vortrag im Arthotel –, dass der russische Zar Peter I. auf seiner Rückreise von Holland die Schiffbauerei in Havelberg besuchte, um hier seine in Saardam erworbenen Kenntnisse zu üben. In einem Giebelstübchen des alten Schiffskruges gegenüber der einstigen Werft, der späteren Gastwirtschaft von Carl Wilhelm Backhaus, soll er das Bildwerk geschnitzt haben.

Bilder

Legende hin oder her: Havelberg ist um eine Attraktion reicher, mit der sich gut bei Touristen werben und die den Zarenbesuch 1716 noch bekannter werden lässt.