Klietz l Denn die Pflanzen verschlingen sich in den Motoren der Bundeswehrboote und behindern somit die Ausbildung der Soldaten. „Als Dauerlösung ist das Mähen offenbar nicht geeignet. Denn man sieht, wie schnell die Wasserpest nachwächst und für Probleme sorgt.“ Lutz Freytag, Bereichsleiter beim Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt in Klietz, dem der See gehört, ist zwar froh, dass derzeit wieder gemäht wird, „aber parallel suchen wir mit allen zuständigen Stellen nach einer nachhaltig wirksamen Lösung“.

Boote fahren sich fest

Das bestätigt auch die Bundeswehr, die den See als Ausbildungsgewässer für ihre Bootsfahrschule nutzt. Pressesprecher Hauptmann Patrick Becker sagt: „Die Schrauben der Schlauch- und vor allem der schweren M-Boote ziehen die bis an die Wasseroberfläche gewachsenen Pflanzen an und fahren sich fest. Die Boote müssen ständig stoppen und die Schraube wieder frei machen. Das ist in der Ausbildung der Soldaten sehr hinderlich.“ Jährlich finden in Klietz bei der „Gruppe Ausbildungsunterstützung Pioniere“, die direkt am See stationiert ist, durchschnittlich mehrfach im Jahr Führerscheinausbildungen für M-Boot-und für Schlauchbootfahrer statt. Außerdem kommen Pioniere auch aus Havelberg zum Üben und auch die Polizei nutzt hin und wieder die Möglichkeit. Am 2. September beginnt für mehrere Soldaten der dreiwöchige Lehrgang im M-Boot-Fahren.

Bis dahin ist die Fahrt wieder frei. Denn seit einigen Tagen ist eine Stendaler Firma dabei, die Wasserpest aus dem See zu holen. Zwei Wasserfahrzeuge – eins mäht auf dem Grund und das andere greift das nach oben treibende Kraut und bringt es an Land. Hier kommt es auf Halde und wird dann ordnungsgemäß entsorgt.

Bilder

Acht Hektar

Während vor zwei Jahren bei der ersten Aktion 15 Hektar gemäht worden sind, gab es dieses Mal die Genehmigung für nur acht Hektar. „Damit bekommen wir die Fahrrinne für die Boote erst einmal wieder frei“, sagt Patrick Becker. Aber im kommenden Jahr wächst die Wasserpest wieder nach. Deshalb wäre es auch am effektivsten, sogar zweimal pro Jahr zu mähen, mindestens aber einmal jährlich. „Immer wieder zu mähen, ist aber nicht Sinn und Zweck der Sache und kostet immer wieder Geld.“ Deshalb wird geprüft, ob eine Entschlammung Sinn hat. Das ist auch ein großer Wunsch von Joachim Steinborn, dem als Klietzer Naturschützer der See sehr am Herzen liegt. Gerade seit der Flut ist der Nährstoffeintrag hoch – beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen. Auch die unter strengem Schutz stehende Krebsschere gedeiht zur Freude der Naturschützer prächtig, ebenso die Seerose. All diese Pflanzen sterben aber im Herbst ab und bilden auf dem Grund eine immer höher werdende Schlammschicht.

Voruntersuchungen zur Entschlammung

Damit ein Entschlammen des Sees, der im FFH-Gebiet liegt und als geschützter „Lebensraum“ unter besonderem Schutz steht, überhaupt genehmigt wird, sind umfangreiche Untersuchungen nötig. „Diese sind jetzt erst einmal in Auftrag gegeben worden“, informiert Lutz Freytag. Dabei wird ermittelt, ob es überhaupt Sinn hat, den See zu entschlammen, welche Folgen das auf die vorhandene Pflanzen- und auch Tierwelt haben würde und was es kostet – ein wohl auch entscheidender Faktor, denn es wird eine große Summe Geld sein, die dafür benötigt wird. Es ist dann Sache der zuständigen Ministerien, ob sie der Entschlammung zustimmen oder nicht.

Ganz kurzfristig ist nicht mit Ergebnissen zu rechnen, „solange müssen wir uns mit dem Mähen begnügen“.

Wie gut das klappt, davon machten sich Bundeswehr und Bundesforst dieser Tage ein Bild. Meter um Meter arbeiten sich die beiden Wasserfahrzeuge voran. Am Einlauf des Sees hatten sie begonnen, inzwischen ist das Ende in Sicht.