Bundeswehr

Soldaten aus Havelberg folgen dem Marschbefehl ins Katastrophengebiet

120 Soldaten des Panzerpionierbataillons 803 Havelberg sind am Freitagmorgen zur Katastrophenhilfe in den von der Flut schwer getroffenen Landkreis Ahrweiler gestartet.

Von Andrea Schröder
Zugführer Paul Michen (rechts stehend) gibt den Marschbefehl an die 120 Soldaten aus, die sich am Freitag auf den Weg machen. Zehn sind bereits seit Mittwoch zur Vorerkundung im Flutgebiet.
Zugführer Paul Michen (rechts stehend) gibt den Marschbefehl an die 120 Soldaten aus, die sich am Freitag auf den Weg machen. Zehn sind bereits seit Mittwoch zur Vorerkundung im Flutgebiet. Foto: Andrea Schröder

Havelberg - Bevor pünktlich um 8 Uhr die erste Kolonne durch die Kasernentore rollt, gibt Zugführer Paul Michen am Freitag den Marschbefehl aus. 120 Soldaten sind startklar für die Hilfe im Katastrophengebiet. Die ersten zehn sind zur Vorerkundung des Einsatzgebietes bereits seit Mittwoch im Landkreis Ahrweiler, wo das Panzerpionierbataillon 803 Havelberg in den nächsten mindestens zwei Wochen bei der Beseitigung der schlimmsten Hochwasserschäden helfen wird.

„Wir sind da im Einsatz, wo Hilfe nötig ist“, sagt Kommandeur Oberstleutnant Ralph Peter. Er berichtet zum Beispiel vom Freiräumen von Straßen und Wegen und Bauen von Behelfsbrücken.

Entsprechend groß ist die Fahrzeugkolonne, die sich am Freitag auf den Weg macht. Baumaschinen wie Bagger, Kipper und Kran sind ebenso dabei wie Panzer. Insgesamt sind es um die 40 Fahrzeuge. Zwei Pionierpanzer Dachs werden am Abend als Schwerlasttransport auf die Reise ins Katastrophengebiet geschickt. Brückenlegepanzer werden von einer anderen Einheit, die dort bereits Hilfe geleistet hat, genutzt.

„Unsere Soldaten sind bestens ausgebildet und auch bei Katastropheneinsätzen erfahren“, macht der Kommandeur deutlich, dass die Frauen und Männer überall da professionell Hilfe leisten können, wo es baulich erforderlich ist. Das gilt sowohl für den zivilen als auch für den militärischen Bereich. Dass sie ihr Handwerk verstehen, hat zum Beispiel auch der Einsatz beim verheerenden Waldbrand vor zwei Jahren in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt. Aber auch in der Corona-Pandemie, wo seit über einem Jahr Soldaten aus Havelberg Amtshilfe leisten, unterstützen die Pioniere. Aktuell sind noch immer 70 Soldaten in Impfzentren und Gesundheitsämtern eingesetzt.

Professionelle Hilfe ist anerkannt

Angesichts der Medienberichte von Anfeindungen gegen Hilfskräfte in den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geht der Kommandeur davon aus, dass seine Soldaten auch damit umzugehen wüssten. Jedoch rechnet er nicht damit. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die professionelle Hilfe durch Bundeswehrkräfte in der Bevölkerung anerkannt ist.

Viele der Soldaten haben ihren Urlaub abgebrochen, um jetzt ins Einsatzgebiet zu fahren. Ein Soldat war zum Beispiel auf einem Campingplatz in Polen, als ihn am Montag der Einsatzbefehl erreichte, berichtet Oberstleutnant Ralf Peter. Am Mittwoch waren alle für die Katastrophenhilfe in die Elb-Havel-Kaserne zurückgekehrt. Die Vorbereitungen für den Abmarsch liefen auf Hochtouren.

Am Freitagmorgen kommen die Soldaten mit ihrem Marschgepäck in den Technikbereich. Die Fahrzeugkolonne steht startbereit. Ein letzter Blick, ob alles in Ordnung ist. Obergefreiter Janik Kissinger putzt noch mal die Scheiben eines Transportpanzer. Klare Sicht ist wichtig für die 550 Kilometer lange Fahrt.

Wie die genau erfolgt, gibt Zugführer Paul Michen vor der Abfahrt mit dem Marschbefehl an die Soldaten heraus. Während die Mannschaftswagen separat auf Tour gehen, fahren die Großfahrzeuge in zwei Kolonnen. Am Abend legen sie in der Kaserne in Siegburg einen Zwischenstopp ein. Am Sonnabend geht es dann zum Nürburgring. Von dort werden die Soldaten ab Sonntag in die jeweiligen Einsatzgebiete fahren.

Der Urlaub muss warten

Der Kommandeur berichtet von dem engen Gebiet zwischen Bad Neuenahr-Ahrweiler und Schuld, wo so viel zerstört ist und sehr genau geschaut werden muss, wie viele Einsatzfahrzeuge an einen Ort gelangen können.

Einer, der weiß, was ihn in Hochwassergebieten erwartet, ist Nico Handke. 2013 zur Flutkatastrophe an der Elbe ist er von Dresden bis nach Havelberg mit dem Panzerpionierbataillon im Einsatz gewesen. „Wir werden viel Leid sehen, viele Menschen haben alles verloren.“ Für ihn hat es kein Nein gegeben auf die Frage, ob er jetzt bei der Katastrophenhilfe dabei ist. „Auch nicht bei meiner Familie. Sie weiß, was die Hilfe bedeutet, war 2013 in Göttlin selbst betroffen. Sie steht hinter mir.“

„Wir sind hochmotiviert, den Menschen zu helfen“, sagt Chris Müller. „Wenn wir in so einer Situation wären, wären wir auch froh, Hilfe zu bekommen.“ Gerade hat er sieben Wochen Lehrgang hinter sich. Seine Familie hatte sich auf Urlaub mit dem Papa gefreut. „Wir haben darüber gesprochen. Sie verstehen das. Die Menschen im Flutgebiet haben kein Dach über dem Kopf, da muss der Urlaub warten.“ Das sieht auch Davin Moews so. „Wir kennen alle die Bilder aus den Medien. Wir freuen uns, dass wir helfen können.“

Der Kommandeur hat seine Frauen und Männer darauf eingestellt, dass der Einsatz auch über vier Wochen andauern kann. Sollten weitere Spezialisten erforderlich sein, könnten diese nachgeschickt werden. Der einwöchige Benefizlauf, der am 16. August starten sollte, ist ausgesetzt.

Die Fahrzeugkolonne setzt sich am Morgen in Bewegung. Über Klietz und Genthin geht es zur A2 und weiter zum ersten Etappenziel Siegburg.
Die Fahrzeugkolonne setzt sich am Morgen in Bewegung. Über Klietz und Genthin geht es zur A2 und weiter zum ersten Etappenziel Siegburg.
Foto: Andrea Schröder