Havelberg l Auch wenn die Musik nicht spielt – Spenden gibt es vom Panzerpionierbataillon 803 Havelberg auch in diesem Jahr für soziale Zwecke. Weil das traditionelle Adventskonzert mit dem Heeresmusikkorps Neubrandenburg coronabedingt nicht stattfinden kann, hatte Kommandeur Oberstleutnant Ralph Peter die Idee für einen Benefizlauf entwickelt. In der Zeit vom 24. bis 31. Oktober waren die Soldaten am Standort Havelberg aufgerufen, laufend viele Kilometer zu schaffen. Das Ziel war es, für jeden gelaufenen Kilometer einen Euro Spendengeld zu erhalten. Das wurde übertroffen. 4721,94 Kilometern stehen 8032,12 Euro gegenüber. Das heißt, jeder Kilometer ist rund 1,70 Euro wert.

„Ich war mir nicht sicher, ob der Spendenlauf tatsächlich so funktioniert. Beim Adventskonzert bekommen die Besucher für ihre Spenden Kunstgenuss geboten und haben Zeit für Gespräche. Um so mehr bin ich überrascht von dieser hohen Spendensumme“, sprach Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) am Dienstagabend zur Spendenübergabe im Rathaus von seinen anfänglichen Bedenken.

Stabszug gewinnt den internen Vergleich

„Über 8000 Euro sind eine beeindruckende Summe.“ Er dankte den Soldaten, die die vielen Kilometer gelaufen sind, und den Spendern, die die Aktion unterstützt haben. „Es ist ein schönes Zeichen, dass auch in dieser besonderen Vorweihnachtszeit an jene gedacht wird, die der Hilfe bedürfen.“

Der Kommandeur bedankte sich für die Unterstützung der Garnisonsstadt und sagte, dass er die Aktion auf einem guten Weg sah, als in der Stadtratssitzung Anfang Oktober, die in der Elb-Havel-Kaserne stattfand, die Ratsmitglieder spontan Geld auf den Tisch gelegt hatten. Als ambitionierter Läufer, der pro Jahr rund 2500 Kilometer schafft, ging er mit gutem Beispiel voran. Vorgenommen hatte er sich 100 Kilometer für die Benefizwoche. Am Ende waren es 174 Kilometer. „Ich bin aber außer Konkurrenz gelaufen“, macht er deutlich, dass in die Wertung andere Soldaten gekommen sind.

An der Spitze liegt Martin Granitzki aus dem Vorzimmer des Kommandeurs, dem nur einige Meter an 130 Kilometern fehlen. „Die hundert Kilometer, die der Kommandeur sich vorgenommen hatte, waren für mich Ansporn“, verrät er auf Volksstimme-Nachfrage. Für den Benefizlauf, der neben dem Spendenzweck das Ziel hatte, gemeinsam etwas für die körperliche Fitness zu unternehmen, lief er täglich zweimal – im Dienst und auch zu Hause. Vormittags zehn, zwölf oder mehr Kilometer. „Nachmittags dann im einstelligen Bereich.“

Beteiligt hat er sich an der Laufaktion des Stabszuges. Jeweils zwei Soldaten haben von Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr für je eine Stunde ihre Runden auf dem Sportplatz gedreht. Da kamen 1280 Kilometer zusammen, berichtet Stabszugführerin Thea Bach.

Jugendzentrum will Bubble Ball Arena kaufen

„Damit bin ich mehr als zufrieden, meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen.“ Auch sie hat Kilometer dazu beigetragen. Ebenso Katharina Struck, die normalerweise lieber Fahrrad fährt, für die Aktion aber die Laufschuhe geschnürt hat. Der Zug hat knapp den internen Bataillons-Vergleich gewonnen und sich an die Spitze gesetzt, lobte der Kommandeur.

Auch der Brigadegeneral der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ Neubrandenburg Andreas Durst würdigte die Aktion. „Eine großartige Initiative in einer Zeit, die vieles so schwierig macht.“ Er hob zugleich die gute Zusammenarbeit von Stadt und Bundeswehr hervor.

Die meisten Schweißperlen dürfte Projektoffizier Philipp Wenzel auf der Stirn gehabt haben, berichtete Ralph Peter. Viel Zeit zur Vorbereitung war ohnehin nicht und er hatte den Posten kurzfristig übernommen. Eine Herausforderung war zum Beispiel, ausreichend Bundeswehr-Laufshirts mit der Aufschrift „Sportkamerad/in“ zu erhalten. Mit Nachbestellung waren es 450, berichtete dieser.

Die Freude über die Finanzspritze in der Vorweihnachtszeit ist groß. Neben dem Bundeswehrsozialwerk und der Soldaten Veteranen Stiftung SVS erhielten aus Havelberg die Tafel und das Jugendzentrum jeweils 2008,03 Euro. „Wir wollen eine Bubble Ball Arena anschaffen, die zur körperlichen Fitness beiträgt“, kündigt Juze-Chef Thomas Will an. Bei der Tafel geht es um Zukäufe an Lebensmitteln, weil aus den Märkten nicht so viel kommt. „Auch wenn das nicht der Zweck der Tafeln ist, am vergangenen Sonnabend hatte ich nicht mal einen Kühlschrank voll. Das ist zu wenig für unsere 80 Kunden, die wöchentlich Lebensmittel abholen“, sagt Heidemarie Gentzsch.