Havelberg l Aus dem Jahr 1805 stammt das Spiegelteleskop, das in der stadtgeschichtlichen Ausstellung des Havelberger Prignitz-Museums zu sehen ist. Der Verein der „Freunde und Förderer des Prignitz-Museums“ Havelberg hat dieses Exponat für den diesjährigen Spendenaufruf zur Weihnachtszeit auserkoren, um es restaurieren lassen zu können.

Vorsitzender Harald Wildhagen schreibt dazu in der Grußkarte zu Weihnachten und zum Jahreswechsel: „Zur Beobachtung des Sterns von Bethlehem, wahrscheinlich eine Planetenkonjunktion zu Zeiten Christi Geburt, waren die morgenländischen Sterndeuter auf ihr bloßes Auge angewiesen. Linsenfernrohre und Spiegelteleskope zur Beobachtung des nächtlichen Sternenhimmels wurden erst im 17. Jahrhundert entwickelt. Isaac Newton, der englische Mathematiker, Physiker und Astronom, stellte 1671 erstmalig ein später nach ihm benanntes Spiegelteleskop der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vor. Das Newton-Teleskop, welches 1928 als Schenkung eines Havelberger Stadtschullehrers in den Bestand des Prignitz-Museums gelangte, wurde 1805 in Kassel gefertigt.“

Lehrer Karl Quandt war 1928 aus dem Schuldienst ausgeschieden. Er unterrichtete unter anderem an der Mädchenmittelschule Naturkunde, berichtet Museumsleiterin Antje Reichel. Vermutlich haben seine Schüler durch dieses Teleskop den nächtlichen Sternenhimmel beobachten dürfen. Durch die Kriegsgeschehnisse 1945 wurde das Spiegelteleskop in der Museumsausstellung sehr stark beschädigt und wenige Jahre später mit den spärlichen Mitteln der damaligen Zeit repariert. Nun bedarf es einer sachgemäßen Reinigung und Restaurierung durch einen Fachmann für historische optische Geräte.

Das Fernrohr hat mit seinem elf Zentimeter großen Hohlspiegel eine Brennweite von 151,7 Zentimeter. Es ermöglicht eine 60fache und 190fache Vergrößerung zur astronomischen und Erdbeobachtung. Das kleine seitliche Fernrohr ist zur vorherigen Objektsuche gedacht und bringt eine zehnfache Vergrößerung. Im Inneren des hölzernen Teleskops befinden sich zwei Spiegel. Das Licht wird von dem am unteren Ende des offenen Rohres liegenden Hohlspiegel zum Planspiegel reflektiert. Dieser leitet das Licht in das Beobachtungsokular, berichtet Antje Reichel.

Missale ist restauriert

Das Fernrohr ist anderthalb Meter lang, der Haltegalgen 143 Zentimeter hoch. Auf der Abdeckplatte befindet sich die Gravur „No 96 Christian Reißig in Cassel 1805“. Professor Cornelius August Heinrich Reißig lebte von 1781 bis 1860. In Inseraten nannte er sich oftmals „Hofmechanikus Christian Reißig“, wie sein Vater, der als Instrumentenmacher in Kassel wirkte und 1779 dort verstarb. Vermutlich führte er das väterliche Geschäft trotz seiner akademischen Laufbahn weiter. 1810 wurde er am kaiserlichen Hof in St. Petersburg zum Direktor der mechanischen Werkstätten berufen und war Professor der Astronomie.

Im vorigen Jahr hatte der Förderverein des Havelberger Museums um Spenden für das Missale gebeten, das der Havelberger Reformator Matthäus Ludecus im Jahre 1589 herausgegeben hatte. Das Messbuch konnte ebenso wie sechs weitere Exponate restauriert werden. Dazu gehören zwei Landkarten der Prignitz und eine Schulfibel, deren Einband beschädigt war.

 

Wer die Restaurierung des Teleskopes unterstützen möchte, kann seine Spende an die Freunde und Förderer des Prignitz-Museums überweisen: IBAN DE64 8105 0555 3080 0044 25, Verwendungszweck „Weihnachtsspende 2018“.