Mit Pfeifenpatenschaften die Orgel unterstützen

Wer die Restaurierung der Scholtze-Orgel unterstützen möchte, hat dazu mit der Patenschaft für eine Prospektpfeife die Möglichkeit.

Um die 160 Prospektpfeifen hat die Orgel. Zu Beginn 2018 war die 100. Pfeifenpatenschaft geschlossen worden.

Im Internet ist ersichtlich, für welche Prospektpfeife noch Paten gesucht werden. Ab 300 Euro sind sie noch zu vergeben.

Der Name des oder der Paten wird auf der Rückseite der jeweiligen Metallpfeife eingraviert und sollte noch in Hunderten von Jahren zu lesen sein. Zudem gibt es als urkundliches Zeugnis einen Patenbrief und es wird zum Ende der Restaurierung eine Patentafel in der Nähe der Orgel angebracht.

Mehr unter www.orgelverein-havelberg.de

Havelberg l Mit großer Vorfreude gehen die Mitglieder des Orgelrestaurierungsvereins in das neue Jahr. Denn dann kann dank vieler Spenden und Fördergelder mit den Arbeiten zur Restaurierung und Rekonstruktion der bald 265 Jahre alten Orgel in der Havelberger Stadtkirche begonnen werden. Wie berichtet, hatte es vor der Aufführung des Weihnachts- oratoriums am zweiten Advent in der Kirche eine große Überraschung gegeben. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Kreissparkasse Stendal überreichten dem Vorsitzenden des Vereins, Domkantor Matthias Bensch, eine großzügige Fördermittelzusage.

„Die Scholtze-Orgel in der Hansestadt Havelberg ist ein wundervolles Kulturgut und es ist ein Segen für das ganze Land, dass noch so viel von ihr erhalten geblieben ist. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung trägt mit der Kreissparkasse Stendal gern dazu bei, dass die Orgel wieder zum Klingen gebracht wird“, hob der Geschäftsführer der Stiftung, Friedrich-Wilhelm von Rauch, die Bedeutung des Instrumentes hervor.

Kosten von gut 600.000 Euro

„Mit Dankbarkeit durften wir auch bereits in den vergangenen Wochen großzügige Bewilligungsbescheide für die geplante Orgelrestaurierung in Empfang nehmen“, berichtet Matthias Bensch von der Lotto-Toto Stiftung Sachsen-Anhalt, die 41.000 Euro zur Verfügung stellt, vom Land Sachsen-Anhalt, das mit 35.000 Euro unterstützt, von Bundesmitteln, die in Höhe von 303.800 Euro fließen. Die Hansestadt Havelberg beteiligt sich mit 30.000 Euro und der Kirchenkreis Prig- nitz mit 20.000 Euro. Der Orgelrestaurierungsverein und die Kirchengemeinde haben bisher mit Hilfe vieler Bürger rund 97.000 Euro an Spenden sammeln können.

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„Das sind sehr große Summen und es erfüllt uns mit großer Freude und Dankbarkeit, dass wir von so vielen Menschen und Institutionen bei unserem Orgelrestaurierungsprojekt unterstützt werden“, freut sich Matthias Bensch, der im Frühjahr 2014 gemeinsam mit Interessierten die Gründung des Vereins initiiert hatte. „Nun ist klar, dass die Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten im März 2019 zunächst in der Werkstatt und dann ab September 2019 auch vor Ort beginnen werden. Der Löwenanteil der benötigten Gelder konnte eingeworben werden und die aktuell noch bestehende Finanzierungslücke in Höhe von zirka 38.000 Euro wird durch ein Darlehen abgedeckt, welches durch Spendeneinnahmen des Orgelvereins in den kommenden drei Jahren abgezahlt werden soll. Wenn wir Glück haben, könnte ein Teil des Darlehens durch zwei weiteren Stiftungen beglichen werden, welche voraussichtlich bis März 2019 über unsere Anträge entscheiden werden. Wir erwarten Gesamtkosten in Höhe von 608.000 Euro.“

Orgelmeisterkurse geplant

Die Bedeutung der Orgel liegt darin begründet, dass noch mehr als 50 Prozent an Originalsubstanz erhalten geblieben ist. Als prächtige Barockorgel mit 32 Registern gehört sie zu den wichtigsten Orgeln in Sachsen-Anhalt. Bespielbar ist sie momentan nicht. Das Ziel ist es, sie auf ihren Ursprungszustand von 1754 zurückzuführen.

Wie der Domkantor berichtet, werden die Arbeiten an der Orgel durch fünf Gewerke ausgeführt: Der mit Abstand größte Auftrag geht an die renommierte Orgelwerkstatt Wegscheider. Die farbliche Restaurierung des Gehäuses übernimmt das Restaurierungsatelier Dirk Zacharias und die prächtigen Rokokoschnitzereien werden von Stephan Thürmer aufgearbeitet. „Alle drei Firmen sind in Dresden ansässig und haben bereits viele bedeutende Barockorgeln erstklassig restauriert.“ Außerdem werden der Elektroanlagenbau Ralf Westphal aus Nitzow sowie Schwan Gerüstbau aus Bad Wilsnack beteiligt sein.

„Die Orgel in der St. Laurentiuskirche wird eine große Bereicherung für die Stadt werden. Mit diesem herausragenden Referenzinstrument kann die traditionsreiche deutsche Barockmusik, insbesondere die Musik von Johann Sebastian Bach, mit größter Authentizität zum Klingen gebracht werden. Sie wird neben der regelmäßigen Begleitung von Gottesdiensten in zahlreichen Konzerten und touristischen Orgelführungen zu hören sein“, blickt Matthias Bensch voraus. Vorgesehen sind zudem Orgelmeisterkurse von Musikhochschulen und CD-Aufnahmen. Und auch das ist eine frohe Botschaft: „Die unbefristete hundertprozentige Kirchenmusikstelle in Havelberg garantiert eine rege Nutzung auf lange Zeit.“ Gerechnet wird damit, dass alle Arbeiten an der Orgel bis zum Reformationstag im Jahr 2021 abgeschlossen sein werden.