Neueröffnung

Statt Geld gibt‘s nun saubere Wäsche

In der einstigen Schollener Sparkasse wird nun gewaschen, getrocknet, gebügelt und gemangelt.

Von Anke Schleusner-Reinfeldt

Schollene l Routiniert lässt Daniela Brennicke das Bügeleisen über das Hemd gleiten. Ruckzuck sind Kragen, Ärmel, Vorder- und Rückenteil glatt. Dann piept es. Die Waschmaschine ist fertig. Schnell umladen in den Trockner. Dann zurück ans Bügelbrett. Zwischendurch eine Retour eines Paketdienstes annehmen. Das nächste Hemd ist zur Hälfte fertig, da piept die nächste Waschmaschine. Und der Trockner ist auch gleich fertig.

Zu tun hat Daniela Bren­nicke genug in ihrer gerade eröffneten Wäscherei im Schollener Ortszentrum. Ihr Mann Detlef hilft, wo er kann. Er ist vor allem der Kurier, holt auch Gardinen ab und hängt sie frisch gewaschen wieder auf.

Mit Mitte 50 haben Brenneckes noch einmal einen Neuanfang gemacht. Denn sie sind waschechte Berliner und erst vor einem Jahr nach Molkenberg gezogen. Von der Stadt aufs Land? „Die beste Entscheidung!“ sind die beiden einfach nur glücklich. Vor 41 Jahren hatte die Mutter von Daniela Brennecke eine Wäscherei in Reinickendorf eröffnet, vor 15 Jahren ist sie mit eingestiegen, inzwischen ist die Mutter in Rente. „Das Geschäft ist gut gelaufen. Aber als die Miete zum wiederholten Mal gestiegen ist und ich quasi nur noch für die Miete und das Finanzamt gearbeitet habe, mussten wir uns etwas einfallen lassen“, erzählt Daniela Brennecke.

Vor drei Jahren hatten sie die Sparkassenräume gekauft, „hier wollten wir eigentlich eine Ferienwohnung für uns einrichten, um die Wochenenden hier zu verbringen und dann als Rentner ganz hierher zu ziehen“, berichtet Detlef Brennecke. Er hat Verwandtschaft in Molkenberg, Helene Rohrschneider ist seine Oma. „Als Kind habe ich hier so viel Zeit verbracht, das war einfach nur herrlich. Und wenn wir später zu Besuch hier waren, wollte ich gar nicht weg.“ Da bot sich der Kauf der Sparkasse an. Gerade Eigentümer, eröffnet sich in Molkenberg die Möglichkeit, ein Wohnhaus zu erwerben. Brenneckes greifen zu. Und machen sich an die Arbeit. Jedes Wochenende arbeiten sie am und im Haus. Ende 2019 ziehen sie ein – und nehmen damit in Kauf, täglich nach Berlin zu pendeln.

Mit der Ankündigung des Vermieters, dass bald über 200 Euro mehr Miete fällig sind, schmieden Brennickes Zukunftspläne. Denn in Schollene stehen die Sparkassenräume leer – genau die richtige Größe für eine Wäscherei. Sie erkundigen sich, wo es in der Umgebung Wäschereien gibt und ob sich das Geschäft lohnen könnte. Havelberg, Schönhausen und Rathenow sind recht weit weg, da könnte man die Schollener gut als Kundschaft gewinnen. Berliner Stammkunden, zu denen auch Kindergärten in Reinickendorf gehören, versprechen, auch nach dem Umzug die Treue zu halten, wenn der Lieferdienst funktioniert. Ende des Jahres brechen die Berliner ihre Zelte komplett ab und verlassen die Hauptstadt. Vier große Waschmaschinen, zwei Industrietrockner, eine Mangel und die Bügelstation ziehen um nach Schollene. Die Stammkunden, die Detlef Brennicke mittwochs ansteuert, um Sauberes zu bringen und Schmutziges abzuholen, bleiben treu. Auch mit einer Geschäftspartnerin, die die chemische Reinigung übernimmt, arbeitet sie weiterhin zusammen, ebenso mit einer Schneiderei, die nun auch für Schollener Kunden repariert und ändert. „Es läuft tatsächlich alles wie gewünscht, selbst als Paketshop, der für diesen Anbieter bisher nicht in Schollene ansässig war, können wir hier Retouren annehmen.“

Natürlich hat Corona auch für die Wäscherei Folgen. Kindergärten sind je gerade wieder in Notbetreuung, weshalb weniger Wäsche anfällt. Schmutzige Tischwäsche von Restaurants gab es im zurückliegenden Corona-Jahr in Berlin ebenfalls weniger als gewohnt. Und auch Business-Kleidung ist weniger zu waschen und zu bügeln – denn viele Büromitarbeiter sitzen zu Hause im Homeoffice, da brauchen sie nicht täglich neue Hemden und Blusen.

Brennickes hoffen, bald ihr Auskommen zu haben, und sind optimistisch, dass ihr Service auch im Schollener Bereich gut angenommen wird.