Tourismus

Sternenpark auch für Schollene interessant

Im brandenburgischen Westhavelland befindet sich Deutschlands erster Sternenpark. Nun könnte sich auch Schollene am Projekt beteiligen.

Von Ingo Freihorst

Schollene l Die Zahlenangabe „21,78“ lässt die Herzen von Astronomie-Fans höher schlagen: Hier ist es besonders dunkel – und je dunkler es ist, um so besser kann der Sternenhimmel beobachtet werden. Korrekt lautet die Wertangabe „21,78 Größenklassen pro Quadratbogensekunden“, ein Wert für die Flächenhelligkeit des Himmels. Diesen Wert hatte man an der Straße zwischen Görne und Witzke mit dem „Sky Quality Meter“ ermittelt, ein Gerät, was mit einem CCD-Chip ausgetattet ist.

Damit es so richtig finster ist im dünn besiedelten Westhavelland um den Hohennauener und den Gülper See, dürfen möglichst wenige künstliche Lichtquellen ringsum die Sicht auf den sternenfunkelnden Nachthimmel beeinflussen. Ringsum ist bei Astronomen allerdings recht weit gefasst: Sogar von Rathenow oder Berlin stören die Lichter, ebenso jene vom Arneburger Industriepark.

Deshalb rannten die Schollener Räte mit ihrer Anfrage zwecks möglicher Mitarbeit im Naturpark offene Türen ein: Je mehr Orte im Umland sich beteiligen, um so besser werden die Bedingungen für die Himmelsbeobachter. Diese reisen inzwischen nicht nur aus Deutschland, sondern auch den umliegenden Ländern ins finstere Westhavelland.

„Die Mitarbeit der Kommunen erfolgt auf freiwilliger Basis“, erklärte Naturpark-Leiterin Ilona Langgemach. Gern würde sie auch noch den Havelwinkel mit einbeziehen. Vor allem wird in den beteiligten Orten der „Lichtverschmutzung“ der Kampf angesagt, der Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen. Doch auch da müssen die Kommunen auf den guten Willen der Bürger setzen, denn gegen die Lichtverschmutzung gibt es keine Gesetze.

Auf der anderen Seite profitieren die Bettenanbieter in diesen Orten von den Astro-Touristen. Jene haben allerdings ganz spezielle Wünsche – sie schlafen am Tage und brauchen darum verdunkelte Zimmer und Ruhe. Geplant ist zudem, Sternenführer auszubilden, vor allem die Natur- und Landschaftsführer konnten sich zu solchen fortbilden. Außerdem soll in Parey an der Havel – also gegenüber von Schollene – ein Beobachtungsplatz aufgebaut werden. In Arbeit sind auch Angebote für Schulklassen und Bürger.

Mit Hilfe einer in Planung befindlichen „Lampenstraße“ sollen diese Gäste dann auch über die Lichtverschmutzung informiert werden. Die Schollener Räte konnten sich dazu gleich auf ihrer Sitzung weiterbilden, Thomas Becker vom Förderverein des Sternenparks informierte darüber anhand eines Lichtbildervortrages.

Erhellt wird der Nachthimmel nicht nur durch Straßenlampen, sondern auch durch Industriegebiete, den Straßenverkehr, durch Leuchtreklame oder Skybeamer – letztere machen auf Diskotheken aufmerksam. Zu helle Nächte sind aber auch für den Menschen abträglich, denn die Bildung des Schlafhormons wird dadurch reduziert. Die Lampen locken wiederum Insekten an, welche in ihrem natürlichen Lebensrhythmus gestört oder gar getötet werden. Das viele Licht ist aber auch ein enormer Kostenfaktor: Deutschlandweit wurden 2011 geschätzte 1,2 Millarden Euro für Straßenbeleuchtung ausgegeben.

Entsprechend wird in den hell erleuchteten Kommunen kaum jemand die Milchstraße sehen können. Die Mitstreiter im Sternenpark favorisieren darum abgeschirmte Lampen, welche nur das erleuchten, was sie eigentlich sollen – den Bereich unter ihnen. Hilfreich ist die Umrüstung auf sparsame und dimmbare LED, was den Kommunen danach viel Geld erspart. Zudem müssen die Lampen nicht die ganze Nacht leuchten, was auch für angestrahlte Objekte gilt. Ganz übel ist es beispielsweise in Belgien: Hier werden sogar die Autobahnen beleuchtet. Negativbeispiele gibt es auch hierzulande: Leere Parkplätze an Supermärkten, welche die ganze Nacht erhellt sind.

Ein solch finsterer Flecken wie das Westhavelland hat denn auch seine Fans: „Einen Sternenhimmel entdecken zu können, der über den ganzen Horizont reicht, ist schon etwas Besonders“ schrieben zwei begeisterte Holländer ins Gästebuch. Die Naturparkleiterin berichtete den Schollener Räten zudem von jungen Gästen, welche noch nie die Milchstraße gesehen hatten.

Sachsen-Anhalt hat gegenüber Brandenburg einen großen Vorteil, auf den Ans Briesenick hinwies: An den hiesigen Schulen wird noch Astronomie unterrichtet, im Nachbarland wurde das Fach vor Jahren aus dem Lehrplan gestrichen. Die Molkenbergerin ist bereits ausgebildete Natur- und Landschaftsführerin und könnte sich eine Fortbildung zur Sternenführerin gut vorstellen.

Einer Mitarbeit im Sternenpark steht auch die Schollener Bürgermeisterin Steffi Friedebold aufgeschlossen gegenüber. Sie berichtete von nächtlichen Wanderungen der Jugend von Ferchels zum nahen Berg namens Gütschow, welche davon begeistert waren. Auch spiele der Tourismus in der Seegemeinde eine wichtige Rolle.

Vielleicht könnte man in der Kindertagesstätte eine Lesenacht zum Thema Sternenhimmel organisieren, kam ein erster Vorschlag. Auf der nächsten Ratssitzung will man im nichtöffentlichen Teil über eine mögliche Mitarbeit mit dem Sternenpark beraten.

Dann könnte auch Schollene mit dem Sternenpark werben: Wenn Touristen hier schon nicht mehr den See erblicken, dann wenigstens die Sterne.