Havelberg l Wie gut sich die Dauerausstellung zur Domgeschichte in dem durch die Kulturstiftung des Landes aufwendig sanierten Westflügel der Klosteranlage nun präsentiert, davon konnte sich der Landtagsabgeordnete der Linken Wulf Gallert am Mittwoch beim Besuch des Prignitz-Museums in Havelberg ein Bild machen. Empfangen wurde er von Museumsleiterin Antje Reichel und der Leiterin des Schulverwaltungs- und Kulturamtes Ulrike Bergmann. Seit einer Woche ist der Eingang zum Museum wieder vom Domplatz aus erreichbar. Hell und freundlich lädt der Westflügel Besucher dazu ein, sich mit der Dombaugeschichte und der Historie des Domkapitels vertraut zu machen.

Der Havelberger Dom mit der Klosteranlage ist eine wichtige Station auf der Straße der Romanik, die 2018 seit 25 Jahren besteht. Große Jubiläumsfeiern sind im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts nicht geplant. „Das ist auch nicht schlimm. Ein Jubiläum jagt das andere. Nach Luther 2017 haben wir 2019 mit dem Bauhaus das nächste Mega-Thema im Land. Viele wollen einfach mal normal arbeiten. Es ist oft das Problem, dass wir Kunst und Kultur mit Mega-Events verbinden wollen. Mein Plädoyer ist, wir brauchen nicht immer die super Höhepunkte“, machte Wulf Gallert deutlich, dass es neben der Entwicklung des Tourismus vor allem auch darum geht, dass die Leute vor Ort sich mit ihren kulturhistorischen Reichtümern tatsächlich identifizieren. „Das ist hier gegeben, denn es heißt ja, dass der Havelberger, wenn er seinen Dom nicht sieht, krank ist. Doch wie oft gehen die Einwohner mit ihrem Besuch wirklich ins Museum?“

Unterstützung für Romanikpreis

Hier gelte es anzusetzen und zu schauen, wie das weiterentwickelt werden kann. „Havelberg hat ein Alleinstellungsmerkmal. Die Lage des Domes ist einzigartig durch die Verbindung von Kulturhistorie und Naturerlebnis. Wer Havelberg zum ersten Mal besucht, hat ein Aha-Erlebnis. Er taucht ein in eine andere Welt.“ Gefordert sind da nach Ansicht des gebürtigen Havelbergers, der bis 1993 in der Stadt lebte, neben dem Land, zu dessen Kulturstiftung Dom und Klosteranlage gehören, der Landkreis als Träger des Prignitz-Museums und die Domgemeinde, um Kultur noch erlebbarer zu machen. „Davon würden alle drei profitieren.“ Bedeutung hätten in diesem Zusammenhang auch das bessere Marketing und der Ausbau der touristischen Infrastruktur für den Elberadweg in Sachsen-Anhalt. „Highlights wie Havelberg könnten noch mehr herausgestellt werden.“

Dass das Museum eine Menge unternimmt, um Besucher zu interessieren, erklärten Antje Reichel und Ulrike Bergmann dem Gast. „Wichtig ist, dass wir Kontinuität in die Museumsarbeit bekommen, und eine gute Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren“, sagte die Amtsleiterin. Sie verwies auf das Angebot des Landkreises, dass Schulklassen Museen kostenlos besuchen können.

Von der länderübergreifenden Zusammenarbeit der Prignitzer Museen berichtete Antje Reichel. So gibt es einen Museumspädagogen, der Schulen Angebote unterbreitet. Die Schule Glöwen ist zum Beispiel regelmäßig zu Gast im Havelberger Prignitz-Museum. Aus Berlin verbringen zwei bilinguale Schulen ganze Unterrichtstage hier.

Zur Internationalen Tourismusbörse vom 7. bis 11. März in Berlin wirbt das Prignitz-Museum zusammen mit der Touristinfo im Sachsen-Anhalt-Bereich für die Nordroute der Straße der Romanik.

Pure Romanik ist im Bereich des Museums übrigens in der früheren Dombaukammer zu sehen, in der sich jetzt der Aufzug befindet, und auch im östlichen Kreuzgang, berichtete Antje Reichel.

Von Havelberg aus fuhr Wulf Gallert, der seine Fraktion in der Jury zum Romanikpreis vertritt und tourismuspolitischer Sprecher ist, weiter nach Sandau. Die Kirche dort liegt ebenfalls an der Straße der Romanik. Was dort von Ehrenamtlichen für den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirchturmes geleistet wurde und wird, sei eine ganz besondere Geschichte, weshalb er auch den Antrag zur Vergabe des Romanikpreises nach Sandau unterstützt.