Havelberg l Sind sie mit ihrem Schulweg eigentlich bestens betraut, werfen die Kinder und Jugendlichen jetzt doch mal einen Blick durchs Fenster nach links und rechts. Seit Montag, dem ersten Tag nach den Herbstferien, fährt der Bus einen Teil der Strecke über den Schießplatz – am Rand lang!

Das erspart einen langen Umweg über Klietz. Denn die Straße zwischen Neuschollene und Steckelsdorfer Dreieck ist seit zwei Wochen für Bauarbeiten gesperrt. Bis Mitte Dezember. Die Linienbusse, die dreimal am Tag zwischen Rathenow und Schollene pendeln, Rettungsfahrzeuge und die Post dürfen hier entlang fahren. Sie sind mit einem Schlüssel für die beiden Schranken ausgestattet und belehrt worden. „Wir freuen uns, wenn wir helfen können“, sagt Schießsicherheitsfeldwebel Heiko Kosma von der Kommandantur des Truppenübungsplatzes.

„Der Weg, der mit ein paar Kurven parallel zur Straße läuft, ist deutlich entfernt vom Gefahrenbereich der großen Panzerschießbahn 13. Und zur Not, wenn wirklich Kampfpanzer Leopard im Einsatz sind, wird das Schießen für die Zeit des Busverkehrs kurz eingestellt.“ Denn die Lärmbelastung könnte dann groß sein – ein gesundheitliches Risiko will keiner eingehen! Außerdem wurde der Schießbetrieb auch etwas von der Behelfsstraße weg in die Mitte des Platzes verlegt.

Sicherheit ist das obereste Gebot

Damit es von der rund zwei Kilometer langen Behelfsstraße nicht möglich ist, auf den Platz und somit gefährliches Gebiet zu fahren, sind Barrikaden aufgestellt worden. „Sicherheit ist das höchste Gut – für Soldaten und Zivile. Deshalb ist der Personenkreis, der hier langfahren darf, auch so klein wie möglich gehalten. Denn das Betreten und Befahren des Platzes ist nun mal generell gefährlich. Hier wird scharf geschossen, das darf man nicht vergessen“, geht Heiko Kosmas Warnung auch die derzeit sehr emsigen Pilzsucher. Werden sie erwischt, müssen sie für das widerrechtliche Betreten ein Bußgeld zahlen. „Und jeder, der sich in den Sicherheitsbereich begibt, spielt mit dem Leben!“

Der Schießsicherheitsfeldwebel ist froh, dass in den zurückliegenden zwei Wochen seit der Vollsperrung der Straße noch kein Unbefugter versucht hat, sich durch das Aufbrechen der Schlösser an den Schranken Zufahrt zu verschaffen.

Havelbus ist dankbar

Havelbus ist der Bundeswehr dankbar für diese Sondergenehmigung, erspart das doch lange Umwege, wie sie alle anderen Kraftfahrer machen müssen. Am ersten Schultag war es Sven Alexander, der als Busfahrer die Strecke mit den Fahrgästen passierten – einmal morgens, zweimal nachmittags. Er war gelassen, wohl wissend, dass der Weg genauso sicher ist wie die Straße. Und auch die Kinder und Jugendlichen, die unmittelbar am Platzrand leben und quasi mit der Bundeswehr aufwachsen, waren kaum beeindruckt – nur froh, dass der Schulweg nur unbedeutend länger ist.