Garz l Am Sonnabend zog es Besucher aus Nah und Fern zum Trödelmarkt an der alten Waage und zum mittlerweile 8. Spinnertreffen auf den Havelhöfen. Wer beim Trödelmarkt nie fehlt, das ist der Feuerwehrverein aus Garz. Traditionell zu der Veranstaltung bieten die Mitglieder zur Mittagszeit ein in Garz ziemlich beliebtes Gericht an: Schmorgurken mit Pellkartoffeln. „Für die Schmorgurken haben wir, wie immer, schon am Freitag in der Küche gestanden“, berichtet der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Alfred Hagen. Er freut sich zugleich darüber, dass das Essen auch am Sonnabend wieder recht gut angenommen wird. Einige Bewohner holen sich das Gericht für ihre Mittagsmahlzeit sogar nach Hause. Schließlich gibt es Schmorgurken ja nicht alle Tage.

Zum Wegwerfen zu schade

Rund um die Waage haben insgesamt 14 Händler ihre Stände mit Trödel aller Art aufgebaut. Darunter auch einige Einheimische. So wie Constanze Streblow. Aus Wulkau stammend, ist sie jetzt Neu-Garzerin und beteiligt sich mit ihrer Zwillingsschwester Marita (aus Kamern) zum zweiten Mal an dem kleinen Markt an der alten Waage. „Beim ersten Mal ist es recht gut für uns gelaufen, deshalb sind wir heute wieder da. Beim Umzug und auch in unseren Haushalten ist so einiges entdeckt worden, an das man gar nicht mehr gedacht hat, das zum Wegwerfen aber zu schade ist, weil es noch gut zu gebrauchen ist. So ein Trödelmarkt ist ideal dafür, um es an den Mann, die Frau oder ans Kind zu bringen.“ Neben zahlreichen Dingen für den Haushalt haben die beiden Zwillingsschwestern auch eine große Auswahl an Schallplatten und Büchern mitgebracht. „Mir geht es hier gar nicht darum, dass ich viel Geld einnehme“, erklärt Constanze Streblow. „Dabei zu sein, Freude und Spaß an der Sache zu haben und mit Leuten nette Gespräche zu führen, alleine dafür lohnt sich die Teilnahme.“

Einnahmen für Vereinsarbeit

Gleich nach dem Beginn des Trödelmarktes ist an allen Ständen ordentlich Laufkundschaft zu verzeichnen, zum Nachmittag hin wird es dann etwas weniger. Nicht aber am Stand des Garzer Orts- und Kulturvereins, der sich mit einem großen Angebot um die Versorgung kümmert. Nach dem Motto „Alles was das Herz begehrt“: Kaffee, Kuchen und Torte, Bratwurst mit Brötchen oder Kartoffelsalat, Bowle, Bier, Radler, alkoholfreien Getränken und noch einigem mehr. Die Einnahmen sind für einen guten Zweck gedacht, nämlich für die weitere Arbeit des Orts- und Kulturvereins.

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Klietzer am stärksten vertreten

Buntes Treiben herrscht zur gleichen Zeit auch beim Spinnertreffen auf den Havelhöfen. Der gastgebende „Havelspinner“ Rainer Wittenburg kann dazu unter anderem Teilnehmer aus Zernitz (Anhalt), Potsdam, Bernburg, Rathenow und Klietz begrüßen. Zum Spinnen, Weben (auch Stäbchenweben), Drechseln und anderem alten Handwerk. Zahlenmäßig am stärksten sind mit insgesamt elf Frauen und Männern die Klietzer vertreten. Zu ihnen gehört Wolfgang Kurkowski aus Neuwartensleben. „Leider habe ich heute mein elektrisches Spinnrad vergessen“, bedauert er. Es ist Marke Eigenbau und er hätte es in Garz schon gerne einmal interessierten Besuchern gezeigt. Doch ist das Spinnen nicht das einzige Hobby des rüstigen Rentners. „Ich bin ein ganz Verrückter“, beschreibt sich Wolfgang Kurkowski selbst. „Ich habe zu Hause auch noch einen kleinen Webstuhl, und nebenbei habe ich mich auch noch der Töpferei verschrieben.“

Spinner sind "immer fröhlich"

„Die Leute, die dieses Hobby hier ausüben, sind immer gut drauf, immer fröhlich.“ Diese Erfahrung macht Jutta Wopat vom Anhaltischen Spinnkreis immer wieder aufs Neue. „Ich spinne schon gut 20 Jahre lang“, erzählt die über 80-Jährige, „und trotzdem lerne ich immer wieder etwas Neues dazu. So auch bei dem Treffen hier in Garz, zu dem ich gerne komme. Nicht nur, um mich mit anderen Spinnerinnen und Spinnern auszutauschen, sondern auch, weil ich die tolle Atmosphäre, die netten Menschen und das Umfeld hier sehr schätze.“

Kleines, feines Dorf

Insgesamt ist der Anhaltische Spinnkreis mit vier aktiven Spinnerinnen in Garz dabei. Eine davon hat in zurückliegenden Jahren schon dreimal die Landesmeisterschaft im Spinnen von Schafwolle für sich entschieden: Jeanette Paasch. „Ich bin immer wieder gerne in Garz. Es ist so idyllisch hier. Ein kleines, aber feines Dorf.“

Achtjähriger übt am Spinnrad

Ganz eifrig ist beim Spinnertreffen der achtjährige Felix Langer aus Falkensee mit seiner Mutti Nadin unterwegs. „Das ist echt spannend hier“, findet er, weshalb er sich auch erst einmal an drei verschiedenen Spinnrädern ausprobieren muss. Und später auch noch beim Stäbchenweben mit Rainer Wittenburg. „Wir sind das erste Mal hier in Garz und ganz begeistert von dem, was in dem kleinen und dazu sehr schönen Dorf so alles auf die Beine gestellt wird. Die Havelhöfe bilden ein tolles Ambiente für das Spinnertreffen“, zeigt sich Nadin Langer beeindruckt. „Vielleicht kommen wir im nächsten Jahr wieder.“