Havelberg l Kurz in die Knie gehen, Kind hochheben und zum Trösten in die Arme nehmen. Bei Carmen Fringel geht das intuitiv. Vor 48 Jahren hat die jetzt 64-Jährige ihre Ausbildung zur Krippenerzieherin begonnen und nun wurde sie aus der integrativen Kindertagesstätte „Regenbogen“ Havelberg in den Ruhestand verabschiedet.

„Ich habe 1971 im DRK-Pflegeheim Julianenhof meine zweieinhalbjährige Ausbildung zur Krippenerzieherin begonnen und bin täglich, bis 1979, zum Julianenhof zur Arbeit geradelt. Bis zur Schließung der Tageskrippe an der Ampelkreuzung war ich dort beschäftigt und ging anschließend in den Regenbogen“, blickt sie zurück. Obwohl es schwierigere Zeiten waren mit Windelwaschen und anderen schweren Arbeiten, blickt sie gerne auf die längst vergangene Zeit und auf die lieben Kollegen, mit denen sie zusammengearbeitet hat, zurück. Von ihren ehemaligen Kollegen sind viele schon seit langer Zeit in Rente oder konnten durch die Vorruhestandsregelung früher gehen. Unzählige Mädchen und Jungen im Kleinkind­alter hat Carmen Fringel in den zurückliegenden Jahren betreut – mittlerweile häufig schon in der zweiten Generation. So zum Beispiel den Sohn von Wolfgang Tippel, Maik, der ebenfalls seinen Sohn in die Kita zu Carmen brachte.

„Ich habe schon immer gerne mit Kindern gearbeitet und daher konnte ich mir auch nichts anderes vorstellen. Strahlende Kinderaugen sind das Schönste für mich, oder wenn sie meinen Namen ,Amen‘ rufen. Im Laufe meiner Tätigkeit folgten dann auch die Qualifizierung zur Erzieherin und Teilnahmen an zahlreichen Weiterbildungen.“

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Carmen Fringel freut sich über die neuen und jungen Mitarbeiterinnen, die jetzt im „Regenbogen“ beschäftigt sind und sozusagen in ihre Fußstapfen treten. An das Team der Kita wird sie sich sehr lange erinnern und nie die gute Zusammenarbeit, die tollen Feste, Ausflüge oder die Treffen der Ehemaligen vergessen. Zum 60. Geburtstag vor vier Jahren und auch zur Silberhochzeit hatte ihre Kollegin Sylvia Liban sie besucht und brachte als Überraschungsgäste die Tanzgruppe „Arabeske“, die sie leitet, mit. Unvergessen bleibt aber auch der bedauerliche und viel zu frühe Tod der jungen Kollegin Anka Toppel.

Ehrenplatz auf Spielplatz

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge geht Carmen Fringel in den Ruhestand. Sie will den Kontakt zur Kita weiter pflegen. Am letzten Arbeitstag bekam sie einen Ehrenplatz mitten unter „ihren“ Kindern, auf dem Spielplatz, auf dem sich alle Gruppen und das Erzieherteam eingefunden hatten. Die Leiterin Heidi Lähns lobte die gute Arbeit und ständige Einsatzbereitschaft von Carmen Fringel. „Hervorheben möchte ich die Liebe zu den Kindern, die du täglich in der Mäuschen-Gruppe bewiesen hast. Wir wünschen dir einen angenehmen Ruhestand und werden dich vermissen!“

Von der Stadtverwaltung war der Leiter des Amtes für Ordnung, Kultur und Soziales André Gerdel gekommen. Er sprach die lange Arbeitszeit mit den Kindern an und bedankte sich im Namen der Stadt für das Geleistete.

Die Tanzgruppe „Arabeske“ präsentierte ein Programm und hin und wieder hatte die Scheidende mit den Tränen zu kämpfen. Das Erzieherteam überreichte Geschenke und sang einen selbstgeschriebenen Abschiedssong. Die Kinder verabschiedeten sich mit Blümchen und Umarmungen.

Jetzt will sich die Neu-Rentnerin vor allem um den eigenen Enkel kümmern. In Dahlen wird der Bungalow die notwendige Erholung bieten, Reisen mit ihrem Ehemann, der im Herbst in Rente geht, und einiges mehr ist schon geplant. Bis zuletzt habe sie die Arbeit gerne gemacht, „auch wenn manchmal der Rücken zwickte“.