Sandau l Elf von Dirk Niklaus geschaffene Ikonenbilder können bis Ende Juli in der Ausstellungsebene des Sandauer Kirchturmes betrachtet werden. Zur Eröffnung hatten sich am Ostermontag etliche Gäste eingefunden, viele kamen vom Gottesdienst, welcher zuvor eine Etage höher stattgefunden hatte. Darunter befand sich auch der Kirchenchor, welcher unter der Leitung von Ex-Domkantor Gottfried Förster aus Havelberg die Vernissage musikalisch eröffnete.

Ingo Jurig, der Vorsitzende des gastgebenden Fördervereins, begrüßte die Anwesenden und übergab das Wort an den Künstler Dirk Niklaus. Dieser berichtete, dass seine Frau Vera im Vorjahr mit der Ikonenmalerei begonnen hatte. Eingewiesen in die alte Kunst wurde sie von einem Meister im Kloster der russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam. Zur Eröffnung waren denn auch zwei von Vera Niklaus geschaffene Ikonen zu sehen.

Ikonenmaler sind der Ansicht, dass sie ihre oftmals symbolischen und kryptischen Werke schreiben statt malen. Wer es damit ganz genau nimmt, fastet sogar vorher, so ist man gereinigt. Die Goldfarbe, welche auf den Werken fast nie fehlt, steht übrigens für die Unendlichkeit. Die Kult- und Heiligenbilder sind seit dem 6. Jahrhundert in der orthodoxen Ostkirche – wie Rußland und Griechenland– verbreitet.

Bilder

95 Apfelkerne zur Erinnerung an Luther

Neben den Ikonen gibt es noch ein Bildnis, welches in der Mitte wie in einem Altar steht: Es kommt erst voll zur geldtung, wenn es im Dunkeln mit Blaulicht beleuchtet wird.

Zu sehen ist auch die „Zeitkapsel“ von Vera Niklaus: Sie hat die Form eines Hausaltars und wurde ringsum mit Schafwolle drapiert. Im Innern befinden sich 95 Apfelkerne, welche ebenfalls von Wolle umhüllt wurden. Im Lutherjahr 2017, als das Werk entstand, wollte die Schöpferin damit an die 95 Thesen Martin Luthers erinnern, welche dieser an die Wittenberger Kirchentür geschlagen hatte.

Von Beruf ist Dirk Niklaus aus dem brandenburgischen Haveldorf Wolsier Malermeister. Da lag es nahe, dieses Handwerk auch künstlerisch auszuüben. Seit 2000 ist er als Maler und Grafiker selbständig, drei Jahre zuvor zog er mit seiner Frau Vera von Potsdam nach Wolsier ins Havelland.

Der Osterbasar musste in diesem Jahr in Sandau aus personellen Gründen ausfallen, wohl auch deshalb verteilte Pfarrer Hartwig Janus den Osterlamm-Kuchen bei der Vernissage. Diese bildete zugleich den Saisonauftakt für die Offene und Radwegekirche: Vom 1. April bis Ende Oktober ist das Gotteshaus täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.