Wuster Damm l  Statt mit den Kindern und Enkeln zu feiern, verbrachte er den Tag allein mit seiner Frau Karin – bei ein bisschen Wehmut herrschte dennoch gute Laune.

Die Nachtigall im Garten hob am frühen Morgen zum Geburtstagsständchen an, „sie hat das erste Mal in diesem Jahr gesungen“. Mit dieser Überraschung begann der Geburtstag für Helmut Siemer am Sonnabend auf dem Wuster Damm. Seine Frau hatte den Frühstückstisch ein bisschen üppiger als üblich gedeckt, Nelken sorgten für einen blumigen Farbtupfer. Statt Händeschütteln und Umarmungen der Liebsten klingelte ständig das Telefon – die Familien der Kinder gratulierten und liebgewordene Bekannte. „Wir halten uns an das Kontaktverbot – es ist nun mal so. Wir alle wollen gesund bleiben, es kommen auch wieder bessere Zeiten – und dann wird gefeiert!“ ist der 83-Jährige trotzdem gut gelaunt. „Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, im Garten gibt es zu tun – es geht uns doch gut“, zieht der Senior den Vergleich zu den Menschen, die in der Stadt in einer Neubauwohnung leben und in diesen Zeiten weitaus mehr Einbußen haben „als wir hier auf dem Dorf“.

Gleich frühmorgens zum Einkauf

Für Helmut und Karin Siemer hat sich in Corona-Zeiten so viel nicht geändert. Aber der Donnerstag läuft anders ab als sonst, wenn Siemers zusammen vormittags zum Einkaufen gefahren sind. Jetzt steht Karin Siemer schon kurz vor 7 Uhr vor dem Supermarkt in Tangermünde, „da bin ich die Erste und es sind wenige Kunde da, man kann gut Abstand halten.“ Der Einkaufswagen ist an der Kasse voll, alles muss für eine Woche reichen. Danach geht es auf den Markt im Stadtzentrum, bei den Händlern wird Frisches eingekauft. Und dann ab nach Hause.

Langeweile kommt hier nicht auf. Im Garten ist genug zu tun. Die Beete sind bestellt, im Gewächshaus stehen die selbstgezogenen Tomaten zum Auspflanzen bereit. Tulpen und Stiefmütterchen blühen, die nach der Flut neu gepflanzten Obstbäumchen auch. Das Deichbruchwasser hatte im Juni 2013 auch Siemers Garten geflutet und alles zunichte gemacht. Einmal am Tag spaziert das Ehepaar auf dem Radweg unter den alten Eichen entlang bis zur B 188. Und Karin Siemer steht auch gern in der Küche. Hier zaubert sie nicht nur die leckersten Torten, sondern auch Deftiges. „Man sieht es“, streicht sich Helmut Siemer schmunzelnd über sein Bäuchlein. Über die Koch- und Backkünste freuen sich auch die Kinder und Enkelkinder zu den Geburtstagen – im April standen und stehen einige an. Für die Lieben in Cottbus ist der Bringe-Service zwar zu weit, aber nach Rathenow sind es nur ein paar Kilometer. „Wir stellen die Torten oder wie gerade den Topf Hühnersuppe in den durch eine Außentür zu erreichenden Vorratsraum, betreten das Haus also gar nicht, und plaudern dann auf Abstand am Fenster. Das muss jetzt leider reichen“, arrangiert sich die Familie mit dem Kontaktverbot, „das ja irgendwann auch wieder aufgehoben wird. Und dann holen wir alles nach“. Auch die ausgefallene Jugendweihefeier des Enkels in Cottbus.

Seniorentreff wird vermisst

Auch wenn Siemers in der ländlichen Idylle nicht allzu viel vermissen, gibt es da doch etwas: den Frisör und den Seniorensport donnerstags auf dem Schönhauser Damm. Da gehören Siemers zu den Teilnehmern, die nie fehlen – nicht nur wegen der sportlichen Betätigung, sondern auch wegen des Beisammenseins. Die Geburtstagsrunde in diesem Kreis wird auch nachgeholt.

Torte gab es zur Zwei-Mann-Party am Sonnabend zwar nicht. Dafür aber auf Wunsch des Geburtstagskindes Spargel mit Sauce Hollandaise – selbstgemacht natürlich. Genau wie das Eis zur Nachspeise.