Havelberg l Diese Überraschung ist gelungen. Nur einer der Dienst habenden Mitarbeiter der Rettungswache der Johanniter Unfallhilfe in Havelberg war eingeweiht. Alle anderen wussten nicht, warum am Vormittag des Heiligen Abends der Weihnachtsmann vorfuhr. Der Grund klärte sich schnell auf. Achim Frey vom Blaue-Herzen-Verein berichtete von der großen Resonanz auf den Spendenaufruf, mit dem für Pflegekräfte in Altenheimen in Havelberg und Sandau und dem mobilen Pflegedienst in der Hansestadt Restaurantgutscheine ermöglicht werden sollten.

Als Dankeschön für ihre Arbeit seit Beginn der Corona-Pandemie. 200 Gutscheine waren angedacht. Weil mehr Geld gespendet wurde, kommen auch die 23 Mitarbeiter des Rettungsdienstes in Havelberg und Klietz in den Genuss eines Gaststättenbesuches, wenn die Restaurants nach dem derzeitigen Lockdown wieder öffnen dürfen. Wie berichtet, beteiligen sich elf Gasthäuser aus der Elb-Havel-Region und darüber hinaus an der Aktion. Sie übernehmen zehn Euro pro Gutschein.

„Wir wollen euch danke sagen für das, was ihr seit Monaten leistet“, machte Achim Frey, der im Weihnachtsmannkostüm steckte, deutlich, dass auch für die Rettungsdienstler die Pandemie keine einfache Zeit ist. Die Überraschung gelang, die Freude war groß.

Zweites Zuhause

Zur Rettungswache in Havelberg gehört auch die im Februar in Klietz eröffnete Wache. „Das hat sich bewährt, wir sind viel schneller bei den Patienten“, berichtet der Leiter der Rettungswache Andreas Schulz im Gespräch mit der Volksstimme. Er hatte am Morgen des Heiligen Abends seinen 24-Stunden-Dienst beendet. Immer sechs Rettungskräfte sind in Havelberg im Einsatz, in Klietz sind es zwei. Hinzu kommt der Notarzt, der für den gesamten Bereich zuständig ist.

Die Wache ist weihnachtlich geschmückt. „Das ist hier unser zweites zu Hause, da soll es nicht trist aussehen“, berichtet der Chef. Die Mitarbeiter nehmen ohnehin die Mahlzeiten – so es die Einsatzlage zulässt – gemeinsam ein. Los geht‘s mit dem Frühstück. Nicht nur zu Weihnachten kochen sie gemeinsam, jeder bringt dafür was mit. Zum Kaffee am Nachmittag des Heiligen Abend wurde der Leitende Notarzt Dr. Peter Hoffmann erwartet, der an dem Tag auch Dienst hatte.

Corona hat den Dienst in der Rettungswache verändert. Nicht nur, dass bei Verdacht auf einen Covid-19-Patienten persönliche Schutzkleidung mit Maske, Anzug und Schuhüberziehern angelegt werden muss, auch die Fahrzeuge müssen jedes Mal aufwendig desinfiziert werden, was beim großen RTW schon eine Herausforderung sei. „Der Arbeitsaufwand ist der Wahnsinn“, sagt Andreas Schulz.

„Wir haben jetzt viel mehr Corona-Fälle, es vergeht kein Einsatz ohne. Da bleibt es nicht bei einmal Umziehen am Tag. Entsprechend groß ist der Verbrauch an persönlicher Schutz­ausrüstung.“ Im ersten Lockdown im Frühjahr sei die Havelberger Wache noch verschont geblieben von Einsätzen mit Corona-Patienten.

Den Mitarbeitern stehen vom Arbeitgeber aus Schnelltests zur Verfügung. Zweimal pro Woche wird getestet. Angesteckt hat sich bisher zum Glück noch niemand, sind die Havelberger froh. Betroffen sind Mitarbeiter jedoch immer mal wieder von erweiterter Quarantäne, wenn sie Kontakt mit Corona-Infizierten hatten. Der Respekt fahre jetzt bei jedem Einsatz mit. „Wir sehen ja auch die Krankheitsverläufe und sind sehr daran interessiert, uns nicht anzustecken, auch im Sinne unserer Familien“, so Andreas Schulz.

Deutlich mehr Einsätze

Dass das Havelberger Krankenhaus seit September geschlossen ist, sei bei den Johannitern zu spüren. „Die Einsätze sind deutlich mehr geworden“, berichtet der Rettungswachenleiter. Die meisten Patienten werden nach Stendal oder Perleberg gebracht, aber auch nach Kyritz. Wer sonst bei einem medizinischen Notfall selbst ins Krankenhaus gefahren ist, ist jetzt auf den Rettungsdienst angewiesen. Es gibt mehr Fahrten in Krankenhäuser, aufgrund der weiten Wege sind die Fahrzeuge viel länger unterwegs. Das wiederum hat zur Folge, dass der Rettungshubschrauber öfter zusätzlich im Einsatz ist. Aufgrund der Lage sind länderübergreifende Einsätze normal.

Über die Überraschung durch den Blaue-Herzen-Verein haben sich die Rettungskräfte gefreut. Schade finden sie es, dass sie im Gegensatz zu Kollegen in anderen Landkreisen keine Corona-Prämie bekommen. „Das wäre eine Anerkennung für unsere Arbeit“, so Andreas Schulz.