Hohengöhren l  Wieder, weil die Flut vor fünf Jahren alles zunichte gemacht hatte. Es gab so manche Stunde im Sommer 2013, in der Annedore Dammeyer am liebsten alles hingeschmissen hätte. Doch ihr Optimismus hat sie nicht im Stich gelassen, ebenso wenig wie die Freunde, die halfen, die Flutschäden zu beseitigen. Ein Meter hoch hatte das Fischbecker Deichbruchwasser gestanden und alles vernichtet, was Annedore Dammeyer mühsam aufgebaut hatte. Denn mit dem alten Möbelwerk am südlichen Hohengöhrener Ortseingang hatte sie sich wenige Jahre zuvor ihr eigenes kleines Reich geschaffen.

Nutzung seit 2010

Mit dem landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Hohengöhrener Damm, den sie zusammen mit Ehemann Hartwig seit 1992 betreibt, hatte sie eigentlich mehr als genug zu tun. Das leerstehende Betriebsgelände von Hapo, wo zu DDR-Zeiten und dann bis Mitte der 90-er Jahre Teile für Polsterbetten gebaut wurden, sollte eigentlich als Lager für Maschinen, Düngemittel und Saatgut dienen. Aber schnell stellte sich heraus, dass das Möbelwerk für Maschinen zu flach war. Was nun? Es gab ein paar Ideen für landwirtschaftliche Nutzung. Aber dann sagte Annedore Dammeyer: „Die Halle gehört mir!“ Sie wollte sich selbst verwirklichen, neben dem Landwirtschaftsbetrieb ihr eigenes Projekt verwirklichen, abschalten. „Dann mach!“ stellte sich Hartwig Dammeyer hinter seine Frau. Die war zu dem Zeitpunkt aktive Linedancerin. So trafen sich die Gruppen hier zum Tanz, 2010 fand der erste Weihnachtsmarkt statt. Und man konnte die mit viel Liebe zum Detail und alten, aufgearbeiteten Möbeln hergerichtete Halle für Partys mieten. Bis zu 200 Mann finden hier Platz, für kleinere Gruppen kann der Raum geteilt werden. Langsam rollte das Geschäft an.

Rettung vor der Flut

Doch dann kam der 10. Juni 2013. Am 12. Juni hat das Deichbruchwasser Hohengöhren erreicht. Annedore Dammeyer, die aus Ostfriesland stammt, hatte vorgesorgt. „Ich wusste, dass das nicht gut gehen kann und der Deich brechen wird.“ Also schafften sie einen großen Teil der alten Möbel zum Damm, stellten sie einfach hoch und trocken im Wald ab.

Bilder

Als das Wasser abgeflossen war, kam das ganze Ausmaß der Schäden zum Vorschein. Zunächst erst einmal wurde nur aufgeräumt und der Schlamm entfernt. Dann hatte der ebenfalls stark betroffene Hof auf dem Damm Vorrang.

Viele teure Auflagen

Aber irgendwann lief hier wieder alles und der Mut, das Möbelwerk wieder zur Party-Location zu machen, kam zurück. Anträge auf Wiederaufbaumittel wurden gestellt und nach einigem Hin und Her genehmigt – für die gewerbliche Nutzung mit hohen, teuren Auflagen. Das Konzept ist ähnlich wie zuvor: Die Halle mit zwei Bars wird vermietet, vor allem an große Gesellschaften, aber auch kleine Gruppen. Es gibt eine Spül- und Kaffeeküche – nicht zum aufwendigen Kochen, sondern zum Anrichten der Speisen, die von Gasthäusern der Region angeliefert werden könnten - also auch eine Bereicherung für die Region. „Jeder kann so feiern, wie er gern möchte. Ich kann dabei behilflich sein, den Raum herzurichten, vermiete Geschirr und Tischwäsche, wenn es gewünscht ist. Und ich kann die Organisation von Events übernehmen.“

Die Sanierung ist aufwendig. Annedore Dammeyer macht viel selbst, verlegt sogar den Fußboden. Küche und Toiletten werden saniert, auch draußen ist viel zu tun. Jede freie Minute verbringt die 53-Jährige in der Halle, ist auch auf dem heimischen Hof präsent und arbeitet stundenweise als Lehrerin an der Berufsfachschule für Erzieher und Sozialassistenten in Premnitz.

Dass sie sich jede Zeit der Welt für ihren Traum nehmen kann, dafür ist Annedore Dammeyer ihrem Mann dankbar, außerdem den helfenden Freunden und Matthias Brey.

Altes neu in Szene gesetzt

Die Halle nimmt mehr und mehr Gestalt an, wird mit jeder Woche einladender. Nicht modern mit dem Allerneuesten (bis auf Toiletten und Küche) eingerichtet, sondern mit alten Sesseln, Tischen und Stühlen, dazu Geschirr aus Großmutters Zeiten – urgemütlich!

Am 16. Juni ist es soweit: Eröffnung. Ab 15 Uhr kann man sich ansehen, was aus dem alten Möbelwerk geworden ist. Für Kinder gibt es Unterhaltung und eine nostalgische Hüpfburg, abends macht ein DJ Musik, so dass man gern tanzen oder es sich in einer der vielen gemütlichen Ecken drinnen und draußen bequem machen kann. Nachmittags sind Kuchen und abends Würstchen im Angebot. Bilder von der Flut und vom Wiederaufbaus sind zu sehen, vielleicht auch aus Zeiten als Möbelfabrik.

Perfektionismus sollten die Besucher nicht erwarten. Denn fertig mit allem ist Annedore Dammeyer längst nicht, zu tun gibt es auf dem großen Gelände noch genug. Aber man wird überrascht sein, was sich hinter der Fassade des alten DDR-Baus befindet.