Lockdown

Wirte in und um Havelberg warten auf den Startschuss

Fast sieben Monate sind nach der staatlicherseits coranabedingt verordneten Schließung von Hotels und Gaststätten herum. Wie denken einzelne Gastronomen darüber?

Von Dieter Haase
Der Biergarten vom „Fontana“ in Havelberg befindet sich in einer sehr schönen Lage. Leider verbieten die Corona-Auflagen allerdings auch in Havelberg noch jede Art von Außengastronomie.
Der Biergarten vom „Fontana“ in Havelberg befindet sich in einer sehr schönen Lage. Leider verbieten die Corona-Auflagen allerdings auch in Havelberg noch jede Art von Außengastronomie. Foto: Dieter Haase

Havelberg

„Dass es mit dem Lockdown so gekommen ist und dass sich daran immer noch nichts geändert hat, dagegen können wir ganz und gar nichts machen. Aber das sollte kein Grund sein, alles total negativ zu sehen“, findet Kerstin Maslow, die Inhaberin des BilderbuchCafés am Markt in Havelberg. „Zumindest kann ich in dieser Zeit auf mehrere treue Kunden zählen, was für das Geschäft eine echte Unterstützung bedeutet.“ Essen- und Eisverkauf sowie Kaffee und Kuchen außer Haus gehören zum Beispiel dazu. Oder auch so manch andere Erzeugnisse, die im Café angeschaut und erworben werden können. „Man muss nur ein paar neue Ideen entwickeln“, nennt Kerstin Maslow ihre Strategie im Lockdown. „Es kann jetzt aber eigentlich auch nur besser werden. Aus dem Grund blicke ich mit Optimismus in die Zukunft.“

Neues Konzept für Restaurantbetrieb wird vorbereitet

„Durchhalten“ gilt auch für das ArtHotel Kiebitzberg am Schmokenberg. „Ich verbringe jeden Tag damit, die jeweils neuen Verordnungen durchzuarbeiten“, berichtet Geschäftsführerin Renate Lewerken. „Doch solange die Inzidenzen hier im Landkreis nicht unter 100 sinken, bleibt wohl alles so, wie es ist.“ Zimmerbelegungen im Hotel sind möglich, allerdings nur für Dienstreisende oder in der Region tätige Monteure von außerhalb. „Diese umsorgen und betreuen wir nach allen Regeln der Kunst“, versichert Renate Lewerken. Dennoch sei es eine „wirtschaftlich schwierige Zeit, in der es für einen Hotelier nichts zu verdienen gibt“. Für die Zukunft beabsichtigt Renate Lewerken, für den Restaurantbetrieb ein komplett neues Team aufzustellen. „Ich bereite dazu ein völlig neues Konzept vor“, informiert sie.

Die Kultur, die im Hotel normalerweise so groß geschrieben wird, muss aktuell ebenfalls auf Eis liegen. „Ich bin mit mehreren Künstlern im Kontakt. Sie sind alle sehr kooperativ. Wegen der Pandemie bleibt uns jedoch nichts anderes über, als erst einmal in Lauerstellung zu verharren.“

Hotel vor einiger Zeit komplett ausgebucht

Geschäftsreisende und Arbeiter von außerhalb, die Aufträge in Havelberg abarbeiten, sorgen zumindest auch für das Hotel am Hafen für einige wenige Einnahmen. „Vor einigen Tagen waren wir sogar einmal komplett ausgebucht“, freute sich die Hotelangestellte Angelique Weißbach. Weitere Anfragen würde es immer wieder mal geben. Ein Außer-Haus-Verkauf werde bei schönem Wetter zudem für eine Auswahl an Eissorten angeboten.

Außer-Haus-Verkauf rechnet sich nicht

„Das Beste ist, dass sich mein Restaurant in einem zum Glück abbezahlten eigenen Haus befindet“, erklärt Gastwirt Detlef Ballendat vom „Schützenhaus“ in Sandau. Dadurch würden die schließungsbedingten Verluste nicht in astronomische Höhen klettern. Unter anderem mussten zum Beispiel alle Feiern im Saal abgesagt werden, wie Karnevalsveranstaltungen, Jugendweihen oder Familienfeiern, um nur einige Beispiele zu nennen. „Alles, was wir jetzt machen können, ist warten, warten, warten... Auf keinen Fall werden wir aber den Kopf in den Sand stecken“, verspricht der Gastwirt. „Wir warten sehnsüchtig auf den Startschuss. Denn irgendwann muss ja wieder mal Normalität einziehen.“ Außer-Haus-Verkauf von Gerichten rechnet sich für seine Gaststätte rein gar nicht. Aber dennoch hat Detlef Ballendat in der Vergangenheit in der Beziehung zumindest einige Wünsche beziehungsweise Bestellungen erfüllt: zu Weihnachten, zu Ostern und zuletzt auch zum Muttertag.

Die zusätzlich gewonnene Zeit nutzt der Wirt für Arbeiten, die in der Vergangenheit liegen geblieben sind: für die Beseitigung von Frostschäden im Eingangsbereich, für den Bau eines Zaunes, für die Ausbesserung der Ferienwohnung und für alles, was noch irgendwie reparaturbedürftig ist.

Änderung des Radwege-Verlaufes ärgert Gastwirt

Was ihn in der gegenwärtigen Corona-Zeit zusätzlich sehr verärgert, ist die Tatsache, dass der Verlauf des Elberadweges durch Sandau verändert worden ist. „30 Jahre lang sind die Radler so gefahren, dass sie am Schützenhaus vorbei gekommen sind. Und warum nun das?“ Statt über den Radweg an der B 107 entlang, führt die Radlerstrecke nun von der Stadtkirche aus über die Elbstraße und die Königsallee bis nach Havelberg.

„An meine Gaststätte und auch an Pensionen in Sandau ist bei der Umverlegung offensichtlich überhaupt nicht gedacht worden. Die einzigen, die jetzt Profit daraus ziehen, sind Anbieter in Havelberg.“ Was Detlef Ballendat jedoch fordert, das sind Hinweisschilder für die Radler, dass sie am Ortsausgang von Sandau - in Richtung Havelberg gesehen - in eine Gaststätte mit deutscher Küche einkehren können.

In Griechenland ist es gerade auch nicht anders

„Das habe ich in meiner ganzen Zeit in Havelberg noch nicht erlebt, dass mein Restaurant nun schon fast seit sieben Monaten geschlossen bleiben muss. Und dass bei dem schönen Wetter nicht einmal Außengastronomie möglich ist“, zeigt sich Eleftherios Tioutios vom griechischen Restaurant „Akropolis“ von der aktuellen Corona-Situation alles andere als erfreut. „Aber ich weiß, dass es in meiner Heimat Griechenland derzeit auch nicht viel anders ist. Das finde ich alles sehr bedauerlich. Hoffentlich fallen die Inzidenzzahlen bald in den Keller, damit wieder Normalität auch in die Gastronomie einziehen kann. Meine Stammgäste warten seit langem darauf.“ Zumindest am Wochenende bietet Eleftherios Tioutios, der mittlerweile seit genau 20 Jahren das „Akropolis“ betreibt, für alle seine Kunden auf Bestellung abends Gerichte zum Mitnehmen an. Das werde auch recht gut angenommen, habe er festgestellt. „Ich bin froh, dass diese Gäste uns auf diese Art im ,Akropolis' unterstützen“, fügt er an. Ohne diese kleine Hilfe und ohne staatliche Gelder „wäre der Lockdown für unsere Gastronomie mit Sicherheit tödlich ausgegangen“.

Eigentlich hatte er anfangs gehofft, dass die Schließungszeit nicht länger als zwei Monate dauern würde. Und er dachte dabei nicht im Traum daran, dass es nun sogar sieben Monate oder noch einige mehr werden könnten. „Sogar die ersten Touristen waren schon da, doch leider musste ich sie gleich wieder wegschicken.“

Im Außenbereich alles vorbereitet

„Wir stecken in den Startlöchern“, teilt Marianne Lindholz, die Betreiberin des Gasthauses im Mühlenholz, auf Anfrage mit. „Im Außenbereich haben wir in den vergangenen Tagen alles für eine Öffnung vorbereitet, unter anderem Stühle und Tische gestellt und außerdem neue große Sonnenschirme angeschafft.“ Das größte finanzielle Problem sieht die Gastwirtin in der monatlichen Begleichung der Pacht. „Das ist das Schlimmste in der gegenwärtigen Zeit“, sagt sie. Staatliche Hilfen helfen über die finanziellen Sorgen aber ein wenig hinweg.

Ein großes Problem sieht sie durch die sich möglicherweise immer wieder veränderten Inzidenzzahlen auf die Gastronomie zukommen. „Ein paar Tage auf, dann wieder zu, dann wieder auf und wieder zu. Das hält keiner lange durch“, glaubt sie. „Und auch die Kontrolle der Gäste auf Geimpfte, Genesene und negativ Getestete ist kompliziert und zeitaufwändig. Wer vom Personal soll das machen? Es gibt genug andere Arbeit zu erledigen.“ Um nicht zu viel Ware einkaufen zu müssen, ist für eine erhoffte Wiederöffnung zunächst erst einmal die Speisekarte etwas verkleinert worden. Marianne Lindholz hofft, dass die Außengastronomie vielleicht schon zu Pfingsten durch den Landkreis freigegeben wird.

Aufgeben kommt nicht in Frage

Aber ganz egal, wie es kommt: „An Aufgabe denke ich absolut nicht. Ich hänge zu sehr an meinem Gasthaus, dem ich in vielen Jahren zum heutigen Ruf verholfen habe. Und ich hänge natürlich auch an meinem Personal und an meinen Gästen.“

Bis an die Grenzen des Ersparten gegangen

Über ein Jahr lang noch so gut wie nichts verdient hat die Betreiberin des Altstadt Cafés in Havelberg, Birka Müller. „Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt, als ich das Café im März 2020 übernahm.“ Sie musste an die Grenzen ihrer privaten Sparanlagen gehen, um notwendige Investitionen vornehmen zu können. Die Außer-Haus-Versorgung, die sie derzeit anbietet, bezeichnet sie als „Hobby, das ich lebe, um nicht zu Hause rumsitzen zu müssen.“ Ihre derzeitige große Hoffnung setzt sie in die Zulassung der Außengastronomie.

Schön wäre es! Aber dieser Hinweis am Gasthaus Mühlenholz steht dort bereits seit gut einem Jahr und ist hier nicht entfernt worden.
Schön wäre es! Aber dieser Hinweis am Gasthaus Mühlenholz steht dort bereits seit gut einem Jahr und ist hier nicht entfernt worden.
Foto: Dieter Haase
Marianne Lindholz, Inhaberin des Gasthauses im Mühlenholz.
Marianne Lindholz, Inhaberin des Gasthauses im Mühlenholz.
Foto: Dieter Haase
 Eleftherios Tioutios betreibt seit 20 Jahren das Restaurant „Akropolis“.
Eleftherios Tioutios betreibt seit 20 Jahren das Restaurant „Akropolis“.
Foto: privat